Geheimsache Bärenhöhle. Wie eine antisemitische Professorenclique nach 1918 an der Universität Wien jüdische Forscherinnen und Forscher vertrieb. (2016)
Klaus Taschwer sich in den Anschlagkästen, ungehindert vom Rektorat, eine Gesinnung breitrnacht, die weder mit den Gesetzen der österreichischen Republik, noch mit den Doktorgelöbnissen der einzelnen Fakultäten vereinbar ist. Rektor und Senat mögen über diesen Zwiespalt hinwegkommen; ich fühle mich durch mein Gelöbnis verpflichtet, einer Universität, die alle Gesetze der Humanität zwar in ihren Promotionsformeln führt, aber in Wahrheit für nichts achtet, mein Diplom als Doktor der Philosophie zerrissen zurückzugeben, und zu ersuchen, meinen Namen aus der Doktorenliste jener Institution, die sich Alma mater Vindobonensis Rudolfina nennt, zu streichen. Ihnen, Herr Rektor, bleibt es überlassen, Ihre Haltung mit dem Gelöbnis, das Sie seinerzeit geleistet haben, fur vereinbar zu halten.
Hedwig Anneler (1888-1969) und ihre Berner Dissertation 'Zur Geschichte der Juden von Elephantine' von 1912. Eine Erinnerung zum hundertjährigen Doktorjubiläum einer bemerkenswerten Frau., 2011
Hedwig Anneler was one of the first women to achieve a Ph.D. from the University of Bern, and her thesis was one of the first monographs dedicated to the Jewish military colony of Elephantine in Achaemenid Egypt, after most of the papyri had been edited in 1906 and 1911. J.H. Stadler traces the life of Hedwig Anneler (part I+II) and E.A. Knauf places Hedwig Anneler’s thesis in the context of Elephantine studies and the history of Israel (part III). Hedwig Anneler became a prolific writer. She fought against discrimination (of women and of Jews), iniquity, and violence. She died 1969, two years before Swiss women were granted the right to vote.
Antisemitismus an der medizinischen Fakultät der Universität Wien um 1900 Fallbeispiele und Kontexte der Diskriminierung von Jüdinnen und Juden in der akademischen Medizin von 1875 bis zum "Anschluss" 1938
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References (11)
Vgl. u. a. Johann Dvorak. Zu Leben und Werk Edgar Zilsels und zur Soziologie des Geniekults. in: Edgar Zilsel, Die Geniereligion. Ein kritischer Versuch über das moderne PersönlichkeitsideaI. mit einer histo- rischen Begründung. Frankfurt a. M. 1990.8 If; Friedrich Stadler. Studien zum Wiener Kreis. Ursprung. Entwicklung und Wirkung des Logischen Empirismus im Kontext. Frankfurt a. M. 1997.569 ff.
Reiniger hatte mit Amalie Rosenblüth eine jüdische Assistentin, die allerdings unbezahlt war und erst ab . \ 1931 als Bibliothekarin des Philosophischen Instituts angestellt wurde. Ob sie sich habilitieren wollte. ist nicht bekannt. Vgl. Malachi Haim Hacohen, Karl Popper. The Formative Years. [902-1945. Politics and Philosophy in Interwar Vienna. Cambridge 2000. 242.
"So I must first declare that it is with regards to my Jewish origin impossible for me under present circumstan- ces to get an academic position in Austria. " Zit. nach Johannes Feichtinger, Wissenschaft zwischen den Kul- turen. Österreichische Hochschullehrer in der Emigration 1933-1945. Frankfurt a. M./New York 2001. 151.
Ernst Kris in einem Briefvom 22. Oktober 1936 an den Kunsthistoriker Fritz Saxl, der sich in London für bedrohte jüdische Kollegen in Deutschland und Österreich einsetzte. zit. nach Johannes Feichtinger, Wissenschaft zwischen den Kulturen. 155. .
