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Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht (2011)

Manfred Lehner
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Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht (2011)

Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht (2011)

    Manfred Lehner
Im vorliegenden Tagungsband behandeln 19 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Stadtgründung und Stadtwerdung Groß­­britannien, Polen, der Schweiz, Tschechien, Ungarn und Österreich, Spezialistinnen und Spezialisten auf dem Gebiet der Archäologie wie der Stadtgeschichtsforschung, die Frage städtischer Gründungen. Was können Ausgrabungen und deren Auswertungen, was kann die Analyse schriftlicher und bildlicher Zeugnisse und deren Interpretation zur Klärung der Anfänge von Städten beitragen? Die Thematik steht in jüngster Zeit im ganz besonderen Fokus des Forschungsinteresses, wobei die für mehr als 450 Städte Europas vorliegenden Städteatlanten und die Methode des Rückschreibens von kartographisch fundierten Befunden aus der Epoche um 1800 auf die Siedlungsanfänge Stadtgründung im Kern der Diskussionen stehen. Der Band greift somit und eine Thematik auf, die auch über Fachkreise hinaus auf großes Interesse stößt. Er versteht sich Stadtwerdung als Plädoyer zur Diskussion wie zur Kooperation. STADTGRÜNDUNG UND STADTWERDUNG BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER STÄDTE MITTELEUROPAS begründet von WILHELM RAUSCH BAND XXII Herausgegeben vom Österreichischen Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung 4040 Linz, Pfeifferstraße 22, ÖSTERREICH Stadtgründung und Stadtwerdung Beiträge von Archäologie und Stadtgeschichtsforschung herausgegeben von Ferdinand Opll Redaktion: Susanne Claudine Pils und Christoph Sonnlechner im Auftrag des Österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung Linz 2011 Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrages, der Ent- nahme von Abbildungen, der Funksendung, der Wiedergabe auf fotome- chanischem oder ähnlichem Weg und der Speicherung, Verwendung und Auswertung in Datenverarbeitungsanlagen bleiben auch bei auszugswei- ser Verwendung den Autoren vorbehalten. Umschlag: Susanne Claudine Pils, Wachstumsphasenkarte von Leoben; aus: Susanne Claudine Pils, Leoben. Wien 2006 (Österreichischer Städte­ atlas 8). Medieninhaber: Österreichischer Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung, Pfeifferstraße 22, A-4040 Linz, ÖSTERREICH ISBN 978-3-900387-62-4 Hersteller: TRAUNER DRUCK GmbH & Co KG, 4020 Linz, ÖSTERREICH Frau Prof. Dr. Anngret Simms gewidmet DIE DRUCKLEGUNG DES BANDES HAT DURCH EINEN FINANZIELLEN BEITRAG GEFÖRDERT: Amt der Oberösterreichischen Landesregierung, Institut für Kulturförderung ANSCHRIFTEN DER AUTOREN BAERISWYL Armand, Dr., Archäologischer Dienst des Kantons Bern; Brünnenstraße 66, Post- fach 5233, 3001 Bern, SCHWEIZ; armand.baeriswyl@erz.be.ch CLEMENS Lukas, Dr., Prof., Universität Trier, Fachbereich III - Mittelalterliche Geschichte, 54286 Trier, DEUTSCHLAND; clemensl@uni-trier.de CSENDES Peter, Dr., Univ.-Prof., Schillerstraße 28a, 2351 Wiener Neudorf, ÖSTEREICH; peter. csendes@wien.gv.at CZAJA Roman, Dr., Prof., Nicolaus-Copernicus-University, Torun, Pl. Teatralny 2a, 87-100 Torun, POLEN; rc@his.uni.torun.pl JOHANEK Peter, Dr.Dr. h.c., Prof., Institut für vergleichende Städtegeschichte an der Universi- tät Münster, Königsstraße 46, 48143 Münster, DEUTSCHLAND; istg@uni-muenster.de Hammel-Kiesow Rolf, Dr., Prof., Archiv der Hansestadt Lübeck, Mühlendamm 1–3, 23552 Lübeck, DEUTSCHLAND; rolf.hammel-kiesow@luebeck.de Igel Karsten, Dr., Historisches Seminar – Abteilung für westfälische Landesgeschichte, West- fälische Wilhelms-Universität Münster, Domplatz 20–22, 48143 Münster, DEUTSCHLAND; karsten.igel@uni-muenster.de Keene Derek, Dr., Prof., Centre for Metropolitan History, University of London Institute of Historical Research, Senate House, Malet Street, GB-LONDON WC1E7HU; derek.keene@sas. ac.uk Klapště Jan, Dr., Prof., Univerzita Karlova v Praze, Institute for Archeology, Filozofická fa- kulta, Nám. Jana Palacha 2,116 38 Praha 1, TSCHECHIEN; Jan.klapste@ff.cuni.cz KRENN Martin, Dr., Abteilung für Bodendenkmale, Bundesdenkmalamt, Hofburg, Säulen- stiege, 1010 Wien, ÖSTERREICH; martin.krenn@bda.at LEHNER Manfred, Dr., Institut für Archäologie, Universitätsplatz 3/II, 8010 Graz, ÖSTER- REICH; manfred.lehner@uni-graz.at Moździoch Sławomir, Dr. habil., Prof., Oddział wrocławski Instytutu Archeologii i Etnolo- gii, ul. Więzienna 6, 50-118 Wrocław, Polen; smo@arch.pan.wroc.pl OPLL Ferdinand, Dr., Univ.-Prof., Franz-Garnhaft-Gasse 3, 2380 Perchtoldsdorf; ÖSTER- REICH; ferdinand.opll@wien.gv.at PILS Susanne Claudine, Dr., Wiener Stadt- und Landesarchiv, Rathaus, 1082 Wien, ÖSTER- REICH; susanne.pils@wien.gv.at Stercken Martina, Dr., Prof., Universität Zürich, „Zürcher Mediävistik“, Nationaler For- schungsschwerpunkt (NFS), Rämistrasse 69, 8006 Zürich, SCHWEIZ; stercken@hist.unizh.ch Szende Katalin, Dr., Prof., Central European University Department of Medieval Studies, Nàdor u. 9, 1051 BUDAPEST, UNGARN; szendek@ceu.hu UNTERMANN Matthias, Dr., Prof., Institut für europäische Kunstgeschichte, Ruprechts-Karls- Universität Heidelberg, Seminarstraße 4, 69117 Heidelberg, DEUTSCHLAND; m.untermann@ zegk.uni-heidelberg.de Végh András, Dr., Budapesti Történeti Múzeum, Szent György tér 2, 1014 Budapest, UN- GARN; vegha@mail.btm.hu Žemlička Josef, Dr., Prof., Historicky ústav AVCR, Prosecka 76, 19000 PRAHA 9, TSCHE- CHIEN; hostivit@centrum.cz VIII INHALT EINLEITUNG UND VORWORT . ................................................................ XI ARMAND BAERISWYL Auf der grünen Wiese oder im dichten Eichenwald? Die Anfänge der Zähringerestädte Freiburg im Breisgau und Bern im Licht archäologischer Erkenntnisse ............................................... 