Fürsten werden. Die Familie zu Salm im 17. Jahrhundert
Abstract
Wilhelms-Universität Münster begutachtet und mit ‚sehr gut ' (1,0) bewertet. Nach der Begutachtung habe ich den Text nur leicht überarbeitet. Durch die Korrektur wurden insbesondere einige stilistische Ungenauigkeiten begradigt, die der unbarmherzig verrinnenden Bearbeitungszeit geschuldet waren. Meine Gutachter, Herr Professor Dr. Michael Sikora und Frau Professor Dr. Barbara Stollberg-Rilinger, haben mich in meinem Vorhaben von Anfang an mit wohlwollendem Interesse unterstützt. Ohne ihr Geleit hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, den Weg zu Ende zu gehen. Zu Thema und Gegenstand dieser Arbeit bin ich gelangt wie die Jungfrau zum Kind. Mit der historischen Adelsforschung kam ich zum ersten Mal auf einer Sommer-akademie der WWU im Jahr 2011 in Berührung. Auf die in Historiker-Kreisen leider weitgehend unbekannte Familie zu Salm stieß ich ähnlich zufällig. Als Hilfskraft in dem wirtschaftshistorischen Projekt ‚Bodenrenten in Westfalen' arbeitete ich mehrere Jahre mit Abrechnungen der fürstlich-salm-salm'schen Rentei, ohne viel über die Familie zu wissen. Nach einer Exkursion der Projektgruppe zur Wasserburg Anholt, dem Stammsitz der Familie, packte mich die Neugier. Salm ließ mich bald nicht mehr los. Meine Abschlussarbeit musste sich unbedingt mit der Familie beschäftigen. Zum Glück fand ich in Herrn Sikora einen engagierten Betreuer, der meine Obsession in produktive Bahnen zu lenken wusste. Möglich wurde meine Arbeit aber überhaupt erst durch das Engagement der fürstlichen Familie. Seiner Durchlaucht Carl Philipp zu Salm-Salm und seiner Familie ist es hoch anzurechnen, dass sie ihr Archiv der Wissenschaft offen halten. Die Mitarbeiter des Fürstlich Salm-Salm'schen Archivs haben mich mit Rat und Tat bei meiner Arbeit unterstützt. Insbesondere Herr Dr van Krugten gab mir zahlreiche wertvolle Hinweise. Ihnen allen sei an dieser Stelle aufrichtig gedankt. Mein Dank gilt außerdem Herrn Professor Dr. Peter Oestmann für die kritische Durchsicht des Manuskripts sowie allen anderen, die die Arbeit oder Teile davon auf Fehler durchleuchtet haben. Widmen möchte ich diese Arbeit meiner Frau und Partnerin Anastasia, die mir stets den Rücken freihält und immer für mich da ist. Münster, im Juni 2014 Jonas Stephan Inhaltsverzeichnis
References (437)
- -sächsischer Reichsgrafen in der Frühen Neuzeit, Berlin 2003 (= Schriften zur Residenzkultur II), S. 212-306 passim.
- Thomas Klein: Die Erhebungen in den weltlichen Reichsfürstenstand 1550-1806, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 122 (1986), S. 137-192; Harry Schlip: Die neuen Fürsten. Zur Erhebung in den Reichsfürstenstand und zur Aufnahme in den Reichsfürstenrat im 17. und 18. Jahrhundert, in: Liechtenstein -Fürstliches Haus und staatliche Ordnung. Geschichtliche Grundlagen und moderne Perspektiven, hrsg. v. Volker Press u. Dietmar Willoweit, München/Wien 1987, S. 249-292.
- Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 252. Klein nennt keine Zahlen.
- Die Zahl 30 nennt Karl-Heinz Spieß: Research on the Secular Princes of the Holy Roman Empire: State- of-the-Art and Perspectives, in: Princely Rank in Late Medieval Europe. Trodden Paths and Promising Avenues, hrsg. v. Thorsten Huthwelker u.a., Ostfildern 2011 (= RANK I), S. 27-47.
- Hierzu jetzt Barbara Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches, München 2008, S. 72ff.
- Johann Jacob Moser: Von denen kayserlichen Regierungs-Rechten und Pflichten, 2 Teile, Frankfurt/Main 1772/1773 (= Neues Teutsches Staatsrecht III), hier Teil 2, ebd. 1773, S. 425.
- Johann Stephan Pütter: Anleitung zum Teutschen Staatsrechte, aus dem Lateinischen übersetzt von Carl Anton Friedrich Graf von Hohenthal, Teil 1, Bayreuth 1791 (= lat. Original ‚Institutiones iuris publici Germanici') (= ND Goldbach 2001; Bibliothek des Öffentlichen Rechts. Altes Reich VIII), S. 98. Zu Pütter im Überblick Christoph Link: Johann Stephan Pütter, in: Staatsdenker in der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Michael Stolleis, 3. erw. Aufl., München 1995, S. 310-331.
- 5 Zu unstandesgemäßen Ehen im Hochadel vgl. Michael Sikora: Über den Umgang mit Ungleichheit. Bewältigungsstrategien für Mesalliancen im deutschen Hochadel der Frühen Neuzeit -das Haus Anhalt als Beispiel, in: Zwischen Schande und Ehre. Erinnerungsbrüche und die Kontinuität des Hauses. Legitimationsmuster und Traditionsverständnis des frühneuzeitlichen Adels in Umbruch und Krise, hrsg. v. Martin Wrede u. Horst Carl, Mainz 2007 (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Bh. LXXIII), S. 97-124.
- Zur Fürstung der Familie Palm mit weiterer Literatur Klein: Erhebungen, 1986, S. 180-182.
- S. hierzu Czech: Legitimation, 2003, S. 293-302.
- Vgl. Arndt: Reichsgrafen, 2001, S. 122f.
- Zum Adel in den Erblanden vgl. Winkelbauer: Fürst, 1999, S: 21-46.
- Hierzu im Einzelnen Klein: Erhebungen, 1986, S. 148-151; Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 266f.
- Asch: Ständische Stellung, 2001; Grundlegend zur Legitimation der adeligen Privilegien Klaus Bleeck u. Jörn Garber: Nobilitas: Standes-und Privilegienlegitimation in deutschen Adelstheorien des 16. und
- Jahrhunderts, in: Daphnis 11 (1982), S. 49-114.
- Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 257. 13 Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 261f. 14 Hierzu mit Nachweisen Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 259f, 262-265.
- 47 Mauerer: Südwestdeutscher Reichsadel, 2001, S. 313.
- Czech nennt "Herkunft und Vergangenheit" deshalb treffend "hierarchiebildend", Czech: Legitimation, 2003, S. 18. Zum Kapitel "Dynastie und Vergangenheit" bei Czech vgl. S. 28-127.
- Auch ein Schloß war insofern Teil der Memoria, weil es auch nach Generationen dem Betrachter die Magnifizienz der Adelsdynastie ins Gedächtnis rief, s. Pečar: Ehre, 2003, S. 267. Grundlegendes bei Kilian Heck: Genealogie als Monument und Argument. Der Beitrag dynastischer Wappen zur politischen Raumbildung der Neuzeit, München 2002 (= Kunstwissenschaftliche Studien XCVIII).
- Die Fürstung beider Linien wurde auf 53.000 fl. taxiert, vgl. Mauerer: Südwestdeutscher Reichsadel, 2001, S. 318. 114 Mauerer: Südwestdeutscher Reichsadel, 2001, S. 320-328.
- September) kann nicht stimmen, da die Schlacht von Nördlingen am 5. und 6. September stattfand, vgl. Fürst Alfred: Kurze historische Notizen, S. 41.
- Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 179f. Farbabdruck in Duco van Krugten: Die Anholter Gemäldesammlung (= Höhepunkte der fürstlichen Gemäldesammlung Anholt), Anholt o.J., S. 147.
- Vgl. zum Thema jetzt den Sammelband Barocke Bekehrungen. Konversionsszenarien im Rom der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Ricarda Matheus u.a., Bielefeld 2013 (= Mainzer Historische Kulturwissen- schaften VI).
- Fürst Alfred: Kurze historische Notizen, S. 41. Woher Fürst Alfred diese Informationen hat, ist mir nicht bekannt. Er selbst meint, "andere Schriftsteller" (Namen nennt er nicht) hätten fälschlicherweise behauptet, Philipp Otto sei erst kurz vor seiner Hochzeit konvertiert. verhielt, darüber ist nichts bekannt. Dass er sich zu jener Zeit in Karls Umfeld aufhielt, ist nur eine Vermutung; von seiner aktiven Teilnahme am Konflikt ganz zu schweigen. Die Domherren-Stelle von 1593 ist, wenn man sie als Belohnung interpretiert, freilich ein Indiz für Philipp Ottos Engagement im Kapitelstreit. Möglicherweise sammelte er in den Kämpfen der Jahre 1592/1593 seine ersten militärischen Erfahrungen. Mit seiner Entscheidung für die katholische Religion stand Philipp Otto zwischen sei-nen Standesgenossen nicht allein da. Im Hochadel trugen die Rekatholisierungsbemüh-ungen der Kurie seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert reife Früchte. 19 Zu den spekta-kulärsten und folgenreichsten Konversionsentscheidungen zählte sicherlich der heim-liche Übertritt Wolfgang Wilhelms von Pfalz-Neuburg (1578-1653) zum Katholizismus im Jahr 1613. 20 Unter den späteren Neufürsten gab es ebenfalls einige, die sich erst im Laufe ihres Lebens für den katholischen Glauben entschieden hatten (zum Beispiel die drei Liechtenstein-Brüder Karl, Gundaker und Maximilian um 1600). 21 Auch wenn im Einzelnen vieles im Dunkeln bleibt, zeigt das Beispiel Straßburg doch, wie Philipp Otto aus seinem Konfessionswechsel unmittelbare Vorteile ziehen konnte. Allerdings darf man den Zusammenhang zwischen ‚Bekehrung' und ‚Erfolg' nur sehr behutsam interpretieren: "Konversionsentscheidungen können nicht als Ursache-Wir- kung-Beziehung beschrieben werden." 22 Die Faktoren, die einen Konfessionswechsel beeinflussten, sind vielfältig, manche, wie die innere Überzeugung, kaum empirisch zu bestimmen. Deshalb ist es nicht sinnvoll, zwischen ‚wahren' und ‚falschen' Konver-sionen (d.h. solchen aus pragmatischem Kalkül) zu unterscheiden. 23 Im Fall Philipp Ot-tos gab 18 1599 entschied Kaiser Rudolf II. die Streitfrage zugunsten Karls. 1604 verzichtete Johann Georg gegen eine Entschädigung auf alle seine Ansprüche.
- Vgl. Eric-Oliver Mader: Fürstenkonversionen zum Katholizismus in Mitteleuropa im 17. Jahrhundert. Ein systematischer Ansatz in fallorientierter Perspektive, in: ZHF 34 (2007), S. 404-438.
- S. dazu Eric-Oliver Mader: Die Konversion Wolfgang Wilhelms von Pfalz-Neuburg: Zur Rolle von politischem und religiös theologischem Denken für seinen Übertritt zum Katholizismus, in: Konversion und Konfession in der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Ute Lotz-Heumann u.a., Gütersloh 2007 (= Schriften des Vereins für Reformationsgeschichte CCV), S. 107-146.
- Vgl. zu den erbländischen Konvertiten den Systematisierungsversuch bei Winkelbauer: Fürst, 1999, S. 66- 158.
- Ricarda Matheus: Entscheidungsräume protestantischer Konvertenden -Ein Modell, in: Barocke Bekehrungen. Konversionsszenarien im Rom der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Ricarda Matheus u.a., Bielefeld 2013 (= Mainzer Historische Kulturwissenschaften VI), S. 63-89, hier S. 83.
- Ricarda Matheus u.a.: Einleitung, in: Barocke Bekehrungen. Konversionsszenarien im Rom der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Ricarda Matheus u.a., Bielefeld 2013 (= Mainzer Historische Kulturwissenschaften VI), S. 9-18, hier S. 12.
- Das genaue Hochzeitsdatum ist unsicher, s. van Krugten: Salm, 2005; Europäische Stammtafeln NF XXIX, Taf. 154. Christines Geburtsjahr ist unbekannt, s. Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 167.
- Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln NF VI. Familien des alten Lotharingien 1, Marburg 1981, Tafel 98.
- Heinrich Neu: Art. Croÿ, in: NDB III, 1957, S. 425-426.
- Wrede: Ohne Furcht, 2012, S. 125. 28 Wrede: Ohne Furcht, 2012, S. 118f, Zitat S. 118.
- Vgl. zu Charles Philippe Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 136. Insbesondere aber Général Guillaume: Art. Croy (Charles-Philippe de), in: Biographie Nationale [Belgien] IV, 1873, Sp. 552-555. Zur Sukzession innerhalb des Hauses Croy vgl. Wrede: Ohne Furcht, 2012, S. 130-133. 1684 starben wiederum die Havré aus, was zu höchst verwickelten Erbfolgekonflikten führte, s. ebd., S. 134-143.
- Moritz Ritter: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegenreformation und des dreissigjährigen Krieges (1555-1648), III. Geschichte des dreissigjährigen Krieges, Darmstadt 2 1962 (zuerst Stuttgart/Berlin 1908), S. 170f. Mit einem Hang zum Werturteil, aber immer noch am ausführlichsten schildert der tschechische Historiker Anton Gindely den Regensburger Fürstentag, Anton Gindely: Geschichte des Dreissigjährigen Krieges IV. Die Strafdekrete Ferdinands II. und der Pfälzische Krieg (1621-1623), Prag 1880, S. 420-524.
- Axel Gotthard: Säulen des Reiches. Die Kurfürsten im frühneuzeitlichen Reichsverband. Teilband 1: Der Kurverein. Kurfürstentage und Reichspolitik, Husum 1999 (= Historische Studien CDLVII), S. 322f. 44 Ritter: Geschichte, 1908/1962, S. 170f.