Vg!. Kurt Mühlberger. Vertriebene Intelligenz 1938. Der Verlust geistiger und menschlicher Potenz an der Universität Wien 1938-1945. Wien '1993. 38 ff. ; Wolfgang L. Reiter, Die Vertreibung der jüdischen Intelligenz: Verdopplung eines Verlustes -1938/1945, in: Internationale Mathematische Nachrichten NL [87 (2001). 1-20. hier 2 f. , die jüngsten Daten stammen aus Andreas Huber, Eliten/dis/kontinuitäten Kol- lektivporträt der im Nationalsozialismus aus "politischen" Gründen vertriebenen Hochschullehrer der Universität Wien. Dipl, Arbeit, Wien 2012.
Vgl. Müller. Grenzziehungen. 299 f.; Friedrich Engel-Ianosi •... aber ein stolzer Bettler. Erinnerungen aus einerverlorenen Generation. Graz/Wien/Köln 1974.101-107. Engel-Ianosi ließsich übrigensam 29. März 1938 römisch-katholisch taufen. Aufschlussreich ist auch das folgende Briefzitat Srbiks, der am 20. Au- gust 1930 als Unterrichtsministerschreibt. warum es unmöglich sei. deli Historiker Peter Kuranda an der Universität Wien zu habilitieren: "Der Grund ist. ganz abgesehen von der vorwiegend publizistischen Richtung [der Arbeiten Kurandas, K.TJ politischer Art: Kuranda ist Jude lind dieZusammensetzung der Wiener Philosoph[ischen] Fakult[ät]ließ und lässt es seit mehreren Jahren schwer zu. dass Juden für neu- ere Geschichte habilitiert werden, " Zit. nach Iürgen Kämmerer. Heinrich Ritter von Srbik. Die wissen- schaftliche Korrespondenz des Historikers 1912-1945. Deutsche Geschichtsquellen de' s 19. und 20. Jahr- hunderts, Bd. 55. Boppard am Rhein 1988.359.
"This ministry is the bulwark of the Cartellverband since Minister Hurdes him- self is an ,Alter Herr' (CV member). [ ... J Perhaps the most powerful single offi- cial, however, is 1e~n~hef Dr. Otto Skrbensky, a CV member who controls university appointments. Part, at least, of the appalling decline of Austrian learning must be charged to the narrowly conservative orientation of these per- sonalities.'" . .
Das Ministerium und auch die Universität selbst schien jedenfalls kein allzu großes. Interesse zu haben, dass es zu einer Remigration jener Forscher kam, die vor 1938 aus der Universität hinausgeekelt wurden und auch von jenen, die erst nach dem "Anschluss" flüchten mussten. Zu dieser provinziellen Restauration kam es auch deshalb, weil insbesondere ein ehe- maliges Mitglied der Bärenhöhle zur zentralen Figur der Universitätspolitik der Nach- kriegszeit aufstieg und ihren Geist weitertrug. Befürchtungen dieser Art . sprach der Musikwissenschafter Rudolf Ficker bereits 1946 aus, der sich in Briefen an den 1938 nach England emigrierten Kollegen und Komponisten Egon Wellesz an eine "Clique" erin- nerte, der neben Meister auch noch "Menghin •. Abel, Lach und Konsorten" angehörte und die "W.gbereiter des Nazismus" gewesen seien. Jetzt nach Kriegsende sei Meister "der allmächtige Mann", seine "Zugehörigkeit zur Clique Menghin, Abel, Lach und Konsorten verrät deutlich die Linie, die er seit jeher vertreten hat"." Pickers letzter Brief in dieser Sache fällt besonders pessimistisch aus: "An Meister und seine Schützlinge traut sich niemand heran! Wenn in absehbarer Zeit die Besatzungstruppen wieder abge- zogen sind, dann wird die ganze