1 LUKAS CLEMENS Von der Kaiserresidenz zur Kathedralstadt: Trier von der Spätantike bis in das hohe Mittelalter aus der Sicht historischer wie archäologischer Quellen . .................................................. 21 Peter Csendes Zu den städtischen Anfängen von Tulln ..................................................... 49 Roman Czaja Die Anfänge preußischer Hansestädte im Lichte der historischen und Archäologischen Quellen: Danzig/Gdańsk, Elbing/Elbląg, Thorn/Toruń . ................................................................................................... 59 Rolf Hammel-Kiesow Der Lübecker Katasterplan des 19. Jahrhunderts als historische Quelle. Überlegungen zur Stadtentwicklung Lübecks aus archäologischer, historischer und bauhistorischer Sicht . ....................................................... 75 Karsten Igel Phasen der Stadtwerdung von Greifswald und Stralsund im ­archäologischen Kontext ................................................................................ 105 Peter Johanek Stadtgründung und Stadtwerdung im Blick der Stadtgeschichtsforschung ....................................................................... 127 Derek Keene Winchester: Archaeology and history to 1500 ............................................ 161 Jan Klápšte Zu den Anfängen des böhmischen Städtewesens aus der Sicht ­archäologischer Erkenntnisse . ...................................................................... 187 IX Martin Krenn Stadtarchäologie in Tulln ............................................................................... 205 Manfred Lehner Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht ............................ 225 Sławomir Moździoch Zu den Anfängen des polnischen Städtewesens aus der Sicht ­archäologischer Erkenntnisse . ...................................................................... 245 Ferdinand Opll Städtegründungen des hohen Mittelalters – Überlegungen Anhang der lombardischen Stadt Lodi ............................. 269 Susanne Claudine Pils Zu den städtischen Anfängen von Bruck an der Mur und Leoben ......... 323 Martina Stercken Der Anfang kleiner Städte — Methodische Überlegungen an ­schweizerischen Beispielen . .......................................................................... 357 Katalin Szende Von der Gespanschaftsburg zur Stadt: Warum, wie – oder Warum nicht? Ein möglicher Weg der Stadtentwicklung im mittelalterlichen Ungarn ................................... 375 Matthias Untermann Stadtgründung und Stadtwerdung im Blick der Archäologie des Mittelalters ................................................................................................ 407 András Végh Urban development and royal initiative in the central part of the kingdom of Hungary in the 13th–14th centuries. – Comparative analysis of the development of the towns of buda and visegrád ............ 431 Josef Žemlička Zu den Anfängen der Städte im Staat der Přemysliden. Beispiele aus dem tschechischen Städteatlas .............................................. 447 X Manfred Lehner DIE STADTWERDUNG VON GRAZ AUS ARCHÄOLOGISCHER SICHT Inhalt: Einleitung S. 225. – Siedlungstopographie S. 226. – Innerstädtische Grabungen S. 228. – Die Stadtwerdung von Graz aus historischer Sicht S. 229. – Neue archäologische Indizien S. 235. – Die Stadtmauer S. 239. – Zusammenfassung S. 241. Einleitung Es gibt in Graz keine institutionelle Stadtarchäologie. Stadtkernarchäo- logie wird, mit nicht von Archäologen durchgeführten Vorgängeraktionen der siebziger Jahre,1 überhaupt erst seit etwa 1990 betrieben.2 Die Altfunde, insbesondere die prähistorischen, sind mehrmals zusammengestellt und kartiert worden,3 eine genaue Auswertung liegt allerdings nur für zwei Stadtbezirke vor, Innere Stadt und Gösting.4 Etwa die Hälfte der Gebäude der Innenstadt steht unter Denkmalschutz, was bei Baustellen in diesen Objekten, wenn nötig, einen archäologischen Zugriff garantiert. Was nach Wissen des Verfassers nach wie vor fehlt, ist etwa ein Kellerplan bezie- hungsweise eine Verlustzonenkartierung. Das Grazer Altstadterhaltungs- gesetz (GAEG 2008, Schutzzonen I und II) erweist sich in archäologischen Belangen als zahnlos. Bis heute gibt es auch keine stadtgeschichtliche Ausstellung unter Ein- beziehung der Archäologie im Stadtmuseum; ein diesbezüglicher Versuch war 2005 als Konzept bis hin zur Objektliste und Vitrinenbeschriftung ge- diehen, scheiterte aber an einem Direktorswechsel. Insgesamt gesehen ist das Interesse der Entscheidungsträger/innen und der Bürgerschaft für die eigene Stadtgeschichte nicht allzu hoch, was auch daran liegen mag, dass es keine namentlich bekannte römerzeitliche Sied- lung im Stadtgebiet gibt, also ein Anknüpfungspunkt zur hochkulturellen 1 Maria S c h a f f l e r , Freilegung mittelalterlicher Mauerzüge im Bereich des abgebrochenen Stainzerhofes in Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 3 (1970), 113–155. 2 Bernhard H e b e r t , Den Anfang machte das Franziskanerkloster. In: Graz in Funden. Ar- chäologie in der Kulturhauptstadt (Steiermärkisches Landesarchiv Ausstellungsbegleiter 2). Graz 2003, 62 f. 3 Zuletzt von Diether K r a m e r , Die Stadt Graz aus der Sicht der Archäologie. In: Walter B r u n n e r (Hrsg.), Geschichte der Stadt Graz, Band I. Graz 2003, 17–60; Kartierungen bei Wolfgang A r t n e r , Archäologische Übersicht. Urgeschichte, Römerzeit und Frühmittelal- ter im Bereich der Stadt Graz. In: Wiltraut R e s c h , Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz. Die Profanbauten des I. Bezirkes, Altstadt (Österreichische Kunsttopographie 53). Wien 1997, XIX–LIV. 4 Wolfgang A r t n e r / Ulrike H a m p e l , Atlas der archäologischen Fundstellen in Graz 1. Graz 1999. 