- Der Mainzer Erzbischof bevorzugte den Kurfürstentag. Der mächtige Kurfürst Johann Georg von Sachsen forderte hingegen einen Reichstag. 46 Gotthard: Säulen, 1999, S. 324.
- Ritter: Geschichte, 1908/1962, S. 171, 183; Gotthard: Säulen, 1999, S. 325. 48 Gotthard: Säulen, 1999, S. 325; Ritter: Geschichte, 1908/1962, S. 183.
- Zitat bei Ritter: Geschichte, 1908/1962, S. 171; In der Bewertung wie Ritter Gotthard: Säulen, 1999, S. 324ff passim.
- Ritter: Geschichte, 1908/1962, S. 83-88.
- Zur Ähnlichkeit mit dem Reichstag mit den folgenden Zahlen Gotthard: Säulen, 1999, S. 326.
- Beschreibung bei Johann Philipp Abelinus: Theatrum Europaeum, oder außführliche und warhafftige Beschreibung aller und jeder denckwürdiger Geschichten, so sich hin und wieder in der Welt, fürnemblich aber in Europa und Teutschlanden […] vom Jahr Christi 1617. biß auff das Jahr 1629. exclus. […] zugetragen haben, Frankfurt/Main 1662 (= Theatrum Europaeum I), S. 712. Zur Quelle vgl. Gerhild Scholz Williams: Matthäus Merian: Theatrvm Evropaeum, Wolfenbüttel 2012 (= Theatrum-Literatur der Frühen Neuzeit: Repertorium) (abrufbar unter http://diglib.hab.de/edoc/ed000055/start.htm). Den 11ten [Januar], nach beschehener fürgetragener Proposition [vom. 10. Januar], hat Ihro Kayserliche Majestät hernachfolgende zu Fürsten und Grafen declarirt [es folgt eine Aufstellung mit insgesamt 31 (!) Namen, J.S.]." 64
- Von diesen 31 Männern stiegen die meisten in den Freiherrenstand, einige weitere in den Grafenstand auf. 65 Drei Personen machte der Kaiser laut Khevenhüller an diesem Tag zu Fürsten. Den "Herrn Rhein-Grafen", den "Herrn Grafen von Hohenzollern" sowie den "Grafen von Schaumburg". 66 Das sind ausgesprochen sparsame Angaben. Die erste 60 Ritter: Geschichte, 1908/1962, S. 187; Albrecht: Maximilian, 1998, S. 571. Eine knappe Beschreibung der Zeremonie bei Albrecht: Maximilian, 1998, S. 571f. Ebenfalls Gindely: Strafdekrete, 1880, S. 447ff. S. außerdem Theatrum Europaeum I, S. 725; sowie ausführlich Franz Christoph von Kheven- hüller: Annalium Ferdinandeorum Zehender Theil […], Leipzig 1724 (= Annales Ferdinandei X), Sp. 63ff. 61 Ritter: Geschichte, 1908/1962, S. 188.
- Nicht einmal Gindely: Strafdekrete, 1880, geht darauf ein, obwohl er sonst viele Details bietet.
- Z.B. Annales Ferdinandei X, Sp. 62-77, bes. Sp. 62-66. Auch die Gesandten scheinen sich, wenn man den edierten Berichten folgt, nicht sonderlich für die Standeserhebungen interessiert zu haben.
- Annales Ferdinandei X, Sp. 9f.
- Etwa ein Drittel der Kandidaten stammte den Namen nach aus Italien oder Spanien und wurde ausschließlich mit italienischen Titeln bedacht (z.B. "Conte de Conteroy zu Prince"), Annales Ferdinandei X, Sp. 10.
- Annales Ferdinandei X, Sp. 9f. Fürstung ist vergleichsweise einfach zu identifizieren. Mit dem ‚Rheingrafen' ist natürlich Philipp Otto zu Salm gemeint -kein anderes Mitglied des wild-und rhein-gräflichen Hauses wurde im 17. Jahrhundert gefürstet. Wer die beiden anderen Männer waren, ist viel schwieriger zu bestimmen. Die schwäbischen Hohenzollern erhielten im Jahr 1623 nämlich gleich drei Fürsten-titel. 67
- Bei den Empfängern handelte es sich um Johann Georg von Hohenzollern-Hechingen (1577-1623) 68 , seit 1609 Reichshofratspräsident, und seine beiden Vettern aus der Linie Sigmaringen, Johann (1578-1638) 69 , seit 1618 Obersthofmeister Herzog Maximilians, sowie den Kardinal Eitel Friedrich (1582-1625) 70 .
- Hat der Kaiser also einen der beiden anderen Hohenzollern am 11. Januar in den Fürstenstand erhoben? Die Diplome aller drei Hohenzollern wurden erst am 28. März 1623, und damit nachträglich ausgestellt. 74 Man muss sich also fragen, ob die Zeremonie überhaupt an jenem Tag in der von Khevenhüller kolportierten Weise stattfand. Eine befriedigende Antwort wird man wahrscheinlich nicht finden. Ergiebig erscheint aber folgende Hypothese: Die Kanzlei hat die Fürstendiplome der Hohenzollern erst nach der öffentlichen Bekanntgabe der Erhebung ausgestellt. Üblich wäre diese Praxis dann 67 Klein: Erhebungen, 1986, S. 147f.
- Vgl. Willi Eisele: Art. Hohenzollern-, Johann Georg Graf, seit 1623 Fürst zu [Hechingen], in: NDB IX, 1972, S. 501. Eisele schreibt in diesem wie auch im Biogramm von Johann von Hohenzollern-Sigmaringen (s. Fn. unten) fälschlich vom "Reichstage zu Regensburg 1623". Insofern sind seine Ausführungen vielleicht nicht so vertrauenswürdig, wie es eigentlich dem Standard der NDB entspricht. Vgl deshalb auch Schwarz: Privy Council, 1943, S. 249-252
- Willi Eisele: Art. Hohenzollern-, Johann Graf, seit 1623 Fürst zu [Sigmaringen], in: NDB IX, 1972, S. 501- 502.
- Theodor Penners: Art. Eitel Friedrich, Graf von Hohenzollern-Sigmaringen, in: NDB IV, 1959, S. 424.
- Annales Ferdinandei X, Sp. 66.
- Theatrum Europaeum I, S. 731.
- Zitate Theatrum Europaeum I, S. 731.
- Klein: Erhebungen, 1986, S. 148.
- Winkelbauer: Fürst, 1999, S. 198. Zur Biographie Maximilians, der als kaiserlicher Militär erfolgreich war, vgl. ebd., S. 62f.
- Eine moderne Darstellung fehlt, zur Person u. der älteren Literatur s. deshalb immer noch Karl Eder: Art. Dietrichtein, Franz von, in: NDB III, 1957, S. 701. Vgl. auch Schwarz: Privy Council, 1943, S. 221-224. 86 Klein: Erhebungen, 1986, S. 150.
- Kardinal Franz entschied sich für seinen Neffen Maximilian, s. zu ihm unten Kapitel 6.2, S. 121. 88 Über den Titel herrscht Uneinigkeit. Klein meint, die Lobkowitz seien Reichsgrafen, wohingegen Schwarz sie als Reichsfreiherren bezeichnet, s. Klein: Erhebungen, 1986, S. 150; Schwarz: Privy Council, 1943, S.
- Die deutschsprachige Literatur zur Familie hält sich in engen Grenzen. Zu Zdenko Adalbert finden sich bei Winkelbauer: Fürst, 1999 viele Informationen, allerdings stark verstreut. Einen ersten Zugang ermöglicht der Familienartikel in der NDB, s. Moritz Czáky u.a.: Art. Lobkowitz (Lobkowicz), von, in: NDB XIV, 1985, S. 728-736. S.a. die übersichtliche Kurzbiographie Zdenkos bei Schwarz: Privy Council, 1943, S. 290-292.
- Klein: Erhebungen, 1986, S. 150.
- Grundlegend zur Urkundenlehre Thomas Vogtherr: Urkundenlehre. Basiswissen, Hannover 2008 (= Hahnsche Historische Hilfswissenschaften III);
- Michael Hochedlinger: Aktenkunde. Urkunden-und Aktenlehre der Neuzeit, Köln [u.a.] 2009 (= Böhlau Historische Hilfswissenschaften III). Zur Kanzleisprache aus kulturwissenschaftlichem Blickwinkel vgl. jetzt Klaus Margreiter: Das Kanzleizeremoniell und der gute Geschmack. Verwaltungssprachkritik, 1749-1839, in: HZ 297 (2013), S. 657-688.
- Einen Eindruck von solche Verhandlungen ermöglicht eine bei Czech abgedruckte Quelle aus dem Kontext der Stolberger Fürstung: "Kurtzer Enthalt derer Meritorum so man um der Expedition willen zur Reichs-Canzley verlanget hat" [1742], S. 407f.
- Nach Karl F. v. Frank: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die Österreichischen Erblande bis 1806 […] 1. Band. A-E, Schloss Senftenegg 1967; zur Reichshofkanzlei immer noch grundlegend Lothar Gross: Die Geschichte der Deutschen Reichshofkanzlei von 1559 bis 1806, Wien 1933 (= Inventare österreichischer staatlicher Archive V.1).
- 000 Reichstaler erhalten, um ihre Geldprobleme in Gestalt von hartnäckigen Gläubi- gern, der Rente für Dietrich sowie den Hofhaltungskosten zu lösen. Im Gegenzug ver- pfändeten sie dem Wild-und Rheingrafen den Rhein-und Issel-Zoll. Nachträglich ein- gefügt ist eine Quittung vom 11. Mai 1649 über 7.000 "Pataions" 31 , die ihnen Friedrich Magnus für die Tilgung von Schulden gewährt hatte, welche das Fürstenpaar bei seinem Aufenthalt in den Spanischen Niederlanden im gleichen Jahr hatten aufnehmen müssen. Dies war kein Einzelfall. So verpfändete Leopold am 2. Februar 1647 den sogenannten Baarschen Hof an den brandenburgischen Rat Johann Philipp von Boickhorst gegen ein Darlehen von 10.200 Gulden holländisch, übrigens unter Erwähnung der Vollmacht, die ihm sein Schwiegervater für diesen Zweck gegeben hatte. 32 Am 8. Mai 1648 ließ Leo-pold eine lange Liste mit Gütern erstellen, die für den Schuldendienst verkauft werden sollten. 33
- Gemeint sind Pantagon (auch: Albertustaler). Diese Silbermünzen waren seit 1612 in den südlichen Niederlanden im Umlauf und entsprachen im Wert dem niederländischen Reichstaler, vgl. Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute, München 2009, S. 107.
- FSSA HA, Inv. Nr. 2157 [= Reg. Nr. 4178].
- FSSA HA, Inv. Nr. o.A. [= Reg. Nr. 4227].
- FSSA HA, Inv. Nr. 2298 [= Reg. Nr. 4416].
- 35 Michael Sikora: Der Adel in der Frühen Neuzeit, Darmstadt 2009 (= Geschichte kompakt), S. 114f. Pečar hat die Buchführung Philipp Ludwigs Graf von Sinzendorf für die Jahre 1721 bis 1738 ausgewertet. Die Daten zeigen, dass Sinzendorf nicht nur Kreditnehmer, sondern auch Kreditgeber war, vgl. Pečar: Ehre, 2003, S. 110.
- Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 13.
- Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 14. Bronckhorster oder salmscher Provenienz. 38 Da für die Residenzen Neuviller und Badonviller auch nach der Hochzeit Leopolds keine Inventare überliefert sind, bleibt ihr Gemäldebestand unsicher. 1672 jedenfalls kam die Sammlung in Anholt auf mindestens 50 Einzelstücke, wobei etwa die Hälfte noch aus der Bronckhorster Zeit stammte. Die Mehrzahl der Bilder hing im Großen Saal des Schlosses, der 1665 im Zusammenhang mit Carls erster Hochzeit eine reich verzierte Stuckdecke erhalten hatte, in deren Mitte das salmsche Wappen thronte. 39 Die relativ kleine fürstliche Sammlung wurde vor allem im
- Jahrhundert erweitert. Nach 1721 umfasste die Gemäldesammlung schon über 350
- Bilder. 40 Am Ende des Jahrhunderts waren es mehr als 650. 41 Gemessen an der regen Sammlertätigkeit ihrer Nachkommen scheint der Gemäldebesitz, über den Leopold und Maria Anna verfügten, recht bescheiden. Im Vergleich zu der Zeit vor 1641 hatte sich der Bestand 1672 aber immerhin verdoppelt. Bilder waren in der höfischen Gesellschaft ein "zentrales Repräsentationsmedium" mit vielfältigem Verwendungszusammenhang. 42 Die Ahnengalerie versinnbildlichte die Ver- gangenheit der Familie, ihre Anciennität und ihren Ruhm. Porträtssammlungen machten das soziale Netz einer Dynastie sichtbar. Ihr gemaltes Ebenbild ermöglichte den Fürsten und Fürstinnen, Präsenz auch dort zu zeigen, wo sie nicht persönlich anwesend waren. 43
- Und nicht zuletzt übernahmen Gemälde eine integrale Funktion bei der individuellen wie dynastischen Selbstinszenierung. 44
- Ein in dieser Hinsicht hoch interessantes Werk stellt das vermutlich um 1645 im Zusammenhang mit dem Übergang der Regierung von Dietrich IV. auf Fürst Leopold entstandene sogenannte Bronckhorster Galeriebild dar. 45 Wie der Name schon verrät, setzt das Bild aber gerade nicht die Familie Salm in Szene, sondern ihre Vorgänger in Anholt, das Geschlecht Bronckhorst-Batenburg. Es besteht aus einer Collage von 18
- Adriaan W. Vliegenthart: Das Bronckhorster Galeriebild auf Schloss Anholt, in: Album Amicorum J. G. van Gelder, hrsg. v. J. Bruyn u.a., Den Haag 1973, S. 337-341, hier S. 337. 39 Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 14.
- Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 18.
- Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 22.
- Gabriele Baumbach u. Cordula Bischoff: Frau und Bildnis 1600-1750. Einleitung, in: Frau und Bildnis 1600-1700. Barocke Repräsentationskultur an europäischen Fürstenhöfen, hrsg. v. dens., Kassel 2003, S. 7- 13, Zitat S. 7. Vgl. a. Bildnis, Fürst und Territorium, hrsg. v. Andreas Beyer, Berlin/München 2000 (= Rudolstädter Forschungen zur Residenzkultur II).
- Zum Modus der Abwesenheit v.a. in der höfischen Kommunikation vgl. jetzt Abwesenheit beobachten. Zu Kommunikation auf Distanz in der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Mark Hengerer, Münster 2013 (= Vita curialis IV). Neuere Literatur zum Porträt verarbeitet der Beitrag v. Philipp Zitzlsperger: Distanz und Präsenz. Das Porträt in der Frühneuzeit zwischen Repräsentation und Realpräsenz, in: ebd., S. 41-78. 44 Baumbach: Einleitung, 2003, S. 8.
- Zu diesem Gemälde vgl. Vliegenthart: Galeriebild, 1973, S. 337-341; Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 46;
- van Krugten: Höhepunkte, S. 10. Eine Abbildung des Galeriegemäldes findet sich in der Anlage, S. 156.
- Vgl. zur Gattung Galeriebild sowie zur Sammlung des Erzherzogs Karl Schütz: Die Sammlung Erzherzog Leopold Wilhelms, in: 1648. Krieg und Frieden in Europa. Katalog zur 26. Europaratsausstellung. Münster/Osnabrück 24.10.1998-17.01.1999. Textband II: Kunst und Kultur, hrsg. v. Klaus Bußmann u. Heinz Schilling, Münster 1998, S. 181-190.
- Zum Vergleich mit dem Bronckhorster Gemälde habe ich das Galeriebild "Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Galerie in Brüssel" (ca. 1650) von David Teniers d. Jüngeren (1610-1690) herangezogen, vgl. die Abbildung in der Anlage, S. 156.
- Vliegenthart: Galeriebild, 1973, S. 339.
- Vliegenthart: Galeriebild, 1973, S. 341, Anm. 2.
- Vgl. van Krugten: Höhepunke, S. 10. Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 46.
- Vgl. die Übersicht der Einzelbilder in van Krugten: Höhepunke, S. 11. Bzw. Vliegenthart: Bildersamm- lung, 1981, S. 46. zusammen mit dem links daneben angebrachten Porträt ihres Ehemannes Leopold im Jahr 1644 -mutmaßlich als erste gemeinsame Abbildung des jungen Ehepaares. 52 . Das Gemälde des Lothringer Hofmalers Deruet (1588- 1660), der auch das Reiterbild Philipp Ottos gemalt hatte, brachte Leopold wahrscheinlich aus seiner Residenz Neuviller nach Anholt. 53 Es ist denkbar, dass er es seiner Braut als Geschenk, vielleicht als Teil der Morgengabe, überreicht hat. Die Ge-staltung des Rahmens regt zur weiteren Interpretation an. Die meisten Bilderrahmen sind nämlich in einem schlichten Schwarz gehalten. Nur zwei stechen durch Goldfarbe hervor: die Madonna und das Jugendporträt Maria Annas. Diese farbliche Übereinstim-mung stellt eine augenfällige Verbindung zwischen Maria Anna und der Madonna her. Sehr wahrscheinlich deutet der kompositorische Kniff die besondere Hingabe der jungen Fürstin zur Gottesmutter an.
- Den Auftrag für das Galeriebild gab wohl Maria Annas Vater Dietrich IV. 54 Warum aber verzichtete Dietrich dann auf die Abbildung seines eigenen Porträts? Dieser Umstand ist ungeklärt. 55 Mit dem Galeriebild setzte Dietrich seine Tochter Maria Anna als "Mittel- punkt der Anholter Erbschaft" ins Bild. 56 Möglicherweise wollte er nicht die Aussagekraft des Arrangements durch eine Abbildung des letzten lebenden Bronck-horster Grafen in Anholt schmälern. 57
- Das Galeriebild, soviel lässt sich sagen, feiert Ma-ria Anna als End- und Höhepunkt ihres Geschlechts. Am Ende seines Lebens setzte Graf Dietrich IV. zu Bronckhorst-Batenburg in Anholt seinem Haus ein letztes Denk-mal. Bis heute hängt das Galeriebild im Anholter Schloss. In der Familie aber scheint die Bedeutung des Werkes 52 Die Pendants stammen vom niederländischen Maler Gerard van Honthorst (1590-1656). Vgl. zu Maria Annas Porträt Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 177, Inv. Nr. 78; Farbabdruck in van Krugten: Höhepunkte, S. 129; zu Leopold Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 172, Inv. Nr. 79; Farbabdruck in van Krugten: Höhepunkte, S. 128.
- Vliegenthart: Galeriebild, 1973, S. 340.
- Vliegenthart: Galeriebild, 1973, S. 339, Zitat S. 340. 55 Vliegenthart: Galeriebild, 1973, S. 339. Zum Porträt Dietrichs s. ebd., S. 132f. 56 Vliegenthart: Galeriebild, 1973, S. 339, Zitat S. 340.
- Solche bildästhetischen Überlegungen sind Dietrich durchaus zuzutrauen. Er war ein für seine Zeit und seinen Stand hochgebildeter Mann, beherrschte mehrere Sprachen und verfasste selbst eine moralpolitische Schrift auf Latein, vgl. Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 132f.
- 3 Die Karriere des Fürsten Leopold Leopold Philipp Carl verbrachte die meiste Zeit seines vergleichsweise kurzen Lebens als Soldat. Nachdem er sich in jungen Jahren gegen eine kirchliche Laufbahn und für das Kriegshandwerk entschieden hatte, verfolgte er diesen Karriereweg bis zu seinem Tod 1663 konsequent weiter. Im Gegensatz zu seinem Vater, der bis zu seiner Verwun-dung auf dem Schlachtfeld von Nördlingen in habsburgischen Diensten stand, wech-selte
- Ehre, also ökonomischem und sozialem Kapital zog manch adeliger Offizier zeitlebens 58 Vliegenthart: Galeriebild, 1973, S. 337, zitiert n. ebd.
- Hierzu Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 172, Fürst Alfred: Kurze historische Notizen, S. 43. 60 Kroener: Krieg und Karriere, 2005, S. 45f.
- Kroener: Krieg und Karriere, 2005, S. 59. Wirkliche stehende Heere wurden erst in den 1680er Jahren gebildet, als die meisten Territorialstaaten damit begannen, auch in Friedenszeiten eine beträchtliche Anzahl von militärischen Verbänden zu unterhalten, s. Bernhard R. Kroener: "Der Krieg hat ein Loch." Überlegungen zum Schicksal demobilisierter Söldner nach dem Dreißigjährigen Krieg, in: Der Westfälische Friede. Diplomatie -politische Zäsur -kulturelles Umfeld -Rezeptionsgeschichte, hrsg. v. Heinz Duchhardt, München 1998 (= HZ Bh. XXVI), S. 599-632, hier S. 618f.
- John A. Lynn: Giant of the Grand Siècle. The French Army, 1610-1715, Cambridge 1997, S. 313-315.
- 63 Manchmal nahmen unbestallte Offiziere in regelrechten Kompanien an Feldzügen teil, weil sie sich Hoffnungen auf eine Anstellung machten, falls ihre Kameraden nicht mehr vom Schlachtfeld zurückkehrten. Nach Kroener: Krieg und Karriere, 2005, S. 51, Fn. 25.
- Vgl. Michael Sikora: Söldner -historische Annäherung an einen Kriegertypus, in: Geschichte und Gesellschaft 29:2 (2003), S. 210-238. 65 Kroener: Krieg und Karriere, 2005, S. 48.
- Vgl. Lothar Höbelt: Götterdämmerung der Condottieri. Der Dreißigjährige Krieg, in: Rückkehr der Condottieri? Krieg und Militär zwischen staatlichem Monopol und Privatisierung: Von der Antke bis zur Gegenwart, hrsg. v. Stig Förster u.a., Paderborn [u.a.] 2009 (= Krieg in der Geschichte LVII), S. 127-139.
- Hierzu wie oben Vliegenthart: Bildersammlung, 1981, S. 172, Fürst Alfred: Kurze historische Notizen, S. 43. reiste er wieder zu seinem Regiment, das anscheinend noch in Dorsten statio-niert war. 68 Nachbarn Däne- mark, die im Verlauf des Jahres 1643 eskalierten. Der schwedische Oberbefehlshaber Torstensson zog zurück nach Norddeutschland, um in das Herzogtum Holstein einzu- fallen. 71 In Süddeutschland wiederum konnte die kurbayerische Armee den französi-schen Vormarsch bei Tuttlingen stoppen. Nun ging der kaiserliche Generalissimus Matthias von Gallas (1584-1647) im Sommer 1644 in die Offensive, obwohl seine Truppen nur etwas mehr als ein Jahr zuvor einer totalen Niederlage knapp entronnen waren. Seine Intervention im schwedisch-däni-schen Krieg scheiterte im Sommer 1644 grandios. 72 Die schlimme Finanz-und Versor-gungslage
- Maria Anna schrieb ihrem Gatten am 14. Januar 1642, dass sie sehr erleichtert sei über seine glückliche Ankunft bei der Armee in Dorsten ("ie suy este extremement resouy par la vostre d'tendre vostre heureus arive a dorste [.] i'esper par la grase de dyeu que vous est arivee heuresement a'larmee"), s. Maria Anna an Leopold zu Salm, 14.1.1642 (FSSA Korr., Serie II.c, Nr. 6).
- Gallas wurde 1634 Wallensteins Nachfolger als Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres, vgl. zur Person Hellmuth Rößler: Art. Gallas, Matthias, in: NDB VI, 1964, S. 46-47.
- Als Leopold Philipp Carl seinen Dienst aufnahm, umfasste die lothringische Armee etwa
- Mann. Zusammen mit den 18.000 spanischen Soldaten unter Erzherzog Leopold Wilhelm sammelten sie sich im Frühjahr 1648 zu einem Sommerfeldzug gegen die Franzosen. 81 Der Feldzug sollte für die Spanier wenig erfolgreich verlaufen. Leopolds persönlicher Karriere aber war er äußerst förderlich. Zur wichtigsten Schlacht des Feldzuges kam es am 20. August 1648. Bei Lens, einem kleinen artesischen Städt-chen nördlich von Arras, attackierten in den frühen Morgenstunden französische Truppen unter dem Prinzen Condé die spanisch-lothringische Armee. 82 Die Kämpfe wüteten bis zur Abenddämmerung. Ein erfolgreicher französischer Kavallerieangriff entschied die Schlacht schließlich zugunsten Condés. Die Spanier und Lothringer erlit-ten eine vernichtende Niederlage. Ihre Truppen seien, so heißt es im Theatrum Euro-paeum, "aus dem Feld in die Flucht geschlagen worden, wobei die Cavallerie durchgan-gen, unnd das Fußvolck im Stich gelassen". 83 Die Verluste auf beiden Seiten waren hoch, viele Kommandanten entweder tot, gefangen genommen oder verletzt. Selbst Erzherzog Leopold Wilhelm entging der Gefangennahme nur äußerst knapp. 84 Welchen Anteil der Fürst zu Salm am Kampfgeschehen hatte, erwähnt der Bericht zwar nicht, da er aber auch nicht in der Verlustliste auftaucht, scheint er unverletzt geblieben zu sein. Nach der Schlacht ernannte man ihn zum Feldmarschall. Der Grund für diese Beför-derung ist vielleicht im besagten Mangel an höheren Offizieren in Folge der Niederlage zu suchen. Leopolds Beteiligung am französisch-spanischen Krieg blieb ein kurzes Intermezzo. 1650 nahm er bereits wieder seinen Abschied aus lothringischen Diensten. 85 Die Gründe hierfür sind unbekannt. An mangelnder militärischer Härte scheint es nicht ge-legen zu haben. Dass Leopold zu raschem und kompromisslosem Handeln fähig war, belegt eine Episode aus dem Theatrum Europaeum: Ende 1649 bezog die etwa 10.000 Mann starke lothringische Armee Winterquartiere im Fürstbistum Lüttich, dessen Lan-desherr der Kölner Erzbischof Ferdinand von Bayern (1577-1650) war. Herzog Karl reiste bald nach Brüssel ab und übergab den Oberbefehl "dem Prinzen von Salm". 86 Eine einquartierte Armee ernährte sich aus dem sie umgebenden Land. Ihr Personal, die Soldaten und 81 Zum Feldzug 1648 vgl. die Nachrichten in Johann Georg Schleder: Theatri Europaei sechster und letzter Theil. Das ist, ausführliche Beschreibung der denckwürdigsten Geschichten, so sich […] vom Jahr Christi 1647. bis 1651. allerseits begeben und zugetragen, Frankfurt/Main 1663 (= Theatrum Europaeum VI), S. 354-356, S. 532-535.
- Eine Beschreibung der Schlacht mit namentlicher Aufstellung der Verluste unter den spanisch- lothringischen Offizieren Theatrum Europaeum VI, S. 533f.
- Theatrum Europaeum VI, S. 533.
- Theatrum Europaeum VI, S. 534. 85 Zu den Kampfhandlungen 1649, 1650 s. Theatrum Europaeum VI, S. 791-797, S. 1089-1100.
- Theatrum Europaeum VI, S. 796.