Clfque mit Menghin und Konsorten bald wieder oben auf sein. "60 ' I I- Mit dem Abzug der Besatzungstruppensollte es noch etwas dauern, und von der gan- zen Clique war auch nieht mehr viel übrig: Abel starb 1946, die meisten anderen waren längst pensioniert oder t~t, und der als NS-Verbrecher gesuchte Menghin musste oder besser: konnte nach Argentinien emigrieren. Umso eindrucksvoller war die Karriere von Richard Meister selbst, der 1949/1950 Rektor der Universität Wien wurde und von 1951 bis 1963 gar als Präsident derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften fun- gierte. Vor allem aber nahm er als engster Berater des Unterriehtsministers Heinrich Drimmel von der Österreichischen Volkspartei ganz wesentlich darauf Einfluss, dass man in der Bildungs-und Hochschulpolitik da weitermachen konnte, wo man nach dem "Anschluss" 1938 nicht wirklich neu anfangen musste. . . . ~
Martin F. Herz. Compendium of Austrian politics. OSS (Organisation of Strategic Services). Bericht voll) 2. Dezember 1948. zit. nach Reinhold Wagnleitner (Hg.), Understanding Austria. The political re- ports and analyses of Martin F. Herz, political officer of the US legation in Vienna, 1945-1948, Salzburg 1984,550-630. hier 572 f. Skrbensky war übrigens nicht beim CY.
Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Fonds 13, Egon Wellesz. 1240 Briefwechsel mit Adolf von Ficker. Brief vom 8. Juli 1946.
Die Bärenhöhle, eine geheime antisemitische Professorenclique der Zwischenkriegszeit Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg gab es wiederholt Forderungen nach einem Numerus clausus für jüdische Studierende und Lehrende, deren Anteil auf jeweils zehn Prozent beschränkt werden sollte. Da dies dem in der Verfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz widersprach, mussten die Antisemiten (/de/themen/antisemitismus-der-universitat-wien) ihre Ziele anders durchsetzen. Bei den Lehrenden geschah dies durch entsprechende Netzwerke wie dem Spann (/de/personen/othmar-spannprof-dr)-Kreis (an der Rechts-und Staatswissenschaftlichen Fakultät (/de/artikel/die-rechts-und-staatswissenschaften-teil-ii)) oder der geheim operierenden "Bärenhöhle" (an der Philosophischen Fakultät). Die Interventionen und Absprachen dieser Cliquen machten es ab Anfang der 1920er-Jahre so gut wie unmöglich, dass jüdische oder linke WissenschafterInnen an der Universität Wien habilitiert oder berufen wurden. Initiiert vom antisemitischen Paläontologen Othenio Abel (/de/personen/othenio-abel-ouniv-prof) gehörten der Bärenhöhle etliche prominente Geisteswissenschafter an, die sich auch gegenseitig protegierten und zum Teil auch nach 1938 und nach 1945 eineussreich blieben.
"Jud Süß" (1940) is probably the most antisemitic feature film ever made. It was shown to SS guards in concentration camps and to Wehrmacht units during the Second World War to stoke up anti-Jewish feeling. But it not only played a part in the Holocaust. Banned in Germany after the war, it began a new life in the Middle East as anti-Israeli propaganda. It still circulates among far-right groups in Europe today. Bill Niven's article focuses on the postwar history of this notorious film.