225 Manfred Lehner Identifikation fehlt.5 Das betrifft übrigens nicht nur Graz allein, sondern sämtliche nördlich der Drau und westlich der Raab gelegenen hochmittelal- terlichen Städte und Märkte Kärntens und der Steiermark. Im Gegensatz zu den umliegenden Gebieten gibt es im inneralpinen Teil der spätantiken Pro- vinz Binnennoricum, der einigermaßen deckungsgleich mit dem späteren karantanisch-alpenslawischen Machtbereich des 7. und 8. Jahrhunderts ist, keine punktgenaue Ortskontinuität römischer und mittelalterlicher Städte.6 Ein Höhepunkt der Grabungstätigkeit im Grazer Altstadtkern ergab sich im Vorfeld der Kulturhauptstadt 2003, die etliche Großbaustellen hervorrief, welche in gemeinsamen Anstrengungen von Bundesdenkmalamt, Steier- märkischem Landesmuseum Joanneum, Universität Graz und dem Ver- ein Archäologieland Steiermark bewältigt werden konnten und zu vielen neuen Erkenntnissen geführt haben, die, obwohl verhältnismäßig schnell zumindest in Vorberichten publik gemacht, nur im Ausnahmefall reflektiert in die „offizielle“ Stadtgeschichtsschreibung, die ebenfalls zum Kulturjahr voluminöse Kompilationen hervorgebracht hat,7 eingeflossen sind. Siedlungstopographie Das heutige Stadtgebiet nimmt den gesamten nördlichen Teil des Gra- zer Feldes ein und greift in das umliegende Berg- und Hügelland aus. Der eigentliche Stadtbereich liegt links, also östlich der Mur und ist geprägt durch seinen Schloßberg, einen paläozoischen Dolomit-Grundgebirgsauf- bruch, um dessen Südfuß sich die Stadt schmiegt und der den zentralen prähistorischen Siedlungspunkt darstellt. Über die quartären Schotterter- rassen der Mur ist der Schloßberg nach Nordosten hin mit dem das Gra- zer Feld umkränzenden Bergland verbunden. Wie mehrere Bergkuppen rund um das Grazer Becken trug auch der Schloßberg im 4. Jahrtausend vor Christus eine Höhensiedlung der frühen Kupferzeit (Lasinjakultur).8 Für die Sied­lungs­entwicklung im heutigen Altstadtgebiet sind vor allem 5 Der römerzeitliche Zentralort des Grazer Feldes liegt 11 km murabwärts bei Kalsdorf: Ute L o h n e r - U r b a n , Untersuchungen im römerzeitlichen Vicus von Kalsdorf bei Graz. Die Ergebnisse der Ausgrabungen auf der Parzelle 421/1. Baubefund und ausgewählte Klein- funde (Veröffentlichungen des Instituts für Archäologie der Karl-Franzens Universität Graz 9). Wien 2009. 6 Die betroffenen Städte des 13. Jahrhunderts in alphabetischer Reihenfolge sind Bruck an der Mur, Friesach, Gmünd, Graz, Judenburg, Klagenfurt, Leoben, Maribor, Murau, Ober- wölz, Radstadt, Rottenmann, St. Veit an der Glan, Voitsberg und Völkermarkt, siehe Man- fred L e h n e r , Binnennoricum-Karantanien zwischen Römerzeit und Hochmittelalter. Ein Beitrag zur Frage von Ortskontinuität und Ortsdiskontinuität aus archäologischer Sicht. Habilitationsschrift Graz 2009. 7 Am umfangreichsten B r u n n e r , Geschichte (wie Anm. 3). 8 A r t n e r , Übersicht (wie Anm. 3), XXII, XXXVII. 226 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht die im späteren 2. Jahrtausend vor Christus einsetzenden Befunde einer großen und mehrphasig befestigten Siedlung der Urnenfelder- und frühen Hallstattzeit mit zugehörigen Brandgräbern am östlichen Schloßbergfuß wichtig,9 kenn­zeichnen sie doch beste Siedlungslage auf der Hochterrasse, die dann im Frühmittelalter wieder genutzt wurde. Untersuchungen in der 400 Meter weiter östlich in der Vorstadt (Geidorf) gelegenen Leechkirche erbrachten ebenfalls urnenfelderzeitliche Gräber und vor allem einen um 600 vor Christus errichteten Großgrabhügel der entwickelten Hallstattzeit, der wohl zu der vermuteten, aber bislang archäologisch kaum greifbaren früheisenzeitlichen Höhensiedlung auf dem Schloßberg gehörte.10 (Ab- bildung 1) Während keltisch-späteisenzeitliche Funde nur sehr spärlich auftreten – erst kürzlich ist eine einzelne Scherbe sicher mittel- oder spätla- tènezeitlicher Graphitkeramik vom Osthang bekannt geworden −, dürfte es in der Römerzeit eine größere Siedlung am Schloßberg gegeben haben, die ihre Spuren bisher allerdings nur in Form einzelner Fundstücke, vor allem Münzen des 1. bis 4. Jahrhunderts nach Christus, hinterlassen hat.11 Die Annahme einer antiken Höhensiedlung wird durch altgefundene, wohl spätantike Körpergräber am nordwestlichen, von der Stadt abgewandten Fuß des Berges bestärkt.12 Die wenigen römerzeitlichen Fundstücke aus dem eigentlichen Altstadtbereich am Süd- und Westfuß des Berges stam- men durchwegs aus mittelalterlichen Schichten des 12. und 13. Jahrhunderts und sind aberodiert, im Zuge der Baumaterialgewinnung verschleppt oder, wie im Falle eines Münz- und Fibeldepots am Hauptplatz, im Mittelalter als Buntmetall-Rohmaterial gesammelt worden.13 Funde des 5. bis 7. Jahrhun- derts nach Christus fehlen bisher aus dem gesamten Stadtbereich völlig, beziehungsweise sind nicht eindeutig identifiziert, womit Graz ja beileibe 9 Diether K r a m e r (Red.), Spannungsfeld Altstadttiefgarage. Stadtplanung, Stadtarchäolo- gie (Schild von Steier, Kleine Schriften 20). Graz 2004; Hannes H e y m a n s , Archäologische Untersuchungen beim Bau des Archivdepots des Steiermärkischen Landesarchivs. Vorbe- richt über die Rettungsgrabung im Hof des ehemaligen Karmeliterinnenklosters in Graz. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 89/90 (1998/99) 371–378. 10 Manfred L e h n e r , Die Archäologie der Leechkirche. In: Forschungen zur Leechkirche in Graz (Fundberichte aus Österreich, Materialhefte A 4). Wien 1996, 19–156. 11 Ina B a u e r , Römerzeitliche Höhensiedlungen in der Steiermark mit besonderer Berück- sichtigung des archäologischen Fundmaterials. In: Fundberichte aus Österreich 36 (1997), 125 f. 12 K r a m e r , Graz (wie Anm. 3), 40. 13 Bronzedepot Hauptplatz: Ulla S t e i n k l a u b e r u. a., Die Grabungen am Grazer Haupt- platz 2001/2002. Abschlussbericht zum Projektende. In: Fundberichte aus Österreich 41 (2002), 284–286; verlagertes Fundmaterial vom Reinerhof: Diether K r a m e r , Archäolo- gisch-historische Untersuchungen zur Geschichte des Reinerhofes. In: Der Reinerhof. Das älteste urkundlich erwähnte Bauwerk in Graz, Festschrift. Graz 1995, 52 f.; Münze des Traian aus dem Admonterhof: Manfred L e h n e r , Der Admonterhof und die Grazer Stadtmauer. Bericht über die archäologischen Untersuchungen in der Nordwestecke der mittelalterli- chen Stadt Graz. In: Fundberichte aus Österreich 43 (2004), 633. 