- Offiziere, wurden in den Behausungen der Einwohner untergebracht. Die Bauern und Bürger im Stift waren also aus nachvollziehbaren Gründen alles andere als glücklich über die lothringische Besetzung. Das gütliche Angebot der Stadt Lüttich, die Armee mit Geld zu entschädigen, wenn sie nur in einen anderen Landstrich weiterzöge, lehnte der Fürst zu Salm ab. Recht bald danach scheint sich ein bewaffneter Widerstand gebildet zu haben.
- Das Theatrum Europaeum berichtet: "Von gedachten Bawren schreibet man, daß sie anfangs der Lothringischen Meister gewesen, und derselben hin und her in den Wälden wol bey 300. erlegt" 87 Als die Bauern mutiger wurden und sich in offenes Gelände vorwagten, erstickte Leopold den Aufstand mit über 3.000 Reitern. Hunderte Bauern fanden den Tod. Die kommenden sechs Jahre hängte Leopold Philipp Carl seinen Degen an den Nagel. In diesem Lebensabschnitt fiel unter anderem der Reichstag zu Regensburg 1652/1653, auf dem Salm eine Virilstimme auf der weltlichen Fürstenbank erhielt. 88 Eine Angele-genheit, die viel von Leopolds Aufmerksamkeit forderte. Erst 1656 übernahm der Fürst zu Salm, mittlerweile 37-jährig, erneut ein militärisches Kommando. Das Delikate an diesem Schritt war die Tatsache, dass er nicht etwa in habsburgische Dienste zurück-kehrte, sondern stattdessen dem französischen König Ludwig XIV. die Treue schwor. Diese Entscheidung ist einigermaßen erstaunlich. Leopold hatte doch erst einige Jahre zuvor Sitz und Stimme auf dem Reichstag erhalten. Eine loyalere Haltung gegenüber dem Kaiserhaus wäre zu erwarten gewesen. Tatsächlich hatte Leopold zunächst ver-sucht, in der spanischen oder kaiserlichen Armee bestallt zu werden. 89 Als dies aber nicht gelang, ging er ins antihabsburgische Lager über. Salm wechselte also zugunsten seiner militärischen Laufbahn die Fronten der großen europäischen Politik. 90
- Der König von Frankreich ernannte Salm zum "Lieutenant-General sur touttes les trouppes de Nation allemende". 91 Was sich genau hinter diesem Titel verbarg, verschweigt die gängige Literatur zum Thema. Die Bezeichnung lieutenant général hatte im 17. Jahrhundert im 87 Theatrum Europaeum VI, S. 796.
- Siehe dazu unten Kapitel 6, S. 102-130.
- Fürst Alfred: Kurze historische Notizen, S. 43.
- Möglicherweise wurde Leopold seine Nähe zu Herzog Karl zum Verhängnis. Dieser saß nämlich seit 1654 als Gefangener der Spanier in Toledo. Man hatte ihn verdächtigt, geheime Verhandlungen mit den Franzosen zu führen. 1655 führte sein Bruder und Nachfolger Nikolaus Franz in der Tat die ganze lothringische Armee den Franzosen zu. S. hierzu Schmidt: Karl IV, 1977, S. 234. Im Detail Walther Mohr: Geschichte des Herzogtums Lothringen IV. Das Herzogtum Lothringen zwischen Frankreich und Deutschland (14.-17. Jahrhundert), Trier 1986, S. 376-379. Kroener charakterisiert Karl IV. in ähnlicher Weise als einen Militärunternehmer, der ein gefährliches Vabanquespiel zwischen Frankreich und Spanien betrieb, Kroener: Demobilisierung, 1998, S. 619f.
- Titel zitiert nach Fürst Alfred: Kurze historische Notizen, S. 43.
- S. hierzu Lynn: Giant, 1997, S. 290f; David Parrott: Richelieu's Army. War Government and Society in France, 1624-1642, Cambridge 2001, S. 464f.
- Zwischen 1661 und 1715 wurden über 300 Offiziere zu lieutenants généraux ernannt, s. Lynn: Giant, 1997, S. 291. 94 Lynn nennt dies "specific royal commission", s. Lynn: Giant, 1997, S. 291.
- Die Gleichrangigkeit qua Titel bewirkte, dass die erste (Kommando-)Stelle zwischen den lieutenants généraux einer Armee täglich wechselte. Zu den Aufgaben dieses "officers of the day for the entire army" zählte u.a. die für die Soldaten und den Feldzug überlebenswichtige Requirierung von Lebensmitteln, das sog. Fouragieren. S. Lynn: Giant, 1997, S. 290.
- Lynn: Giant, 1997, S. 328-332.
- Bernhard R. Kroener: Deutsche Offiziere im Dienst des "Allerchristlichsten Königs" (1715-1792). Aspekte einer Sozialgeschichte der Elite deutscher Fremdenregimenter in Frankreich im 18. Jahrhundert, in: Deutsche in Frankreich, Franzosen in Deutschland 1715-1789. Institutionelle Verbindungen, soziale Gruppen, Stätten des Austausches, hrsg v. Jean Mondot u.a., Sigmaringen 1992 (= Beihefte der Francia XXV), S. 53-71, hier S. 54.
- Kroener: Fremdenregimenter, 1992, S. 54.
- Kroener: Fremdenregimenter, 1992, S. 54f, 61f. drastisch reduziert, von 17 auf vier. Fremdenregimenter anderer Nationalitäten galten als kostengünstiger. Außerdem verfügte der niederländische Söldnermarkt über ein reichhaltiges Angebot, nachdem die Generalstaaten 1648 ihr gesamtes Heer abgedankt hatten. 106 Während Salms Amtszeit als Generalleutnant nahm die Zahl der Fremdenregimenter wieder zu, bis sie 1658 mit neun Regimentern ihren Höhepunkt erreichte. Ob Leopold Philipp Carl darüber hinausgehende Kompetenzen besaß, wie zum Beispiel den tatsächlichen Oberbefehl über die deutschen Regimenter, ist fraglich. Dagegen spricht das Beispiel des Generals Josias von Rantzau (1609-1650), der von 1635
- Oberbefehlshaber, zu seinem Generalfeldmarschall. 108 Der Rheinbund, auch Rheinische Allianz genannt, war am 14. August 1658 ins Leben gerufen worden, also etwa einen Monat nach der Wahl des jungen Erzherzogs Leopold zum römisch-deutschen Kaiser. Hinter dem Bündnis standen der Mainzer Kurfürst Johann Philipp von Schönborn (1605- 1673) und der ersten Minister Ludwigs XIV., Kardinal Mazarin (1602-1661). 109
- Die Rheinische Allianz, der einen Tag nach ihrer Gründung auch Frankreich beitrat, sollte die Einhaltung der Bestimmungen von Münster und Osnabrück absichern. Daher verwundert es nicht, dass dieser Zusammenschluss wichtiger Reichsstände, Gründungs- mitglieder waren das Kurfürstentum Köln, Braunschweig-Lüneburg, Hessen-Kassel so- wie Schweden, politisch in Richtung Wien zielte. Die Bündnispartner versuchten mit diesem Schritt, einem Ausgreifen kaiserlicher Macht im Reich einen Riegel vorzuschie- ben. 110 106 Kroener: Demobilisierung, 1998, S. 624.
- Parrott: Richelieu, 2001, S. 299-305.
- Hintereicher: Rheinbund, 1985, S. 254. Nur das Jahr ohne Monat bei Fürst Alfred: Kurze historische Notizen, S. 43f. Zum Rheinbund Anton Schindling: Der erste Rheinbund und das Reich, in: Alternativen zur Reichsverfassung in der Frühen Neuzeit?, hrsg v. Volker Press, nach dem Tod des Hrsg. bearb. v. Dieter Stievermann, München 1995 (= Schriften des Historischen Kollegs XXIII), S. 123-129.
- Schindling: Rheinbund, 1995, S. 125.
- Vgl. Guido Braun: Von der politischen zur kulturellen Hegemonie Frankreichs 1648-1789, Darmstadt 2008 (= Deutsch-Französische Geschichte IV), S. 33-36. S.a. Schindling: Rheinbund, 1995, S. 124. In einer anonymen Rheinbund-Geschichte aus dem Umfeld des Versaillers Hofes des 18. Jahrhunderts heißt es, Salm habe die Bestallung "a cause de sa grande experience dans la guerre
- et la singuliere affection qu'il avoit pour la paix dela nation Germanique" erhalten. 111 Damit hatte sich Leopold gegenüber dem deutlich jüngeren Kavallerieoffizier Friedrich II. von Hessen-Homburg (1633-1708; genannt der Prinz von Homburg) durchgesetzt, dem man ebenfalls Ambitionen auf die Stelle nachsagte. 112 In Wien wurde der Fürst zu Salm dadurch sehr wahrscheinlich endgültig zur Persona non grata. Zu einem militärischen Einsatz kam Leopold, der seine Truppen Ende Juni 1659 bei Andernach zu sammeln begann, nicht mehr. Der Pyrenäenfrieden 1659 zwischen Frank- reich und Spanien sowie der Frieden von Oliva zwischen dem Kaiserhaus, Brandenburg und Schweden von 1660 machten ein militärisches Eingreifen des Rheinbundes zu-nächst unnötig. Leopold Philipp starb, bevor er die Bundestruppen noch einmal ins Feld führen konnte. Als sich der Rheinbund 1663/1664 am Türkenkrieg beteiligte (und damit entgegen seiner Gründungsintention die Habsburger unterstützte), standen die Truppen bereits unter dem Kommando von Leopolds Generalleutnant Graf Wolfgang von Hohenlohe (1622-1698). 113
- Fürst Leopold Philipp Carl zu Salm starb am 10. Ok-tober 1663 auf Schloss Anholt im Alter von 44 Jahren. Dass ihm die Habsburger auch nur eine Träne nachgeweint haben, darf bezweifelt werden.
- Zitiert nach Hintereicher: Rheinbund, 1985, S. 255.
- Hintereicher: Rheinbund, 1985, S. 255. Zu Homburg, der mit dem titelgebenden Protagonisten des Dramas von Heinrich v. Kleist nur den Namen gemeinsam hat, vgl. Ludwig Clemm: Art. Friedrich II., Landgraf von Hessen-Homburg, in: NDB V, 1961, S. 505-506.
- Hintereicher: Rheinbund, 1985, S. 260. Zu Hohenlohe vgl. Constantin von Wurzbach: Art. Hohenlohe, Wolfgang Julius Graf von, in: BLKÖ IX, 1863, S. 201.
- S. hierzu Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 276, 278; Klein: Erhebungen, 1986, S. 154.
- So gibt Moser mit eigenen Worter wieder, Moser: TSR IX, S. 21.
- Moser: TSR IX, S. 22 ( § 23). Zitiert auch bei Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 276. S. a. Klein: Erhebungen, 1986, S. 153.
- Reichsabschied von 1641, § § 97f, nach Moser: TSR IX, S. 22f ( § 25).
- S. hierzu Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 276f. , stellte dies einen Präzedenzfall dar. Sitzordnung, Rangordnung und die Reihen- folge der Stimmabgabe entsprachen einander. Wo man saß und wann man sich für sein Votum erhob, kommunizierte den Anwesenden, welchen Platz man im gemeinsamen Statusgefüge einnahm. 14 In der adligen Präsenzkultur waren Konflikte um scheinbare Äußerlichkeiten wie die Sitz-oder Tischordnung weder etwas Außergewöhnliches noch etwas Irrationales. Schon das kurfürstliche Gutachten von 1636 hatte übrigens die Präzedenzproblematik angesprochen: "denn denjenigen, so vor Ihro Liebden und Fürstlichen Gnaden [= Eg- genberg] die Fürstliche Dignität erlangt, […] werden dieselbe [=Eggenberg] billig wie- chen müssen." 15 Die Kurfürsten vertraten also die Auffassung, für die Sitzordnung der Fürstenbank sei nicht der Zeitpunkt der Introduktion, sondern der der Titelverleihung entscheidend. Diese Auffassung entsprach dem salmschen Standpunkt, den ein Schreiben des von Moser erwähnten Bevollmächtigten an Fürst Leopold vom 9. Oktober 1641 näher ausführt. Einen Tag vor der Verkündung des Reichsabschieds berichtete der salmsche Agent Henrich Krane seinem Prinzipal, die Introduktion von Hohenzollern, Eggenberg und Lobkowitz sei vom Kurfürsten-sowie Fürstenrat gebilligt worden. Er habe dagegen protestiert, jedoch sei die Zeit zu knapp gewesen, um "alles in richtigkeit zu bringen". 16
- Leopold hatte die Instruktionen für Krane erst am 28. September abgeschickt. Über- haupt scheint er den Mandatarius erst zu diesem Zeitpunkt angeworben zu haben, da sich Krane im gleichen Brief für die Bestallung bedankt. 17 Aus dem angefügten Exzerpt aus 14 Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider, 2008, S. 194. 15 Moser: TSR IX, S. 16
- Henrich Krane an Leopold zu Salm, 09.10.1641 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 69), fol 1r, v. Es handelt sich um eine spätere Abschrift ("Copia Henrichen Kranen schreibens…" ohne Datum). Der Brief wird im Folgenden abgekürzt zitiert als ‚HK an LzS'.