CHILUFIM • ZEITSCHRIFT FÜR JÜDISCHE KULTURGESCHICHTE • 15/2013 207 Alfred Bodenheimer: Ungebrochen gebrochen. Über jüdische Narrative und Traditionsbildung. Wallstein Verlag, Göttingen 2012, 122 S. Alfred Bodenheimer: Haut ab! Die Juden in der Beschneidungsdebatte. Wallstein Verlag, Göttingen 2012, 64 S. Mit "Ungebrochen gebrochen" und "Haut ab!" legt Alfred Bodenheimer zwei Essays zur jüdischen Existenz heute vor, in denen die Gebrochenheit, bzw. sogar das Trauma als dessen wesentliche Momente benannt werden − ein Gedanke, der hoffentlich zum Widerspruch anregt. Ein Leitthema beider Texte ist das Verhältnis von Individualität und Kollektivität. In "Ungebrochen gebrochen" reflektiert der Autor jüdische Traditionsbildung, wobei das religionsphilosophische Konzept des Exils − was weit mehr bedeutet als unfreiwillige Migration − im Zentrum steht. Der gesamte Essay formuliert ein Paradoxon, das Bodenheimer als Movens des Judentums durch die Zeiten versteht; er will "die fortlaufende Spannung einer defizienten oder auch geradezu prekären Konstellation des Judentums als Gewähr seines Fortbestands und Grundlage dessen [zu] benennen und sichtbar [zu] machen, was auch im Blick auf die diversifizierte Welt von heute als das ‚Jüdische' benannt werden kann, *…+" (Ungebrochen, S. 12). Der Autor räumt selbst ein, dass dieser kaum freudevolle Gedanke "psychohygienisch problematisch" (Ungebrochen, S. 40) sei, mit anderen Worten: schmerzlich und gefährlich für das Individuum, das seine eigenen Interessen im Widerstreit mit denen des Kollektivs wahrnimmt. Bodenheimer zeigt nun das kontinuierliche − eben ungebrochene − Vorhandensein dieser "prekären Konstellation" anhand der vielfältigsten jüdischen Diskurse auf: Er präsentiert rabbinische und mittelalterliche Bibelauslegung und Philosophie, aber auch Aspekte neuzeitlicher und moderner religionspolitischer Auseinandersetzungen, sowie Einblicke in
Wolfgang Hänisch, Björn Wegen & Manuel Zeiler (2022): Verborgenes wird sichtbar – die »Bärenhöhle « im Felsenmeer bei Hemer. Archäologie in Westfalen-Lippe 2021, 265-268. Im Naturschutzgebiet Felsenmeer bei Hemer im nördlichen Sauerland (Märkischer Kreis) befindet sich ein großflächiges, gut erhaltenes Bergwerk aus dem Hochmittelalter. Es wird derzeit durch Laserscanning dokumentiert und die daraus resultierenden Scans werden verwendet, um eine überirdische Augmented-Reality-Umgebung zu schaffen, die somit den Bergbau für Besucher zugänglich machen wird. The Felsenmeer nature conservation area near Hemer in the northern Sauerland region (distr. Märkischer Kreis) includes a large-scale, well-preserved underground mine from the High Middle Ages. It is currently being documented by laser scanning and the resulting scans are being used to create an above-ground Augmented Reality environment that will be accessible to visitors.
In: EINSICHT 05. Bulletin des Fritz Bauer Instituts, 2011
ZUSAMMENFASSUNG: Angesichts der bereits vorhandenen Forschungsliteratur zur Verfolgung der Juden in Belgien scheint es, als seien alle Aspekte dieser Thematik bereits ausreichend aufgeklärt. Das Buch von Dr. Insa Meinen zeigt jedoch, dass genauere Forschungen neue Erkenntnisse darüber liefern, wie genau die meisten Juden, die aus Belgien deportiert wurden, in deutsche Hände gelangten. Es informiert auch über die verschiedenen Wege, mit denen Juden versuchten, sich der Deportation zu entziehen. Die Studie basiert auf neuen Recherchen zur deutschen Dokumentation über die Verhaftung von Juden, die versuchten sich zu verstecken oder ins Ausland zu fliehen. Das Buch ist innovativ in seiner Beschreibung und Einsichten. Eine niederländische Übersetzung dieses Buches wurde 2011 von De Bezige Bij veröffentlicht. Veröffentlicht in Einsicht 05. Bulletin des Fritz Bauer Instituts (Frankfurt am Main, Frühjahr 2011), S. 70–72. Eine leicht erweiterte Version dieses Artikels, mit Fußnoten, erschien in englischer Sprache in Yad Vashem Studies, Band 39-1 (2011), S. 289–296.