227 Manfred Lehner Abbildung 1: Graz 1999, Luftbild von Süd-Süd-Ost. Nach: Weltkulturerbe (wie Anm. 36), 17. keinen Einzelfall darstellt. Die Siedlungsnutzung des linken Murufers unter dem Schloßberg und den Hochterrassen setzt, soweit bisher bekannt, erst im frühen Hochmittelalter ein. Innerstädtische Grabungen Moderne archäologische Grabungen und Dokumentationen am Areal der mittelalterlichen Stadt (also innerhalb der Stadtmauer des 13. Jahrhun- derts) haben bisher ausschließlich im Vorfeld, im Zuge und im Gefolge von Bauarbeiten stattgefunden, wobei es über zahlreiche Notgrabungen hinaus mehrmals gelungen ist, die Archäologie in der Prioritätenliste des Baube- triebs nach oben zu reihen und fachgerechte Grabungen ohne allzu gro- ßen Zeit- und Maschinendruck durchzuführen. Dabei sind vor allem die Arbeiten im Stadthof des Zisterzienserstiftes Rein von 1992 bis 1994,14 im 14 Der Reinerhof (wie Anm. 13); Martina R o s c h e r , Der Reinerhof. Ergebnisse der archäolo- gischen Untersuchungen im Grazer Reinerhof mit besonderer Berücksichtigung der kerami- schen Funde, Diplomarbeit Graz 1997. 228 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht Stadtmuseum von 1995 bis 1996,15 am Hauptplatz von 2001 bis 2002,16 im Stadthof des Benediktinerklosters Admont 2002,17 in der Alten Universität 200318 sowie im Franziskanerkloster 200919 hervorzuheben. Sämtliche Gra- bungsbefunde der Innenstadt sind der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie zuzuordnen (Abbildung 2). Die Verteilung der Grabungsplätze, die eben nicht wissenschaftlich, sondern wirtschaftlich bedingt ist, zeigt eine klare Konzentration um den Hauptplatz, den Sack, die westliche Stadtbefesti- gung und mit Abstrichen die „Stadtkrone“ auf der oberen Murterrasse. Für viele Bereiche der Altstadt, vor allem im Süden und Südosten, liegen dagegen keinerlei archäologische Daten vor. Besonders zu bedauern ist der Umstand, dass mit Ausnahme einer wenig ergiebigen Georadarmessung im Grazer Dom20 noch keine einzige innerstädtische Kirche untersucht werden konnte.21 Die Stadtwerdung von Graz aus historischer Sicht Das Grazer Stadtarchiv ist 1820 vernichtet worden,22 sodass die Stadtge- schichtsschreibung zur Gewinnung früher Hinweise auf äußere, vor allem klösterliche Urkunden angewiesen war und ist. Ob die früheste Nennung von Graz nun schon für 1091 (ein Weriant de Grez in der Gründungsurkunde des Stiftes St. Paul im Lavanttal23) zu verzeichnen ist, für 1115, 1128, oder gar erst 1140,24 spielt aus der Sicht der Archäologie keine entscheidende Rolle, 15 Manfred L e h n e r , SG Graz, KG Innere Stadt. In: Fundberichte aus Österreich 34 (1995), 777, und 35 (1996), 582 f.; Johanna K r a s c h i t z e r , Zwei datierte frühneuzeitliche Fund- komplexe aus Graz. In: Fundberichte aus Österreich 42 (2003), 205–278. 16 S t e i n k l a u b e r , Hauptplatz (wie Anm. 13), 265–317. 17 L e h n e r , Admonterhof (wie Anm. 13), 621–660. 18 Christoph G u t j a h r , Das frühmittelalterliche Körpergräberfeld in der ehemaligen Jesui­ tenuniversität (Alte Universität), Graz, Steiermark. In: Fundberichte aus Österreich 46 (2007), 339–375. 19 Christoph H i n k e r , SG Graz, KG Innere Stadt. In: Fundberichte aus Österreich 48 (2009), 485 f. Im Franziskanerkloster hatten bereits 1989, 2004 und 2006 kleinere Grabungen statt- gefunden, siehe zusammenfassend Manfred L e h n e r , (Stadt-)Archäologie im Grazer Franziskanerkloster. In: Einblicke in die Baugeschichte des alten Murklosters (Schriften des Interdisziplinären Forschungs- und Kulturzentrums Franziskanerkloster Graz 1) Graz 2009. 20 Gerald F u c h s , Radarmessungen im Grazer Dom. In: Graz in Funden (wie Anm. 2), 69. 21 Archäologisch untersucht ist dagegen der 1810 abgerissene spätromanische Zentralbau der Burgkapelle am Schloßberg: Walter M o d r i j a n , Die St. Thomaskapelle auf dem Grazer Schloßberg. In: Neue Ausgrabungen in der Steiermark (Schild von Steier, Kleine Schriften 14). Graz 1973, 59 f.; zuletzt Diether K r a m e r / Leopold T o i f l , Thomaskapelle am Schloß- berg, Graz. In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz 31 (2001), 1–38. 22 Fritz P o p e l k a , Geschichte der Stadt Graz 1. Graz 21959, 19. 23 Gerald G ä n s e r , Graz. Kommentar zur Siedlungsgeschichte und Wachstumsphasenkarte von Graz. (Österreichischer Städteatlas, 5. Lieferung 1. Teil). Wien 1996, 2. 24 Walter B r u n n e r , Lebensraum, Verfassung und Verwaltung von den Anfängen bis 1784/1848. In: B r u n n e r , Geschichte (wie Anm. 3), 73 f. 229 Manfred Lehner Abbildung 2: Grabungsplätze in der Innenstadt. Kreise: größere Grabungen. Punkte: kurze Untersuchungen. Luftbild Graz 2003 © Stadtvermessung Graz. Nach: Internationales Städteforum Graz. Magazin 2009/1, Titelblatt. 230 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht weil nicht gesagt werden kann, in welchem Stadium der Stadtwerdung beziehungsweise besser Siedlungsentwicklung die zufällig erhaltene ur- kundliche Erstnennung geschah. Interessanter wäre der Zeitpunkt der Stadt- rechtsverleihung, doch dieser ist unbekannt; man geht allgemein von einer Verleihung frühestens unter dem Babenberger Leopold VI. (1194–1230) und vor 1289 aus, weil in diesem Jahr von einem sigillum civitatis die Rede ist. Ob die Bezeichnung civitas, die erstmals bereits 1189 und noch einmal 1233 fällt, einen bestimmten Rechtsstatus bezeichnet, ist angesichts der Vieldeutigkeit beziehungsweise beliebigen Anwendung der Siedlungsbegriffe in den Ur- kunden jedoch zweifelhaft. So sind auch die für Graz verwendeten Bezeich- nungen suburbanum castri (1164), forum (zuletzt 1214), burgum (1222) und Abbildung 3: Stadtentwicklungsplan von Fritz Posch 1968; kolorierte Fassung im Stadtmuseum Graz. Nach: Weltkulturerbe (wie Anm. 36), 21. 