- "Ew. F. Gd. underm dato 28 Septemb. jungsthin gdigst. ahn mich abgangenes schreiben, samb(t?) dem Beyschluß, hab mit underthenigster reverentz empfangen, unndt darauß gehorßambst verstanden, daß dieße bey dießem Reichstag, undt auch beym Kay. Hoff zu dero Gewalttrager unddt agenten gnedigst auff-undt angenohmen, auch eine Jahrliche bestallung aufgerichtet, vor welche Fürstl. Gnadt daß Sie mich dero diensten würdigen underthenigst gehorßambst danksage", HK an LzS, fol. 1r. Diese Argumentation nutzte in geschickter Weise die Faktenlage aus. Die Präzedenz der ebenfalls altgräflichen Hohenzollern, deren Herkunft vielleicht sogar noch glanzvoller war als die eigene, konnte mithilfe des um drei Monate früher ausgestellten Fürsten-briefs angegriffen werden. Ob für dieses Argument das kurfürstliche Gutachten von 1636 Pate gestanden hatte? Gegen die Aufsteiger aus den Erblanden wiederum musste man den eigenen Status als reichsunmittelbares Geschlecht betonen. So behauptete man argumentativ den Vorrang selbst vor denjenigen neuen Fürsten, die vor dem 8. Januar 1623 ihre Titel erhalten hatten (die karolische Linie der Liechtenstein zum Beispiel). Auf Kranes Protest hin unternahm der Fürstenrat zwar nichts mehr, "weil kein kay. decret vorhanden" (so das unter dem Protokoll verzeichnete österreichische Votum), aber das Haus Salm hatte seinen Standpunkt klar und deutlich formuliert: Unter den neuen Fürsten gebührte Salm der alleinige Vorrang.
- 2. Die Introduktion des Hauses Salm im Jahr 1654
- Der nächste Reichstag fand 1653 wiederum in Regensburg statt. Hauptzweck der Versammlung war es, die Bestimmungen der Friedensverträge von Münster und Osnabrück umzusetzen. 22 Insbesondere musste die Gestalt des Reiches, und damit vor allem Zusammensetzung sowie Verfahren des Reichstages selbst, an die Umwälzungen angepasst werden, die der Westfälische Frieden initiiert hatte. Dies war keine leichte Aufgabe. Zahlreiche Konfliktlinien zogen sich durch das Pro- gramm der zu verhandelnden Gegenstände. Johann Jakob Moser urteilte in der Rück- schau, von allen Reichsversammlungen sei jener Reichstag 1653/1654 diejenige mit den meisten Streitigkeiten überhaupt gewesen. 23 Immer wieder rückten Rang-und Prä- zedenzfragen in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen, sodass manch anderes, drückendes Problem aufgeschoben werden musste. 24
- Die Präzedenzfrage wurde im Großen wie im Kleinen verhandelt. Ferdinand III. versuchte in Regensburg, "die zeremonielle Logik des Reichsverbands gegen die Logik der Souveränität zu verteidigen, mit anderen Worten: die Logik der lehnsrechtlichen Hierarchie gegen die der völkerrechtlichen Gleichheit [des zurückliegenden 22 Siehe zum Regensburger Reichstag von 1653/54 jetzt das entsprechende Kapitel bei Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider, 2008, S. 137-225. Grundlegend Andreas Müller: Der Regensburger Reichstag von 1653/54. Eine Studie zur Entwicklung des Alten Reiches nach dem Westfälischen Frieden, Frank- furt/Main [u.a.] 1992.
- Nach Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider, 2008, S. 137.
- Stollberg-Rilinger erfasst die Aporie dieses Reichstages in prägnanter Weise: "Die alte Präsenzkultur war der steigenden Komplexität der Verhältnisse nicht gewachsen.", s. Stollberg-Rilinger: Des Kaisers alte Kleider, 2008, S. 164. drücklicher Aufforderung des Kaisers, die drei Fürsten endlich einzuführen, zögerlich. 33
- Noch am 28. Juni argumentierten einige auf der Fürstenbank in einem Memorial an den Kaiser, dass die Erbländischen (Eggenberg und Lobkowitz) die Bedingungen von 1641 noch nicht erfüllt hätten. 34 Es herrschte offenbar Unbehagen wegen der Miniatur- Fürstentümer Sternstein und Gradisca, mit denen sich die beiden erbländischen Kandi- daten versorgt hatten. 35
- Fürst Leopold weilte während dieser Verhandlungen auf seinem Schloss in Anholt, hatte aber bereits im Herbst 1652 seinen neuen Agenten in Regensburg bevollmächtigt (Dr. seit kurzem (Februar 1652) das Amt des Taxators in der Reichshof- kanzlei aus. Er war damit der erste Amtsträger, der zugleich Resident und Taxator war. 38
- Wer als Taxator in der Reichshofkanzlei bestallt wurde, war ein vielbeschäftigter und zu- gleich einflussreicher Mann. Neben der Handhabung der Finanzen (Gebühren, Gehälter etc.) oblag dem Taxator die Besiegelung der Urkunden, außerdem führte er die Aufsicht über die Registrierung und verantwortete, dass die notwendigen Unterschriften vom Kaiser und dem Vizekanzler eingeholt wurden. 39 Diese sensiblen Aufgaben machten das Taxator-Amt zu einem sehr wichtigen Posten, den der Erzkanzler, der Mainzer Kurfürst, bevorzugt mit vertrauenswürdigen und ihm ergebenen Männern besetzte. 40 Im Fall Georg Friedrichs kamen noch seine Kontakte hinzu. Sein Bruder, Georg Ludwig Lindenspür, Doktor der Rechte, saß seit 1641 auf der Gelehrtenbank des Reichshof-rats. 41 Zudem begleitete er den Kaiser häufig bei dessen Reisen, was auf eine gewisse Bevorzugung 33 Auszüge aus den Dekreten bei Moser: Reichsstände, 1767, S. 46-48. S. a. Dekrete wgn. Introduktion v. Eggenberg und Lobkowitz März/April 1653 bei Johann Gottfried von Meiern: Acta Comitialia Ratisbonensia Publica, oder Regensburgische Reichstags-Handlungen und Geschichte von den Jahren 1653. und 1654. [Bd. I], Leipzig 1738, S. 115f.
- Moser: Reichsstände, 1767, S. 48f. Der Text des Memorials wird zitiert bei Moser: TSR IX, S. 41f.
- S. Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 278; Klein: Erhebungen, 1986, S. 154.
- Leopold zu Salm an N.N. [Lindenspür], 20.10.1652 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 69).
- Vgl. Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 46, 49f, insbes. S. 451f.
- Nach ihm wurde die Vereinigung der beiden Ämter zur Regel, Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 108, S. 451f. 39 Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 107-109.
- Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 108.
- Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 50; in der Tat der Fall war), dann solle man das Argument hinsichtlich des Zeitpunkts der Standeserhöhung auf alle drei Kandidaten wenden. Außerdem sei zu prüfen, ob Hohenzollern die Präzedenz vor Eggenberg und Lobkowitz hätte, dann könne man sich direkt mit ersteren vergleichen. Man selbst sei aus uraltem Geschlecht und mit "under- schiedtlichen Graff-und Herrschaften [versehen] /: auff dergleichen welchen die regalien sich doch eigentlich fundiren:/". 48 Eggenberg und Lobkowitz müssten sich erst im Reich begütern. Im Übrigen aber dürften die Präzedenzstreitigkeiten die Admission nicht aufhalten, weshalb es vielleicht sogar vorteilhafter sei, die Präzedenzsache erst "mit mehr rücken und lustro" anzugehen, wenn man nämlich bereits auf der Fürsten-bank sitze. 49
- Leopold, wahrscheinlich unterstützt von seinen Räten, hatte somit einen ausgefeilten Plan entworfen, der verschiedene Eventualitäten abdecken sollte. Im Zentrum der Überlegungen stand die Präzedenz. Es ging Anfang 1653 wahrscheinlich auch darum, noch vor der Eröffnung des Reichstages die Admission zu erreichen, um sich an den of- fiziellen Verhandlungen beteiligen zu können. Da Hohenzollern und die anderen Fürs- ten kurz vor dem Erfolg standen, war es für die Präzedenzfrage wichtig, möglichst zeit- nah, wenn nicht sogar zusammen mit ihnen, introduziert zu werden. In dieser Affäre galten darum Schnelligkeit und Gründlichkeit alles. Als das neue Jahr immer weiter voranschritt, sich in der Sache aber nichts tat, wurde man in Anholt nervös. Mitte März beschwerte sich Fürst Leopold bei Lindenspür über die ausbleibenden Berichte. 50 Erst Mitte April erhielt man in Anholt eine Antwort. 51
- Lindenspür teilte mit, er habe am 29. März (also erst nach Erhalt von Leopolds Be-
- Konzept einer Instruktion Leopolds zu Salm für Georg Friedrich Lindenspür, 13.3.1653 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68).
- Georg Friedrich Lindenspür an Leopold zu Salm, 31.3.1653 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68). Empfangsvermerk: 18.4.1653.
- Insbesondere weil Eggenberg sich bereit erklärt hatte, einen höheren Anschlag zu den Reichssteuern zu übernehmen, als seine reichsunmittelbaren Güter eigentlich hätten leisten müssen, s. die fürstlich eggenbergische Erklärung bei Meiern I, S. 265. Dekrete zuständig. Doktor Lindenspür hatte in seinem Bericht vom Jahresanfang auf die zögerliche Haltung seines Vorgesetzten, des Reichsvizekanzlers, hingewiesen. Warum sollte dem Vizekanzler aber an einer Verzögerung gelegen sein? Diese Möglichkeit lässt sich in unterschiedlicher Weise erklären. Entweder lag ein Erfolg Salms nicht in seinem unmittelbaren persönlichen Interesse. Oder, was plausibler er-scheint, die erbländischen Neufürsten hatten bei Hof und in der Kanzlei ihren Einfluss geltend gemacht, um eine Aufnahme Salms zu verhindern bzw. zu verzögern. Insbe-sondere Eggenberg und Lobkowitz konnten ja die Präzedenz gegenüber Salm nur erlangen, wenn sie vor ihm introduziert würden und damit Tatsachen schufen. Ein kaiserliches Dekret war die Voraussetzung dafür, dass sich der Fürstenrat überhaupt mit dem Aufnahmegesuch beschäftigte. Ohne das Dekret brauchte Salm an eine Intro-duktion nicht zu denken. Für eine aktive Rolle des Reichsvizekanzlers, aus der einen wie der anderen Motivation heraus, spricht die Persönlichkeit des damaligen Amtsinhabers, soweit sie denn in den Quellen greifbar ist. Seit fast zwanzig Jahren leitete Ferdinand Sigismund Graf Kurz von Senftenau (1592-1659) 55 die Reichskanzlei. Dieser Mann soll recht anfällig gegenüber pekuniären ‚Verehrungen' gewesen sein. Nach Lothar Gross, einem intimen Kenner der Geschichte der Reichshofkanzlei, sei Kurz für "seine notorische Bestechlichkeit" regelrecht berüchtigt. 56 Einer Anekdote aus dem Jahr 1642 zufolge lehnte der Reichsvizekanzler ein Säckel mit 120 Dukaten ab, die ein Gesandter als ‚Schmiermittel' für das Anliegen seines Prinzipalen mitgebracht hatte. Dies war keine Geste der Ehr- lichkeit, wie man meinen möchte, sondern eine kalkulierte Hinhaltetaktik. Denn wenig später ging der Gesandte zu Kurzens Gemahlin und überreichte ihr das Säckel. Der Mann scheint die Zeichen korrekt gedeutet zu haben, denn, da er noch 30 Dukaten hin-zugelegt hatte, nahm die Angelegenheit bald die von ihm gewünschte Wendung. 57 ‚Verehrungen' und ‚Geschenke' gehörten jedoch in der Reichshofkanzlei zum alltäg-lichen Geschäftsgang. 58 In gewisser Weise hatten die Kanzleimitarbeiter, vom einfachen Sekretär bis hinauf zum Vizekanzler, einen Anspruch auf diese außerordentlichen Zahlungen. Von Bestechlichkeit oder Korruption zu sprechen, deckt sicht nicht mit dem zeitgenössischen Verständnis dieser Praktiken.
- Biographie bei Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 336-340. Zum Reichsvizekanzleramt knapp Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 97-99.
- Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 339.
- Anekdote bei Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 339f.
- Die Einkünfte aus Taxen und Verehrungen konnten je nach ‚Konjunktur' sehr erheblich sein. Vgl. die Auflistung bei Pecar.Zur ‚Bestechlichkeit, Gehalt und Privilegien s. Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 131- 141, zu ersterem insbes. S. 131-134. Am Kaiserhof s. Pečar: Ehre, 2003, S. 123f. seine schwäbische Heimat abreiste, spricht ebenfalls nicht für seine Zuverlässigkeit. 65
- Dem salmschen Agenten mangelte es somit zwar nicht an guten Kontakten, aber wohl an der angemessenen Motivation, vielleicht sogar an den richtigen Fähigkeiten, um Salm Sitz und Stimme zu verschaffen.
- Im Sommer 1653 standen die Aussichten des Hauses Salm auf Sitz und Stimme im Reichsfürstenrat denkbar schlecht. Stael unterstrich in seinem Schreiben, die Introduk- tion von Hohenzollern, Eggenberg und Lobkowitz sei nicht mehr aufzuhalten. Er sollte Recht behalten. Indirekt kritisierte der Pater Fürst Leopold sogar persönlich, wenn er darauf verweist, dass die Anwesenheit des Fürsten "woll sehr dienlich zu dieser Sach gewesen" wäre. 66 Auch noch im Sommer 1653 saß Leopold aber weiterhin auf seinem Schloss in Anholt, obwohl er sein Erscheinen bereits mehrmals angekündigt hatte. Seine Untätigkeit lässt sich nur schwer deuten. Scheute er vielleicht die Reisekosten? Diese konnten nämlich extrem hoch ausfallen: Als Gundaker von Liechtenstein im Januar 1653 seinem Sohn Hartmann riet, persönlich nach Regensburg zu reisen, versprach er ihm die Reisekosten in Höhe von mindestens 5.000 Gulden zu übernehmen. Möglicher-weise wollte Leopold solche hohen Ausgaben, die für ein repräsentatives Auftreten in Regensburg unvermeidlich waren, ungern auf sich nehmen. In jedem Fall wird es eine Weile gedauert haben, entsprechende Summen zu akquirieren. 67
- Wer war dieser Mann, der so offen und schonungslos mit Fürst Leopold korrespon- dierte? Erste Hinweise enthalten die Briefe selbst. So unterschreibt Stael im hier bereits zitierten Brief mit dem Zusatz "S[ocietatis] J[esu] P[ater]", er gehörte also zum Jesuitenorden. Im gleichen Brief übermittelt der Pater außerdem den Dank des Bischofs von Münster und kündigt ein Schreiben desselben an ("thut er sich sehr bedancken der erbietung undt werden ein[?] widerumb eine gantz vertrewliche Correspondenz mitt Ihr pflegen"). 68 Schließlich heißt es in der Schlusszeile: "Wölle hiemitt Ihre hochfurst. Gnad. sambt seiner liebsten gemählin meine gnädigsten Frawen undt junger Herrschaft dem lieben gott befehlen". 69 Damit sind drei Indizien gewonnen. Erstens, der Absender war ein Jesuitenpater. Zweitens, er stand in einem nicht näher spezifizierten Verhältnis zum Fürstbischof von Münster. Seit 1650 amtierte dort der später berühmt-berüchtigte 65 Gross: Reichshofkanzlei, 1933, S. 270, 452.