231 Manfred Lehner oppidum (1265)25 nicht unmittelbar auf ein zu erwartendes archäologisches Befundbild umzulegen. Insbesondere die mit 1164 datierte Reiner Urkunde, die den Standort des Reinerhofes im Sack als in suburbano castri beschreibt und diese randliche Lage mit dem vorgeschriebenen Abrücken der Zister- zienser von den forensibus turbis begründet, hat zu vielerlei Rückschlüssen auf die Siedlungsorganisation im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts An- lass gegeben: So ist von einer „zweiten Marktgründung“ am Hauptplatz vor 1164, also unter Markgraf Otakar III., ausgegangen worden, weil ein Markt zuvor im Sack, also dort, wo der Reinerhof liegt, bestanden habe. Diese Lokalisierung eines „ersten Marktplatzes“ beruht wiederum auf einer erstaunlich überlebensfähigen Keramikfehldatierung des Landesarchäolo- gen Walter Schmid26 im frühen 20. Jahrhundert und hatte zur Folge, dass von historischer Seite die Wirkungsstätte der Grazer mercatores Witelo (ge- nannt 1147 oder 1151) und Pertholdus (um 1150) in den Sack verlegt wurde. Daraus konnte Fritz Posch schließen, dass Graz ein „Musterbeispiel einer zweistufigen Entwicklung“ mit zwei aufeinanderfolgenden Marktplätzen vor und nach der Mitte des 12. Jahrhunderts abgebe.27 Dieses Konstrukt wird, obwohl von Gerald Gänser im Österreichischen Städteatlas mit guter Begründung abgelehnt, bis in die Gegenwart hartnäckig rezipiert.28 Neuer- dings wird dies nicht nur von Seiten der Archäologie, sondern auch von der Paläographie in Frage gestellt: Die Reiner Urkunde von 1164 dürfte erst im früheren 13. Jahrhundert verfasst worden sein und gibt daher vielleicht erst ein zeitgenössisches Bild bewegten Marktlebens wieder.29 Die historischen Forschungen seit Fritz Popelka, der in seinem 1935 ver- fassten „Plan der Stadt Graz-Altstadt“30 durch Angabe der mittelalterli- chen und neuzeitlichen Mauerverläufe und älterer Häuserbestände auch eine bauliche Weiterentwicklung der Stadt kennzeichnet, fanden ihren Ausdruck in Stadtentwicklungsplänen wie denen von Eduard Andorfer31 25 B r u n n e r , Lebensraum (wie Anm. 24), 80 f.; G ä n s e r , Kommentar (wie Anm. 23), 3. 26 Walter S c h m i d , Graz und Umgebung in der Vorzeit. In: Urania. Wochenschrift für Volks- bildung 7 (1914), Heft 30 vom 25. Juli 1914, 352. 27 Fritz P o s c h , Die mehrstufigen Stadt- und Marktanlagen der Steiermark im Mittelalter und ihre Bedeutung für die Siedlungsgeschichte. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichi- sche Geschichtsforschung 78 (1970), 277. 28 R e s c h , Altstadt (wie Anm. 3), LV f.; Gertrude C e l e d i n u. a., Graz. Graz 2003, 17 f. 29 Günther B e r n h a r d , Zur diplomatischen und paläographischen Kritik von Zisterzien- serurkunden aus Stična/Sittich und Rein. In: Anton S c h w o b / Karin K r a n i c h - H o f - b a u e r (Hrsg.), Zisterziensisches Schreiben im Mittelalter – Das Skriptorium der Reiner Mönche (Internationales Jahrbuch für Germanistik, Reihe A, Kongreßberichte 71). Bern u. a. 2005, 33–51. 30 P o p e l k a , Geschichte (wie Anm. 22), Beilage. 31 Eberhard H e m p e l / Eduard A n d o r f e r , Steiermark (Dehio-Handbuch. Die Kunstdenk- mäler Österreichs), Wien 31956, 67; Eduard A n d o r f e r , Kunsthistorischer Baualterplan der Stadt Graz, Blatt II/Süd. In: Atlas der Steiermark. Graz 1969, Beilage. 232 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht und Fritz Posch32 (Abbildung 3) und kulminierten in den „Wachstumspha- sen von Graz“ Gerald Gänsers im Österreichischen Städteatlas33 (Abbil- dung 4). Ganz im Gegensatz zum textlichen Kommentar trachtet dieser Plan danach, sämtlichen historischen Vermutungen gerecht zu werden und schreibt damit eine Entwicklung und allmähliche Ausdehnung der Stadt vom Sack her nach Süden und Osten fest. Einiges davon, vor allem die Reduktion eines ersten Altstadtkernes innerhalb einer Befestigung des 12. Jahrhunderts, hat dem punktuellen ground check durch die Archäologie nicht standhalten können. Gänsers Plan ist im Archäologischen Atlas der Stadt Graz 1999 nochmals abgedruckt worden, weil bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts kaum relevant interpretierbare archäologische Daten vor- lagen. Dass auch ein Vorliegen solcher Daten nicht unbedingt dazu führt, dass alte Forschungstraditionen aufgegeben werden, zeigt der Plan „Graz bis 1809“ von Strahalm und Laukhardt, die auf der kaum veränderten Folie althergebrachter historischer Lehrmeinung die neuen archäologischen Fundpunkte applizieren, ohne sie grundsätzlich neu zu interpretieren.34 Das Problem liegt aber wohl bei der Archäologie selbst: Man nimmt zu wenig Rücksicht auf die Klagen der Historiker/innen und Kunsthistoriker/ innen, die Grabungsberichte seien in der Fachliteratur „versteckt“, nicht genügend aufbereitet und daher schwer zu rezipieren.35 Erst in jüngster Zeit gibt es diesbezügliche Teilerfolge.36 32 Fritz P o s c h , Zur Geschichte der Gründung und ältesten Entwicklung von Graz. In: Histo- risches Jahrbuch der Stadt Graz 1 (1968), 29–50. Plan 36; P o s c h , Marktanlagen (wie Anm. 27), Plan 278. 33 G ä n s e r , Wachstumsphasenkarte (wie Anm. 23). 34 Werner S t r a h a l m / Peter L a u k h a r d t , Graz. Eine Stadtgeschichte. Graz 2003, Plan hin- tere Umschlagklappe. 35 Matthias U n t e r m a n n , Archäologie in der Stadt. Zum Dialog der Mittelalterarchäolo- gie mit der südwestdeutschen Stadtgeschichtsforschung. In: Bernhard K i r c h g ä s s n e r / Hans Peter B e c h t (Hrsg.), Stadt und Archäologie (Veröffentlichungen des südwestdeut- schen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung 26). Stuttgart 2000, 10 f., räumt eine Teilschuld der Archäologie an der Nichtbeachtung von Grabungsergebnissen durch die Historie ein; vergleiche zu den feldarchäologischen Fehlern, die aus der Überschätzung von Schriftquellen resultieren können und zum Ehrgeiz der Archäologie, aus Schriftquellen abgeleitete Ergebnisse zu falsifizieren auch Matthias U n t e r m a n n , Kontinuität – Diskon- tinuität. Einführende Bemerkungen. In: Kontinuität und Diskontinuität im archäologischen Befund (Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 17). Paderborn 2006, 11 f. 36 So durfte die Archäologie inhaltlichen Einfluss nehmen auf den Beitrag von Astrid M. W e n t n e r , Historische Altstadt. Ein Stadtporträt. In: 10 Jahre UNESCO Welterbe Graz. Graz 2009, 18–24; in der Vorläuferpublikation Graz: Weltkulturerbe. Graz 42003, 21 ist noch der zu diesem Zeitpunkt bereits überholte Stadtentwicklungsplan von Fritz P o s c h aus dem Jahre 1968 wiedergegeben. 233 Manfred Lehner Abbildung 4: Wachtumsphasen von Graz. Nach: Gänser (wie Anm. 23). 234 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht Neue archäologische Indizien Einen wesentlichen Aufschluss zum Einsetzen der frühmittelalterlichen Besiedlung brachte die überraschende Entdeckung eines wohl als heid- nisch-slawisch zu betrachtenden Körpergräberfeldes des späten 8. bis frü- hen 9. nachchristlichen Jahrhunderts im Bereich der „Stadtkrone“ in der Alten Universität.37 (Abbildung 1 und 5) Die Grabfunde müssen zu einem ältesten, noch nicht sicher lokalisierten präurbanen Siedlungskern zwischen Dom und Schloßberg gehört haben, den man sich eher als Wehrhof und we- niger als dorfartige Siedlung vorzustellen hat.38 Historisch ist eine nach der Einführung der fränkischen Grafschaftsverfassung in Karantanien (828) er- richtete karolingerzeitliche Anlage (curtis) trotz der zahlreichen Nennungen solcher Anlagen im Südostalpenraum in den Quellen der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts39 allerdings für Graz nicht zu erschließen. Eine früh- mittelalterliche Wehrfunktion des Schloßberges ist erst in Form einer „otto- nischen Mittelpunktsburg“ des 10. Jahrhunderts begründet anzunehmen; zwar steht ein definitiver archäologischer Nachweis nach wie vor aus, als Brückenkopf links der Mur würde eine solche Burg jedoch gut ins Konzept einer Grenzverteidigung der Karantanischen Mark gegen die Ungarn pas- sen.40 10 bis 15 Höhenmeter tiefer als das Reihengräberfeld, gegen das Flussufer hin am Hauptplatz und im Sack (also in den archäologisch am besten er- forschten Bereichen der mittelalterlichen Stadt), fehlen Funde und Befunde des 8. und 9. Jahrhunderts. Die frühesten archäologisch fassbaren Sied- lungsreste des Mittelalters sind auf dem Hauptplatz in Form eines in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts zu datierenden Grubenhauses von 4,4 auf 1,6 Metern Größe nachzuweisen.41 Da die frühesten Siedlungsbefunde im 37 G u t j a h r , Körpergräberfeld (wie Anm. 18). 38 G u t j a h r , Körpergräberfeld (wie Anm. 18), 354–357. 39 Allen voran die Schenkungs- und Bestätigungsurkunde Ludwigs des Deutschen an das Erz- bistum Salzburg aus dem Jahre 860: Fritz P o s c h , Zur Lokalisierung des in der Urkunde von 860 genannten Salzburger Besitzes. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 101 (1961), 243–260; Markus J e i t l e r , Das Privileg vom 20. November 860 an die Salzburger Kirche und seine Auswirkungen, unpublizierte Diplomarbeit Wien 1996; vgl. auch Jochen G i e s l e r , Der Ostalpenraum vom 8. bis zum 11. Jahrhundert. Studien zu archäologischen und schriftlichen Zeugnissen 2: Historische Interpretation (Frühgeschicht- liche und Provinzialrömische Archäologie, Materialien und Forschungen 1). Rahden 1997, Karte 288. 40 Frühmittelalterliche Funde vom Schloßbergplateau sind zwar nicht vorgelegt, aber glaub- haft erwähnt; auch soll es an der Stelle der hochmittelalterlichen Rundkapelle St. Thomas einen „oblongen Steinbau“ des 10./11. Jahrhunderts gegeben haben: K r a m e r , Graz (wie Anm. 3), 48–50. 41 In die Oberfläche des stratigraphisch darunterliegenden Schwemmsediments eingetretene Holzkohle ergab ein Radiokarbondatum von 1000–1030 (1 Sigma, Beta Analytics Miami 160536). S t e i n k l a u b e r , Hauptplatz (wie Anm. 13), 268, 282, 295. 235 Manfred Lehner Sack bereits mindestens dem fortgeschrittenen 11. oder frühen 12. Jahrhun- dert angehören, ist anzunehmen, dass entgegen der tradierten Meinung der älteste Siedlungskern auf Flussniveau nicht im Sack zu lokalisieren ist, son- dern um den heutigen dreieckigen Hauptplatz, dessen Nordspitze wohl die Kreuzung zweier alter Wege markiert, nämlich einer Nordsüdverbindung der Mur entlang (heute Schmiedgasse-Sackstraße) und einer Verbindung vom Murübergang nach Osten (heute Murgasse-Sporgasse, vergleiche Ab- bildungen 2, 7 und 8). Über drei Holzbauphasen des späteren 11., des 12. und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, deren Gebäude sowohl in Schwellbalken- als auch in Ständerbauweise errichtet waren und deren Fluchten bereits die spätere Baurichtung vorzeichnen, liegen drei Steinbauphasen (Abbildung 6). Als ältester Steinbau lässt sich das Trockenfundament eines fast quadratischen Turmhauses isolieren, das nach dem keramischen Befund der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angehört, sich also mit der letzten Holzbauphase zeit- lich überschneidet. Derselben Zeitstufe beginnender profaner Steinarchi- tektur dürften der gut erhaltene, oblonge Saalgeschossbau des Reinerhofes im Sack und vielleicht auch ein 1970 freigelegtes, von der Stadtmauer über- schnittenes Gebäude am Sparkassenplatz angehören.42 Die Hauptbauphase am Hauptplatz kann nach Ausweis des zugehöri- gen Fundmaterials ins späte 13. und frühe 14. Jahrhundert gestellt werden. Sie besteht aus langgestreckten, giebelseitig zu den Hauptstraßen ausge- richteten und durch geschotterte Gassen voneinander getrennten Streifen- häusern mit