- Brief Staels, 23.6.1653, fol. 1v.
- Der Kreditmarkt in Regensburg war durch die Anwesenheit des Hofes und vieler Hochadeliger ganz bestimmt kein lukrativer Markt für Schuldner. Zu den Reisekosten von 5.000 fl. vgl. Winkelbauer: Fürst, 1999, S. 331.
- Brief Staels, 23.6.1653, fol. 1v, 2r.
- Brief Staels, 23.6.1653, fol. 2r.
- Christoph Bernhard von Galen (1606-1678). Und drittens spricht einiges dafür, dass Stael engeren Kontakt zu Leopolds Frau Maria Anna pflegte. 70 Begibt man sich so gewappnet auf die Suche, fördert man Erstaunliches zu Tage.
- Bei Leopolds freimütigen Briefpartner handelt es sich um den Jesuitenpater Bernhard Stael (*1606-1668/n. 1673) aus Emmerich. 71 Seit den 1590er
- Lebensdaten nach Diarium Lamberg. 1645-1649, bearb. v. Herta Hageneder, Münster 1986 (= Acta Pacis Westphalicae Serie III Abt. C IV), S. 211. Dort wird das Todesjahr mit 1668 angegeben. Dagegen wird Stael noch 1672 als Domprediger in Münster nachgewiesen, s. Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster IV, 1. Das Domstift St. Paulus zu Münster, Berlin/New York 1987 (= Germania Sacra NF 17,1 Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln), S. 458.
- Bernhard Duhr S.J.: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI. Jahrhundert, Freiburg/Breisgau 1907 (= Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge I), S. 155-160.
- Bernhard Duhr S.J.: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Erster Teil, Freiburg/Breisgau 1913 (= Geschichte der Jesuiten in den Ländern deut- scher Zunge II, 1), S. 660.
- Kohl: Bistum Münster, 1987, S. 457f. Laut Kohl war er bis 1649 Domprediger und reiste dann nach Emmerich. Duhr hingegen weiß ihn bereits 1647 an der Stiftsschule. Wenn man nicht annimmt, dass er in den ersten Jahren beide Verpflichtungen wahrgenommen hat, was aufwändiges Reisen vorausgesetzt hätte, dann ist die zweite Hälfte von 1649 als Abreisezeitraum wahrscheinlicher. Denn der österreichische Gesandten bei den Friedensverhandlungen in Münster, Johann Maximilian von Lamberg erwähnt mehrmals einen Pater Stael, der bei ihm zu Mittag speist, zuletzt im April 1649, s. Diarium Lamberg, S. 230.
- Zur Tätigkeit der Jesuiten in Münster vgl. Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Teil 2. Münster-Zwillbrock, hrsg. v. Karl Hengst, Münster 1994 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen XLIV; Quellen und Forschungen zur Kirchen-und Religionsgeschichte II), S. 88-96.
- Zu 1724 vgl. Hengst: Westfälisches Klosterbuch, 1994, S. 92. Wenn man Max Braubach glauben darf, dann war Maria Annas Sohn Carl in dieser Beziehung das schwarze Schaf der Familie. Er hasste angeblich die Jesuiten ebenso inbrünstig wie die Franzosen, s. Max Braubach: Ein rheinischer Fürst als Gegenspieler des Prinzen Eugen am Wiener Hof, in: Ders.: Diplomatie und geistiges Leben im 17. und 18. Jahrhundert. Gesammelte Abhandlungen, Bonn 1969 (= Bonner Historische Forschungen XXXIII) (zuerst erschienen in: Aus Geschichte und Landeskunde. Forschungen und Darstellungen, Franz Steinbach zum 65.
- Wilhelm Kohl: Christoph Bernhard von Galen. Politische Geschichte des Fürstbistums Münster. 1650- 1678, Münster 1964 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens XVIII; Westfälische Biographien III), S. 48.
- In seinem ersten Brief schreibt Stael: "den Agenten will Ich antreiben so viel müchlig […]", s. Brief Staels, 23.6.1653, fol. 1v.
- Bernhard Stael S.J. an Leopold zu Salm, 14.7.1653 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68), fol. 1r. Wenn insbesondere Eggenberg und Lobkowitz tatsächlich "Schmiralia", also Schmiergelder zahlten, hätte Salm eingedenk der Finanzkraft der Erbländischen wohl schwerlich mithalten können. 84 Moser: Reichsstände, 1767, S. 46.
- So Klein: Erhebungen, 1986, S. 151f.
- Ferdinand III. erließ am 6. März 1653 ein Intimations-Dekret für Johann Ludwig (1590- 1653), in dem die Fürsten aufgefordert wurden, Nassau-Hadamar Sitz und Stimme zu gewähren. 86 Als sich die Verhandlungen über die drei Alt-Kandidaten von 1641 ihrem Ende zuneigten, versuchte Hadamars Sohn, Moritz Heinrich, zusammen mit Hohenzollern, Eggenberg und Lobkowitz aufgenommen zu werden, nachdem Johann Ludwig mitten in den Verhandlungen am 10. März verstorben war. 87
- So schnell ließ sich die Sache aber nicht vollbringen. Insbesondere die evangelischen Fürsten wehrten sich gegen die formlose und sofortige Introduktion des katholischen Nassau-Hadamar. 88 Das kaiserliche Dekret sei noch nicht in den Fürstenrat eingebracht worden, argumentierten sie. Deshalb habe man über die Aufnahme gar nicht abstimmen können. Der junge Fürst zu Nassau-Hadamar stieß also mit seinem Ansinnen auf wenig Gegenliebe. "Die Sache mußte ihren ordentlichen Gang gehen", bringt Moser die Position der Stände auf den Punkt. 89 Und so kam es, dass Nassau-Hadamar bei der Introduktion am 10. Juli nicht berücksichtigt wurde.
- Auf Nassau-Hadamar ging Pater Stael in seinen Briefen immer wieder ein. Das Auftreten dieses neuen Kandidaten verdüsterte die Aussichten für Salm, den Vorrang unter den neuen Fürsten zu erlangen, aus zwei Gründen. Zum einen hatten sich Johann Ludwig und Moritz Heinrich bereits mit einem kaiserlichen Dekret versehen. Damit konnte ihr Aufnahmegesuch vor den Fürstenrat gebracht werden. Würde Nassau vor Salm aufgenommen, wären wie schon bei Hohenzollern, Eggenberg und Lobkowitz Fakten geschaffen worden, die man in aufwändiger Weise hätte anfechten müssen. Zum anderen zählte Nassau ebenfalls unter die altgräflichen Häuser. Als Argument für die eigene Präzedenz hätte man deshalb nur anbringen können, dass Salm den Fürstentitel vor Nassau-Hadamar verliehen bekommen hatte. Aus der Sicht von Pater Stael stand die Sache freilich nicht allzu schlimm. In seinem ersten Brief von Ende Juni heißt es: "Nassaw hadamar disputiret noch mitt vorgemeldten fursten [Hohenzollern, Eggenberg, Lobkowitz] wegen der praecedentz undt alle Motiva so er hatt haben Ihre Furst. Gnaden viel mehr." 90 In seinem nächsten Brief vom 14. Juli betonte 86 Abgedruckt bei Meiern I, S. 115. Moser erwähnt in seinem Neuen Staatsrecht nur ein Dekret vom 3. Mai, Moser: Reichsstände, 1767, S. 46. Die unterschiedliche Datierung erklärt sich aus der Differenz zwischen Erlass des Dekrets (6.3) und seiner Diktatur im Reichstag (3.5).
- Vgl. Ernst Joachim: Art. Johann Ludwig von Nassau-Hadamar, in: ADB XIV, 1881, S. 258-260.
- Moser: Reichsstände, 1767, S. 175. Die Episode wird ausführlicher geschildert bei Moser: TSR IX, S. 28- 35
- Moser: Reichsstände, 1767, S. 175.
- Brief Staels, 23.6.1653, fol. 1v. Stael: "Man muß an jetzo nur sehen daß die Nassawer nicht für gehen". 91 Um dieses Vorhaben umzusetzen, hatten sich die Vertrauen von Fürst Leopold in Regensburg einen Plan zurecht gelegt, an dem auch der viel gescholtene Dr. Lindenspür beteiligt war. Er sollte nämlich, wohl über seinen Posten in Reichshof-kanzlei, die Admissionsdekrete für Nassau solange zurückhalten, bis Salm ein solches ausgestellt worden war. Der Pater teilte mit, der Reichsvizekanzler Graf Kurz würde deswegen schon von ihnen bearbeitet. Stael beabsichtigte zudem, persönlich beim Vizekanzler vorzusprechen. Auch die wohlwollende Unterstützung von Fürstbischof Galen hatte er eingeholt. Seinem Rat Wiedenbrück solle Fürst Leopold eine Vertretungsvollmacht für den Reichstag ausstellen -was auch geschah. 92
- Eile war geboten, auch wenn man laut Stael nicht absehen konnte, wie lang der Reichs- tag noch dauern würde: "Man weiß eigentlich nicht wie lang es alwie[?] wehren wirt wie woll daß man darfur heltes werde fur den October der auffbruch Ihrer Keyserlichen Mtt. nicht gescheen." 93 Mittlerweile habe sich eine ganze Reihe weiterer Kandidaten für Sitz und Stimme eingefunden, "dan es sollicitiren noch neben Nassaw Hadamar drey andere Nassawer als Siegen, Graff Mauritz undt Graff Nassau Dillenburg wie nicht weniger piccolomini, Diethrichstein etc." 94 In der Tat waren am 19. Juli zwei bereits am 23. Juni ergangene kaiserliche Dekrete im Fürstenrat verkündet worden, in denen das Reichsoberhaupt Sitz und Stimme für seinen Obersthofmeister Maximilian von Die- trichstein und den General Piccolomini forderte. 95 Schließlich sollte am 18. September ein Dekret für den Obersthofmeister von König Ferdinand (IV.), Johann Weikhard von Auersperg, ergehen, nachdem der ebenfalls aus den Erblanden stammende Höfling erst am Tag zuvor in den Fürstenstand erhoben worden war. 96
- Von diesen Kandidaten stach der kaiserliche General Ottavio Piccolomini (1599-1656)
- deshalb hervor, weil gegen seine Aufnahme seitens der Reichsstände keinerlei Widerstand zu erwarten war. 97 Die Reichsfürstenwürde hatte ihm der Kaiser 1650 auf ausdrücklichen 91 Brief Staels, 14.7.1653, fol. 1r.
- Konzept einer Vollmacht für Bernhard Wiedenbrück, 27.7.1653 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68).
- Brief Staels, 14.7.1653, fol. 1v.
- Brief Staels, 14.7.1653, fol. 1v.
- Dekret wgn. Dietrichstein bei Meiern I, S. 288-290. Dekret wgn. Piccolomini bei Meiern I, S. 330f. Ebenso Moser: TSR IX, S. 45-49.
- Moser: Reichsstände, 1767, S. 52f. Datum der Erhebung von Auersperg nach Klein: Erhebungen, 1986, S. 152. Dekret bei Meiern I, S. 518f.
- Zur Person vgl. Kathrin Bierther: Art. Ottavio Piccolomini, in: NDB XX, 2001, S. 408-410. Außerdem mit weiterer Literatur Winkelbauer: Fürst, 1999, S. 310f. Einstellung der Reichsstände nach Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 268 und Klein: Erhebungen, 1986, S. 152. Wunsch der Deputierten des Nürnberger Exekutionstages verliehen. 98 Sein Bemühen um Aufnahme in den Reichsfürstenrat hatte das kurfürstliche Kollegium im Mai 1653 mit einem positiven Gutachten unterstützt. 99 Laut Meiern nahm Maximilian von Dietrichstein den Vorstoß Piccolominis zum Anlass, für sein Haus ebenfalls Sitz und Stimme zu fordern. Er begründete in einem "Memorial, wegen Beybehaltung der Ancienneté" vom
- Juli, dass ihm wegen der von seinen Vorfahren geleisteten Dienste, trotz fehlender Begüterung im Reich, Sitz und Stimme auf dem Reichstag zustehe. Auch gebühre ihm der Vorrang vor Piccolomini, weil sein Fürstentitel älter sei. 100 Hier sieht man, Salm war nicht das einzige neue Haus, das ver-suchte, den eigenen Vorrang zu erreichen. Für Dietrichstein, wie im Übrigen auch für Auersperg und Piccolomini, war es formal gesehen allerdings viel schwieriger, überhaupt für Sitz und Stimme zugelassen zu werden. Ihnen fehlte ein reichsunmittelbares Territorium. Trotzdem proponierte das Salzburger Direktorium Anfang September (genauer: am 13.) im Fürstenrat wegen Zulassung von Piccolomini und Dietrichstein (daneben auch von Nassau-Hadamar und Nassau-Siegen, dazu aber weiter unten). Aus verschiedenen Gründen, unter anderem weil die Mehrzahl der evangelischen Gesandten fehlende Instruktionen vorschützte, konnte kein Conclusum erreicht werden. Die Verhandlungen darüber mussten verschoben werden. 101
- Man bedenke: Salm versuchte bereits seit Januar, ein Admissions-Dekret zu bekommen. Nun, im Herbst, besaßen alle anderen Kandidaten einen gehörigen Vorsprung im Wettlauf um die Introduktion, weil sie im Gegensatz zu Leopold ihre Dokumente bereits erhalten hatten. Diese unterschiedlichen Geschwindigkeiten bedürfen einer Erklärung. Neben den ja bereits von Pater Stael erwähnten "Schmiralia", deren Gewicht man aber naturgemäß mehr schlecht als recht bestimmen kann, 102 scheinen insbesondere zwei ‚Ressourcen' für diese rasche Entwicklung ausschlaggebend gewesen zu sein: erstens das Verhältnis zum Kaiser, zweitens das symbolische Kapital. Über beide Ressourcen verfügten Salm, Nassau, Dietrichstein, Piccolomini und Auersperg in unterschiedlicher
- Meiern I, S. 331f.