Hinterhöfen, wie sie aus vielen europäischen Städten bekannt sind. Die längliche Parzellengliederung, die mit diesem Haustyp einher- geht, ist noch im heutigen Kataster, vor allem entlang der östlichen Häu- serzeilen der Sackstraße und der Herrengasse gut zu erkennen (Abbildung 2 und 8). Sie scheint eine ältere Gliederung mit breiteren Parzellen ersetzt zu haben: Das ältere Turmhaus wird durch zwei der späteren Streifen- häuser mittig überbaut. Obwohl der archäologische Nachweis einer gro- ßen „Brandzerstörungsschicht“ in der Innenstadt fehlt, ist es gut möglich, dass diese, soweit in den vorhandenen Aufschlüssen erkennbar, flächen- deckende frühgotische Steinbaukampagne mit einem von den Leobener Dominikanern überlieferten Stadtbrand von 1275, der 200 Grazer Bürger/ innen das Leben gekostet haben soll,43 in ursächlichen Zusammenhang zu bringen ist. Ebenfalls passend erscheint, dass der Impetus für diesen Urba- nisierungsschub noch in die Regierungszeit des Städteförderers Přemysl Ottokar II. fällt. 42 Der Reinerhof (wie Anm. 13); S c h a f f l e r , Stainzerhof (wie Anm. 1). 43 P o p e l k a , Geschichte (wie Anm. 22), 56 f. 236 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht Abbildung 5: Grab 10 des frühmittelalterlichen Körpergräberfeldes unter der Alten Universität, spätes 8. Jahrhundert nach Christus Nach: Gutjahr (wie Anm. 13), Foto © Bundesdenkmalamt. 237 Manfred Lehner Abbildung 6: Hauptplatz von Südost, Grabungen 2002. Die überbauten Funda- mente des spätromanischen Turmhauses neben der linken oberen Ecke der weißen Plane. Foto © Bundesdenkmalamt. 238 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht Die letzte Bauphase am Hauptplatz besteht aus An- und Umbauten der Streifenhäuser; das späteste Fundmaterial ist ins frühe 15. Jahrhundert zu datieren, stammt aus der Zuplanierung eines Kellers dieser letzten Phase und liefert einen chronologischen Anhaltspunkt für den Abriss des ganzen Häuserblocks zwischen Schmied- und Herrengasse. Der heutige dreieckige Grazer Hauptplatz ist also nicht im Zuge einer „zweiten Marktgründung“ des 12. Jahrhunderts angelegt worden, sondern das Ergebnis einer urba- nistischen Maßnahme des 15. Jahrhunderts. Die durchgehende Besiedlung des Hauptplatzes vom frühen 11. bis ins frühe 15. Jahrhundert spricht auch gegen die verschiedentlich mündlich geäußerte Meinung, die Hauptplatz- bebauung sei als spätmittelalterliches, am ehemaligen Marktplatz errichte- tes „Gretzl“, oder als gotische Markthalle zu interpretieren. Die Stadtmauer Ein echtes Forschungsproblem stellt aufgrund ihres erbärmlichen Er- haltungszustandes die 1265/67 in einem landesfürstlichen Urbar als beste- hend erwähnte mittelalterliche Stadtmauer dar (iudicium intra muros oppidi Graetzensis).44 Der Mauerverlauf, für dessen Rekonstruktion noch am bes- ten auf alte Stadtansichten zurückgegriffen werden kann,45 ist nur in Teilen endgültig geklärt. Diese Unsicherheit war und ist der Nährboden für zahl- lose Vorschläge für Befestigungsanlagen und deren Verlauf von historischer und kunsthistorischer Seite, die zum Teil auf der urkundlichen Nennung von Türmen und deren Lokalisierung beruhen (als hätte es in einer mittel- alterlichen Stadt keine Wohntürme gegeben), zum Teil auf Beobachtungen „alter“, mächtiger Mauern, die militärisch unsinnig am Fuß eines Gelände- anstiegs oder einer Böschung verlaufen (Abbildung 7). Am besten steht es noch um die Nord- und Westfront zur Mur hin, deren Fundamente an verschiedenen Stellen ergraben werden konnten. Sowohl im Admonterhof (errichtet vor 1317) als auch im Franziskanerkloster (als Minoritenzelle vielleicht schon 1235 bestehend), die beide mit ihren westli- chen Flügeln direkt an der Stadtmauer liegen, waren archäologische Strati- fizierungen zu gewinnen, wobei der Admonterhof innen an die Stadtmauer angebaut und der Westflügel des Minoritenklosters wahrscheinlich als Syn- ergieeffekt zusammen mit der Mauer errichtet worden ist. Die stratifizierten 44 Zusammenfassend zur Grazer Stadtmauerforschung Manfred L e h n e r , Die Grazer Stadt- mauer aus archäologischer Sicht. Ein Diskussionsbeitrag. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark 94 (2003), 25–46. 45 So zeigen die Kopie der verlorenen Stadtansicht aus dem Palazzo Vecchio in Florenz (1565) und der Stich von Laurenz van de Sype und Wenzel Hollar (1626/1657) noch Teile der mit- telalterlichen Stadtbefestigung. 239 Manfred Lehner Keramikfunde, die uns als einzige Datierungshilfe zur Verfügung stehen, sprechen für eine Errichtung der westlichen Stadtmauer noch in der Zeit der späten Babenbergerherrschaft.46 Auffällig ist, dass das Stadtmauerfun- dament an beiden Grabungsstellen Reste von Holzgebäuden des 12. und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts überschneidet beziehungsweise der Fundamentgraben der Mauer in fundführende hochmittelalterliche Schich- ten abgetieft ist. Im Sommer 2010 ergab sich im Maximilianstrakt der Gra- zer Burg, unmittelbar nördlich des Burgtors (vgl. Abbildungen 7 und 8), ein Aufschluss an der östlichen Stadtmauerfront. Auch dort durchschneidet das Fundament, das in gleicher Technik wie an der Westfront errichtet ist, eine massive hochmittelalterliche Siedlungsschicht mit Keramik des frühen 13. Jahrhunderts.47 Die landesfürstliche Burg am Schlossberg bleibt natürlich außerhalb der Mauer; nur der südlichste Sporn des Berges, der „Paulsberg“ mit seinem Turm (der „Uhrturm“, das heutige Wahrzeichen von Graz) wird als Nord­ ecke einbezogen. Spätestens unter Přemysl Ottokar II. sollte die Mauer voll- endet48 und damit Graz auch bautypologisch als „Stadt“ gekennzeichnet gewesen sein. Der gesicherte beziehungsweise wahrscheinliche Verlauf der etwas über zwei Kilometer langen „Ringmauer“, die ein unregelmäßiges Fünfeck von gut 26 Hektar Innenfläche bildet, wird auf Abbildung 8 darge- stellt. Eine Stadterweiterung und damit auch Erweiterung des Mauerrings nach Osten hin (vergleiche Abbildungen 3 und 4) wurde von historischer Seite aufgrund einer 1336 gewährten dreijährigen Steuerbefreiung postu- liert, mithilfe deren die Bürger Bauarbeiten an der Stadtmauer finanzieren sollten. Damit ist wohl die Errichtung von Türmen und Toren (die bezeich- nenderweise sämtlich erst im 14. Jahrhundert genannt sind49) gemeint; dar- aus eine Erweiterung des Mauerrings nach Osten abzuleiten, hat mehrere argumentative Nachteile: Erstens müsste die frühere Mauer von 1265 wehr- technisch höchst ungünstig am Abhang zur Mur gelegen sein,50 zweitens stünde die 1174/1181 erstmals erwähnte Pfarrkirche St. Aegydius, der heu- 46 Auch von historischer Seite sind Leopold VI. (1194–1230) und Friedrich der Streitbare (1230– 1246) als mögliche Initiatoren des Mauerbaus genannt worden. Auch ein Zusammenhang mit dem kurzen ungarischen Intermezzo unter Béla IV. ab 1254 und dessen Mongolenerfah- rungen von 1241/42 scheint möglich; vergleiche zusammenfassend mit Literatur L e h n e r , Stadtmauer (wie Anm. 44), 42 f. 47 L e h n e r , Admonterhof (wie Anm. 17), 632; für das Franziskanerkloster freundliche Mittei- lung von Christoph H i n k e r ; für die Grabung im Maximilianstrakt der Burg freundliche Mitteilung von Astrid Steinegger. 48 Leopold T o i f l , Stadtbefestigung-Wehrwesen-Krieg. In: B r u n n e r , Geschichte (wie Anm. 3), 461 f. datiert die Errichtung zwischen 1254 und 1265. 49 Burgtor 1346, Paulustor 1355, Sacktor 1372; P o p e l k a , Geschichte (wie Anm. 22), Band 2, 12 f. 50 Diese fiktiven Mauerverläufe diskutiert bei L e h n e r , Stadtmauer (wie Anm. 44), 33–35. 240 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht Abbildung 7: Gesicherte, hypothetische (mit Angabe der Autoren) und teilweise bereits archäologisch falsifizierte Befestigungslinien in der und um die Grazer Alt- stadt. © Verfasser. tige Dom, bis ins 14. Jahrhundert außerhalb der Mauer und drittens müsste auch ein Haus des späteren 13. Jahrhunderts, dessen Reste sich in der Alten Universität über dem frühmittelalterlichen Gräberfeld fanden, knapp au- ßerhalb der Mauer liegen, was höchst unwahrscheinlich ist. Man wird lie- ber mit Fritz Popelka und Herwig Ebner konform gehen, die die Ostmauer schon im 13. Jahrhundert auf Höhe des späteren Burgtores vermuten.51 Dies wird nunmehr auch durch die Ergebnisse der Notgrabung 2010 im Maximi- lianstrakt der Grazer Burg unterstützt. 51 P o p e l k a , Geschichte (wie Anm. 22), 185 und Planbeilage; Herwig E b n e r , Burgen und Schlösser in der Steiermark, Band 3: Graz, Leibnitz, West-Steiermark. Wien 21981, 43. 241 Manfred Lehner Zusammenfassung Die mittelalterliche Stadtwerdung von Graz lässt sich aus archäologischer Sicht derzeit folgendermaßen nachzeichnen: Unweit des frühmittelalterlichen Reihengräberfeldes bei der Alten Uni- versität muss sich eine Siedlungsstelle des späteren 8. und 9. Jahrhunderts am östlichen Schloßbergfuß befunden haben, wahrscheinlich in Form eines Hofes (curtis). Ob es auch eine bereits karolingerzeitliche, für Graz (gra- dec) namengebende kleine Anlage am Plateau des Berges gegeben hat, ist unklar. Für das 10. Jahrhundert hingegen kann eine solche Wehranlage wegen der Grenzlage zu Ungarn mit gutem Grund vermutet werden. Die zugehörige Burguntersiedlung im Bereich einer Wegkreuzung ist im Be- fund seit dem frühen 11. Jahrhundert nachweisbar. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts ist dort historisch ein Marktbetrieb und archäologisch Hand- werksausübung belegt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die ausschließlich aus Holzgebäuden bestehende, offensichtlich planmäßig organisierte Sied- lung bereits in den Sack und ans Murufer ausgedehnt und hat wohl auch das Areal des frühmittelalterlichen Althofes auf der oberen Murterrasse überlagert. Die Ausdehnung nach Süden und Südosten kann mangels ar- chäologischer Daten nicht bestimmt werden. Auch das Areal der in der Nordostecke der Stadt gelegenen Friedrichsburg (Neuerrichtung ab 1438), neben der der mindestens auf das 12. Jahrhundert zurückgehende Dom steht, ist für das Früh- und Hochmittelalter noch nicht beurteilbar; allfäl- lige, vor das 15. Jahrhundert zurückreichende Vorgängerbauten (etwa der Meierhof der Burg am Schloßberg?52) sind unbekannt. Mit zunehmender wirtschaftlicher Bedeutung, die sicher auch durch den Status als Residen- zort der traungauischen Markgrafen und seit 1180 Herzöge gefördert wird, entstehen erste profane Steinbauten. Mit der Fertigstellung der Stadtmauer vor 1265, die teilweise ältere Gebäude überschneidet, wird Graz zu einer Stadt mit allen Attributen; die drei Grundkomponenten der Stadtwerdung, die Burg am Schloßberg als „Katalysator“, der Althof auf der Murterrasse als ältester Kern und der Markt an der Mur als wirtschaftlicher Motor sind zusammengewachsen (Abbildung 8). Nach dem verheerenden Brand von 1275 wird die Stadt sukzessive und im Laufe des 14. Jahrhunderts flä- chendeckend mit Steinbauten ausgestattet. Das rechte Murufer wird, wie archäologische Kontrollen der Kunsthausbaustelle gezeigt haben, erst im 15. Jahrhundert zur echten Vorstadt, in der besten und einen weiteren ur- banistischen Schub auslösenden Zeit von Graz als Residenzstadt Innerö- 52 B r u n n e r , Lebensraum (wie Anm. 24), 83, nimmt einen vielleicht auch wehrhaften Mei- erhof des 12. Jahrhunderts (Otakar IV.) im Bereich der heutigen Burg an, auf dessen Kirche, den heutigen Dom, spätestens 1181 die Pfarrrechte übertragen worden sind. 242 Die Stadtwerdung von Graz aus archäologischer Sicht sterreichs unter den Habsburgern Herzog Ernst dem Eisernen und dessen Sohn Friedrich V., der 1440 zum deutschen König gewählt wird und 1452 als Friedrich III. die Kaiserkrone erhält. Abbildung 8: Die drei Komponenten der frühen Stadtentwicklung und der mittel- alterliche Mauerverlauf. Bildgrundlage wie Abbildung 2. 243 Manfred Lehner 244