- Meiern I S. 333f. S. a. Moser: TSR IX, S. 49-51.
- Meiern I, S. 288, Memorial S. 290. Danach Moser: TSR IX, S. 47f.
- Meiern I, S. 270f.
- Manchmal haben sich Aufzeichnungen über gezahlte Verehrungen erhalten. Im Fall der Fürstenberger Erhebung von 1718 hat ein gewissenhafter Kanzleischreiber eine Kostenaufstellung angelegt: Die Gesandten des Reichstags sowie die zuständigen Amtsinhaber in Wien wurden summa summarum mit fast 41.000 Gulden verehrt. Zahlen nach Mauerer: Südwestdeutscher Reichsadel, 2001, S. 354. Reichsfürstenstand erhoben. 107 Von Nassau-Hadamar war bereits die Rede. Alle Neufürsten aus dem Haus Nassau waren wichtige Funktionsträger des Kaisers. 108 Zusätzlich gelang es dann dem Haus Nassau auf dem Reichstag, einflussreiche beider Häuser: "in Erwegung der starcken Alliance, womit fast alle des Heil. Römischen Reichs Chur-und Fürstl. Häuser, ja alle Christliche Poten-taten, obbesagten beyden Häusern verwandt seynd, ihnen um so vil mehr zu gönnen haben, weil uns und allen Fürstlichen Häusern eine so praejudicirliche Condition [d.h. die dritte Bedingung zur Aufnahme, die, welche den Vorrang b. d. Gesandten betrifft] zu nicht geringem Nachtheil gereichen müßte." 110 Daraus folge, Nassau müsse vor Lob-kowitz und Eggenberg sitzen. Man dürfe nicht "fremde im Reich entweder gar nicht, oder doch schlecht begüterte Fürsten" vorziehen. 111 Was auf den ersten Blick wie eine erfolgsversprechende Strategie der Nassauer erscheint, sollte sich bei den Verhand-lungen im Fürstenrat als Bumerang erweisen. Der Widerstand im Reichsfürstenrat war anscheinend größer als erwartet. Die Admissionen für die nassauischen Linien kamen erst dann durch den Fürstenrat, als sie den Anspruch auf den Vorrang fallen ließen -obwohl sie, so Stael, "schon ein Merckliches [an Geldern] spendieret" hatten. 112
- Währenddessen hatte sich für Salm kaum etwas bewegt. Anfang September urteilte Stael, das Protestieren bringe nichts mehr ein. Im schlimmsten Fall drohe die Präzedenz an Dietrichstein und Piccolomini verloren zu gehen, da sie sehr gute Beziehungen in Regensburg hätten. Jedoch fügte er pragmatisch hinzu, "scheint [es] gleichwohl besser zu
- Im Einzelnen: Ludwig Heinrich (Dillenburg), 1623-1662, Oberster Feldwachtmeister; Wilhelm Friedrich (Diez), 1640-1664; Johann Franz (Siegen), 1638-1699, Diplomat und spanischer Generalfeld-marschall;
- Johann Moritz, Herrenmeister der Johanniter (seit 1653), vgl. Klein: Erhebungen, 1986, S. 151. 108 Schlip: Neue Fürsten, 1987, S. 268.
- Benutzt wurde der Text des Schreibens bei Moser: TSR IX, S. 53f, hier S. 53. Vgl. auch den Abdruck bei Meiern I, S. 662f. 110 Moser: TSR IX, S. 54. 111 Moser: TSR IX, S. 54.
- Bernhard Stael S.J. an Leopold zu Salm, 1.9.1653 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68), fol. 1r,v. sein erwaß zu haben als nichts". 113 Ein Schreiben von Wiedenbrück argumentierte in die gleiche Richtung. Insbesondere Lobkowitz und Eggenberg hätten "zu Hoff große favores". Es sähe alles danach aus, dass Zeit geschunden werden solle, "biß dieselbe in ihrer possession erst etwas solidirt werden". 114 Auch habe der Reichsvizekanzler Kurz endlich erklärt, "daß der sach erhebung [das Admissions-Dekret] bey ihme alleine nicht stehe". 115 Stael übermittelte nun, um die Sache zu beschleunigen, ein Memorial mithilfe des kaiserlichen Beichtvaters Gans 116 direkt an Ferdinand III. 117 Zusätzlich zu diesem inoffiziellen Kanal brachte man das Memorial zur Diktatur vor das kurmainzische Direktorium. So gelangte die salmsche Beschwerde an alle Kurfürsten und Stände. 118
- In dem Memorial, das am 13. Oktober diktiert wurde, argumentierten Salms Vertreter in bewährter Weise: Fürst Leopold stünden aufgrund der Fürstung seines Vaters, Sitz und Stimme auf dem Reichstag zu. 119 Die Aufnahme von Hohenzollern, Eggenberg und Lobkowitz, habe die salmsche Präzedenz verletzt. Salm sei nicht nur vor den meisten anderen gefürstet worden, sondern die Ahnen des Fürsten seien "uralte belehnte Reichs- Graffen gewesen". 120 Damit habe man auch vor denjenigen Vorrang, die viel-leicht früher den Fürstentitel erhalten hatten, aber aus nicht reichsunmittelbaren Geschlechtern stammten. Die Kriegszeit "unter andern Impedimenten" habe Leopold bisher abgehalten, sein "competirendes ius gebührend zu mainteniren, würcklich anzutreten und zu posidiren". 121
- Es ist anzunehmen, dass Leopold Philipp Carl mittlerweile selbst nach Regensburg gekommen war, denn Staels Brief vom 18. September ist das letzte überlieferte Schreiben aus Regensburg. Wollte der Fürst durch seine persönliche Anwesenheit seinem Anliegen 113 Brief Staels, 1.9.1653, fol. 1v, 2r.
- Bernhard Wiedenbrück an Leopold zu Salm, 11.9.1653 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68), fol. 1r.
- Brief Wiedenbrücks, 11.9.1653, fol. 1v.
- Zur Person vgl. Robert Bireley S.J.: The Jesuits and the Thirty Years War. Kings, Courts, and Confessions, Cambridge 2003, S. 209-220. Bireley betont den großen Einfluss, den die jesuitischen Geistlichen, insbesondere die Beichtväter an den Höfen in Wien und München jener Zeit besaßen. Vgl. a. ders.: Jesuiten und der Heilige Krieg, 1615-1635, in: Konfessioneller Fundamentalismus. Religion als politischer Faktor im europäischen Mächtesystem um 1600, hrsg. v. Heinz Schilling unter Mitarbeit v. Elisabeth Müller-Luckner, München 2007 (= Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien LXX), S. 87- 100. Zur jesuitischen Seelsorge an den Höfen, allerdings durch die affirmative Haltung des Autors stark wertend vgl. Bernhard Duhr S.J.: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Zweiter Teil, Freiburg/Breisgau 1913 (=Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge II, 2), S. 205ff.
- Darüber die Vollzugsmeldung: Bernhard Stael an Leopold zu Salm, 18.9.1653 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68), fol. 1r.
- Brief Wiedenbrücks, 11.9.1653, fol. 1r.
- Zugrunde gelegt wurde die Version des Memorials bei Meiern, S. 541f, Zitate S. 542. S. a. Moser: TSR IX, S. 55-57 (ohne Namen des Anwalts).
- Meiern I, S. 542.
- Meiern I, S. 542. Nachdruck verleihen? Falls er es versuchte, erreichte man im Fürstenrat erst einmal nur wenig. Geht man nach den in Auszügen bei Moser und Meiern gedruckten Protokollen, dann war der Fürstenrat zu sehr damit beschäftigt, die Aufnahme der erbländischen Kandidaten zu diskutieren. Am Dienstag, den 14. Oktober kam diese Sache zur Abstimmung. Einige Stände betonten, jeder Kandidat müsse alle Bedingungen im Vorhinein erfüllen. Andere entschuldigten sich wegen fehlender Instruktionen. Einigen konnte man sich nicht, weil Bayern das Conclusum beanstan-dete. 122 Das salmsche Memorial kam offenbar nicht zur Umfrage. Allerdings trug hier die Allianz mit dem Bischof von Münster erste Früchte, denn dessen Gesandter brachte als einziger das Thema Salm zur Sprache. 123
- Da Leopold nun in Regensburg weilte und deshalb keinerlei Berichte mehr vorliegen, zeichnet sich die folgende Entwicklung nur sehr undeutlich ab. Zum Jahreswechsel verhandelte man erneut wegen der Zulassung von Dietrichstein, Piccolomini und Auersperg. Salms Anliegen blieb in der Schublade des Direktoriums. Nur Münster beanstandete dies und "bat dessen Memorial ehestens vorkommen zu lassen". 124 Am 3. Januar 1654 entschied der Fürstenrat über die erbländischen Kandidaten: Dietrichstein, Piccolomini und Auersperg würden aufgrund ihrer Dienste für Kaiser und Reich admittiert. Ihre Zulassung wurde als Ausnahme von der Regel konzipiert. Die Kandidaten hatten jeweils ein Revers einzureichen, in dem sie versprachen, die Bedingungen für die Reichsstandschaft nachträglich zu erfüllen. 125
- Salm konnte in dieser Sitzung dank des münsterschen Votums wenigstens einen Teil- erfolg erringen. Das Conclusum beinhaltete eine Wendung, nach der die Aufnahme dieser Fürsten den Präzedenzansprüchen der Häuser Nassau und Salm unschädlich sei. Dieser Vorbehalt bewog die Mehrheit des Fürstenrats im Februar schließlich dazu, vom Kaiser ein Gutachten zu fordern. Der Kaiser sollte die Präzedenzfrage entscheiden, damit alle Kandidaten "auf einmahl und miteinander in das Fürstl. Collegium introduciret werden könnten". 126
- Meiern I, S. 532f. Protokoll vom 14. Oktober S. 533-541; Das beanstandete Conclusum S. 541. Vgl. auch Moser: TSR IX, S. 57-66.
- Meiern I, S. 539. 124 Moser: TSR IX, S. 71.
- Moser: TSR IX, S. 73-80, Conclusum S. 80. Formular des Revers bei Moser: Reichsstände, 1767, S. 56f.
- S.a. das später entstandene Gutachten von Kur-und Fürstenrat Moser: Reichsstände, 1767, S. 57-60, s.a. unter d. 13. Feb., 60ff; Moser: TSR IX, S. 85-87.
- Moser: TSR IX; S. 92. Nicht alle Reichsstände waren damit einverstanden, Braunschweig, Württemberg und die Wetterauer Grafen wollten die Entscheidung über die Präzedenz nicht allein dem Kaiser überlassen, da es sich um ein Vorrecht der Stände handele, die Präzedenz untereinander zu klären, Moser: TSR IX, S. 94. Vorschlag des Kaisers zu folgen. Die Introduktion sollte auf der folgenden Sitzung am
- zwar zulassen, jedoch das Votum solange untersagen, wie er seine reichsunmittelbare Begüterung und seinen Anschlag zu den Reichssteuern nicht spezifiziert hätte. Dies war ein Punkt, der das erste Mal im Conclusum von 13. Februar völlig unvermittelt auftauchte: "doch sollen Ihro Fürstliche Gnaden von Salm eine Specification ihrer innehabenden unmittelbaren Reichs-Güter und Reichs-Anschlages eingeben, damit selbige in gebührende Consideration gezogen werden könne". 133
- Der Gesandte Münsters versuchte zwar, dagegen zu reden, "[da] hochgedachter Fürst nicht allein in Lothringen und Niederlanden ansehnliche Güter, sondern auch im Westphälischen Creyse die Graffschafften Salm, Vinstingen halb und Anholt hätte" 134 , aber er blieb erfolglos. Auch der Kaiser hatte in seinem Gutachten deutlich gemacht, dass Salm über diese Zweifel erhaben und eine Spezifikation deshalb unnötig sei. Doch ließen die opponierenden Stände ihre Forderung nicht fallen.
- Ende Februar schrieb man deshalb im salmschen Quartier an die Reichsstände "wegen Specification der Immediatgüter". 135 Der Fürst zu Salm habe keine Bedenken gegen eine Auflistung der reichsunmittelbaren Güter, heißt es dort, unnötig sei sie trotzdem, weil "unsere immediat-güter zeitß genugsamb bekannt geweßen". 136 Darauf folgen die schon von Münster erwähnten Güter sowie deren Reichsanschläge. 137 Die Evangelischen hatten damit also eigentlich die gewünschte Spezifikation erhalten. Während der besagten Protestation vor der Sitzung am 10. März zogen sie sich aber auf den Standpunkt zurück, dass die Spezifikation erst noch förmlich zur Diktatur gebracht werden müsse. 138 Diese 132 Moser: TSR IX, S. 105-107.
- 133 Moser: TSR IX, S. 92.
- Sitzung vom 14.2.1654, Moser: TSR IX, S. 94-96, Zitat S. 94. 135 Specification der Immediatgüter [Salms], 26.2.1654 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68).
- März: "und weilen man vernehme, daß dem Reichs-Directorio dessentwegen eine Specification übergeben, wäre dieselbe per Dictaturam zu communiciren", vgl. Moser: TSR IX, S. 101.
- Austausch der Argumente zwischen den Parteien s. Moser: TSR IX, S. 105-109.
- S. dazu Moser: TSR IX, S. 112.
- Die Episode wird geschildert bei Moser: TSR IX, S. 109f. 142 Moser: TSR IX, S. 109.
- Den Januar hindurch scheint man sich vor allem in Form von Protestationen an die Reichsstände gewandt zu haben, vgl. Kopie einer Eventualprotestation, 3.1.1654 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68); Kopie eines Schreibens an alle Fürsten, 7.1.1654 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68).
- Konzept] Leopold zu Salm an Ferdinand III., 26.12.1653 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68).
- Konzept eines Memorials an den Kaiser wegen des Admissions-Dekrets, 10.2.1654 (FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68).
- Vgl. die Sitzordnung Ende des 18. Jahrhunderts bei Pütter: Anleitung, 1791, S. 131f. 151 Winkelbauer: Fürst, 1999, S. 337.
- Zitiert nach Winkelbauer: Fürst, 1999, S. 336f.
- 2.a Korrespondenz der Wild-und Rheingrafen bis 1628 (= Serie II.a)
- FSSA Korr., Serie II.c, Nr. 4 [Briefe Christines an Leopold zu Salm, Teil 1].
- FSSA Korr., Serie II.c, Nr. 5 [Briefe Christines an Leopold zu Salm, Teil 2].
- FSSA Korr., Serie II.c, Nr. 6 [Briefwechsel von Maria Anna und Leopold zu Salm]: Maria Anna an Leopold zu Salm, 14.1.1642. Maria Anna an Leopold zu Salm, 19.6.1646.
- 2.d Korrespondenz der Rheingrafen Friedrich Magnus & Carl Florentin (= Serie II.d)
- Fürstentum Salm, Akten (= FS, Akten)
- FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 68: Maria Anna von Bayern an Leopold zu Salm, 2.1.1653 Konzept einer Instruktion Leopolds zu Salm für Georg Friedrich Lindenspür, 31.1.1653. Konzept einer Instruktion Leopolds zu Salm für Georg Friedrich Lindenspür, 13.3.1653. Georg Friedrich Lindenspür an Leopold zu Salm, 31.3.1653.
- Bernhard Stael S.J. an Leopold zu Salm, 23.6.1653.
- Bernhard Stael S.J. an Leopold zu Salm, 14.7.1653. Konzept einer Vollmacht für Bernhard Wiedenbrück, 27.7.1653.
- Bernhard Stael S.J. an Leopold zu Salm, 1.9.1653. Bernhard Wiedenbrück an Leopold zu Salm, 11.9.1653. Bernhard Stael an Leopold zu Salm, 18.9.1653. [Konzept] Leopold zu Salm an Ks. Ferdinand III., 26.12.1653. Albrecht von Brandenburg-Ansbach an Leopold zu Salm, 27.12.1653. Kopie einer Eventualprotestation, 3.1.1654. Kopie eines Schreibens an alle Fürsten, 7.1.1654. Markgraf von Baden an Fürst Leopold, o.O. 10.1.1654. Konzept eines Memorials an den Kaiser wegen des Admissions-Dekrets, 10.2.1654. Specification der Immediatgüter [Salms], 26.2.1654.
- FSSA FS, Akten, Inv. Nr. 69: Henrich Krane an Leopold zu Salm, 09.10.1641. Leopold zu Salm an N.N. [Lindenspür], 20.10.1652. Quittung des Reichshofrat-Türhüters, 30.3.1654. FSSA Fürstentum Salm, Akten (1627-1690), Inv. Nr. 68.
- Fürst Alfred II. zu Salm-Salm: Kurze historische Notizen über diejenigen Mitglieder der wild-und rheingräflichen resp. fürstlich salmschen Hausen (sic!), die diese Correspondenzen hauptsächlich geführt haben, in: FSSA Korrespondenzen, Serie II [Repertorium 27b], bearb. v. dems., 1910-1920, S. 41-46.
- Benutzte Urkundenregesten aus dem Zettelrepertorium von M. Zelzner: Regestenserie, 1925-1940 (= Rep. 1a,b): FSSA HA, Inv. Nr. 2292 [= Reg. Nr. 4408].
- FSSA HA, Inv. Nr. 2178 [= Reg. Nr. 4221].
- FSSA HA, Inv. Nr. 2146 [= Reg.Nr. 4165].
- FSSA HA, Inv. Nr. 2178 [= Reg. Nr. 4221].
- FSSA HA, Inv. Nr. 2157 [= Reg. Nr. 4178].
- FSSA HA, Inv. Nr. o.A. [= Reg. Nr. 4227].
- FSSA HA, Inv. Nr. 2298 [= Reg. Nr. 4416].
- 8.2 Gedruckte Quellen Johann Philipp Abelinus: Theatrum Europaeum, oder außführliche und warhafftige Beschreibung aller und jeder denckwürdiger Geschichten, so sich hin und wieder in der Welt, fürnemblich aber in Europa und Teutschlanden […] vom Jahr Christi 1617. biß auff das Jahr 1629. exclus. […] zugetragen haben, Frankfurt/Main 1662 (= Theatrum Europaeum I).
- Anton Friedrich Büsching: Neue Erdbeschreibung. Siebender Theil welcher vom deutschen Reich, den westphälischen, chur-rheinischen und ober-rheinischen Kreis enthält. Neueste Ausgabe mit Register, Schaffhausen 1770 (= Neue Erdbeschrei- bung VII).
- Georg Philipp Harsdörffer: Der Teutsche Secretarius [Bd. I]. Das ist: Allen Cantzleyen, Studir-und Schreibstuben nützliches, fast nothwendiges und zum vierdtenmal vermehrtes Titular-und Formularbuch […], Nürnberg 1661.
- Franz Christoph von Khevenhüller: Annalium Ferdinandeorum Zehender Theil […], Leipzig 1724 (= Annales Ferdinandei X).
- Diarium Lamberg. 1645-1649, bearb. v. Herta Hageneder, Münster 1986 (= Acta Pacis Westphalicae Serie III Abt. C IV).
- Johann Christian Lünig: Das Teutsche Reichs-Archiv […]. Der andern Continuation Dritte Fortsetzung, Leipzig [ca. 1712] (= Teutsches Reichs-Archiv X).
- Johann Gottfried von Meiern: Acta Comitialia Ratisbonensia Publica, oder Regensburgische Reichstags-Handlungen und Geschichte von den Jahren 1653. und 1654. [Bd. I], Leipzig 1738 (= Meiern I).
- Johann Jacob Moser: Teutsches Staats-Recht. Neunter Theil, darinnen die Materien von der Reichs-Standschaft Erhaltung, Fortpflanzung, Bestreitung, Transferirung und Suspendirung, so dann von derer Evangelischen Reichs-Stände Benennungen und beeden Classen enthalten seynd, Leipzig/Ebersdorf 1743 (= ND Osnabrück 1968).
- Ders.: Von denen Teutschen Reichs-Ständen, der Reichs-Ritterschaft, auch denen übrigen unmittelbaren Reichs-Glidern […], Frankfurt/Main 1767 (= Neues Teutsches Staatsrecht IV).
- Ders.: Von denen kayserlichen Regierungs-Rechten und Pflichten, 2 Teile, Frank- furt/Main 1772/1773 (= Neues Teutsches Staatsrecht III).
- Johann Stephan Pütter: Anleitung zum Teutschen Staatsrechte, aus dem Lateinischen übersetzt von Carl Anton Friedrich Graf von Hohenthal, Teil 1, Bayreuth 1791 (= lat. Original ‚Institutiones iuris publici Germanici') (= ND Goldbach 2001; Bibliothek des Öffentlichen Rechts. Altes Reich VIII).
- Johann Georg Schleder: Theatri Europaei sechster und letzter Theil. Das ist, ausführliche Beschreibung der denckwürdigsten Geschichten, so sich […] vom Jahr Christi 1647. bis 1651. allerseits begeben und zugetragen, Frankfurt/Main 1663 (= Theatrum Europaeum VI).
- 3 Literatur Art. Beissel v. Gymnich, in: Adelslexikon I, 1972 (= Genealogisches Handbuch des Adels LIII), S. 290.
- Art. Reuß (Fstl. Haus), in: Adelslexikon XI, 2000 (= Genealogisches Handbuch des Adels CXXII), S. 341-344.
- Dieter Albrech: Die auswärtige Politik Maximilians von Bayern. 1618-1635, Göt- tingen 1962 (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften VI).
- Ders.: Maximilian I. von Bayern 1573-1651, München 1998.
- Johannes Arndt: Zwischen kollegialer Solidarität und persönlichem Aufstiegsstreben. Die Reichsgrafen im 17. und 18. Jahrhundert, in: Der europäische Adel im Ancien Régime. Von der Krise der ständischen Monarchien bis zur Revolution (ca. 1600-1789), hrsg. v. Ronald G. Asch, Köln [u.a.] 2001, S. 105-128.
- Ders.: Der Dreißigjährige Krieg 1616-1648, Stuttgart 2009.
- Ronald G. Asch: Ständische Stellung und Selbstverständnis des Adels im 17.und 18.
- Jahrhundert, in: Der europäische Adel im Ancien Régime. Von der Krise der ständischen Monarchien bis zur Revolution (ca. 1600-1789), hrsg. v. dems. Köln [u.a.] 2001, S. 3-45.
- Ders.: Das monarchische Nobilitierungsrecht und die soziale Identität des Adels im 17. und 18. Jahrhundert. Eine Problemszkizze, in: Die frühneuzeitliche Monarchie und ihr Erbe. Festschrift für Heinz Duchhardt zum 60. Geburtstag, hrsg. v. dems. u.a., Münster [u.a.] 2003, S. 91-107.
- Rainer Babel: Deutschland und Frankreich im Zeichen der habsburgischen Uni- versalmonarchie 1500-1648, Darmstadt 2005 (= Deutsch-Französische Geschichte III).
- Ders.: Das Haus Lothringen in der europäischen Politik, in: Bourbon und Wittelsbach. Neuere Forschungen zur Dynastiegeschichte, hrsg. v. dems. u.a., Münster 2010 (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte e.V. XXXIII), S. 449-464.
- Wallensteinbilder im Widerstreit. Eine historische Symbolfigur in Geschichtsschreibung und Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, hrsg. v. Joachim Bahlcke u. Christoph Kampmann, Köln [u.a.] 2011 (= Stuttgarter Historische Forschungen XII).
- Beatrix Bastl: Eheliche Sexualität in der Frühen Neuzeit zwischen Lust und Last. Die Instruktion des Fürsten Karl Eusebius von Liechtenstein, in: Archiv für Kulturge- schichte 78 (1996), S. 277-301.
- Dies.: Tugend, Liebe, Ehre. Die adelige Frau in der Frühen Neuzeit, Wien 2000.
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- Manfred Becker-Huberti: Die Tridentinische Reform im Bistum Münster unter Fürstbischof Christoph Bernhard v. Galen 1650 bis 1678. Ein Beitrag zur Geschichte der katholischen Reform, Münster 1978 (= Westfalica Sacra VI).
- Jill Bepler: Für den Notfall ausgebildet. Zum Spannungsverhältnis von Unterwerfung und eigener Größe -Bildungsgänge nachgeborener Fürstensöhne im 17. Jahrhundert, in: Vormoderne Bildungsgänge. Selbst-und Fremdbeschreibungen in der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Juliane Jacobi u.a., Köln [u.a.] 2010 (= Beiträge zur Historischen Bildungsforschung XLI), S. 225-241.
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- Dies.: Einleitung. Dynastie und Herrschaftssicherung: Geschlechter und Geschlecht, in: Dynastie und Herrschaftssicherung. Geschlechter und Geschlecht, hrsg. v. Heide Wunder, Berlin 2002 (= ZHF Bh. XXVIII), S. 9-27.
- Constantin von Wurzbach: Art. Hohenlohe, Wolfgang Julius Graf von, in: BLKÖ IX, 1863, S. 201. Philipp Zitzlsperger: Distanz und Präsenz. Das Porträt in der Frühneuzeit zwischen Repräsentation und Realpräsenz, in: Abwesenheit beobachten. Zu Kommunikation auf Distanz in der Frühen Neuzeit, hrsg. v. Mark Hengerer, Münster 2013 (= Vita curialis IV), S. 41-78.
- David Teniers d.J.: Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Galerie in Brüssel 9.3 Abbildungsnachweise Das Bronckhorster Galeriebild, unbekannter Maler um 1645, Fürstliche Gemälde- sammlung Wasserburg Anholt. entnommen aus Duco van Krugten: Die Anholter Gemäldesammlung (= Höhepunkte der fürstlichen Gemäldesammlung Anholt), Anholt o.J., S. 10.
- Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Galerie in Brüssel, David Teniers der Jüngere um 1650, Kunsthistorisches Museum Wien. entnommen der Bilddatenbank des Kunsthistorischen Museums Wien: http://bilddatenbank.khm.at/viewArtefact?id=1897&image=GG_739_HP.jpg 1.03.14 Vorsatzblatt: Hochzeitspedants des Leopold Philipp Carl und der Maria Anna, Gerard van Honthorst 1644, Fürstliche Gemäldesammlung Wasserburg Anholt. entnommen aus Duco van Krugten: Die Anholter Gemäldesammlung (= Höhepunkte der fürstlichen Gemäldesammlung Anholt), Anholt o.J., S. 128f.
Jonas Stephan