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Geheimsache Bärenhöhle. Wie eine antisemitische Professorenclique nach 1918 an der Universität Wien jüdische Forscherinnen und Forscher vertrieb. (2016)

References (11)

  1. Vgl. u. a. Johann Dvorak. Zu Leben und Werk Edgar Zilsels und zur Soziologie des Geniekults. in: Edgar Zilsel, Die Geniereligion. Ein kritischer Versuch über das moderne PersönlichkeitsideaI. mit einer histo- rischen Begründung. Frankfurt a. M. 1990.8 If; Friedrich Stadler. Studien zum Wiener Kreis. Ursprung. Entwicklung und Wirkung des Logischen Empirismus im Kontext. Frankfurt a. M. 1997.569 ff.
  2. Reiniger hatte mit Amalie Rosenblüth eine jüdische Assistentin, die allerdings unbezahlt war und erst ab . \ 1931 als Bibliothekarin des Philosophischen Instituts angestellt wurde. Ob sie sich habilitieren wollte. ist nicht bekannt. Vgl. Malachi Haim Hacohen, Karl Popper. The Formative Years. [902-1945. Politics and Philosophy in Interwar Vienna. Cambridge 2000. 242.
  3. "So I must first declare that it is with regards to my Jewish origin impossible for me under present circumstan- ces to get an academic position in Austria. " Zit. nach Johannes Feichtinger, Wissenschaft zwischen den Kul- turen. Österreichische Hochschullehrer in der Emigration 1933-1945. Frankfurt a. M./New York 2001. 151.
  4. Ernst Kris in einem Briefvom 22. Oktober 1936 an den Kunsthistoriker Fritz Saxl, der sich in London für bedrohte jüdische Kollegen in Deutschland und Österreich einsetzte. zit. nach Johannes Feichtinger, Wissenschaft zwischen den Kulturen. 155. .
  5. Vg!. Kurt Mühlberger. Vertriebene Intelligenz 1938. Der Verlust geistiger und menschlicher Potenz an der Universität Wien 1938-1945. Wien '1993. 38 ff. ; Wolfgang L. Reiter, Die Vertreibung der jüdischen Intelligenz: Verdopplung eines Verlustes -1938/1945, in: Internationale Mathematische Nachrichten NL [87 (2001). 1-20. hier 2 f. , die jüngsten Daten stammen aus Andreas Huber, Eliten/dis/kontinuitäten Kol- lektivporträt der im Nationalsozialismus aus "politischen" Gründen vertriebenen Hochschullehrer der Universität Wien. Dipl, Arbeit, Wien 2012.
  6. Vgl. Müller. Grenzziehungen. 299 f.; Friedrich Engel-Ianosi •... aber ein stolzer Bettler. Erinnerungen aus einerverlorenen Generation. Graz/Wien/Köln 1974.101-107. Engel-Ianosi ließsich übrigensam 29. März 1938 römisch-katholisch taufen. Aufschlussreich ist auch das folgende Briefzitat Srbiks, der am 20. Au- gust 1930 als Unterrichtsministerschreibt. warum es unmöglich sei. deli Historiker Peter Kuranda an der Universität Wien zu habilitieren: "Der Grund ist. ganz abgesehen von der vorwiegend publizistischen Richtung [der Arbeiten Kurandas, K.TJ politischer Art: Kuranda ist Jude lind dieZusammensetzung der Wiener Philosoph[ischen] Fakult[ät]ließ und lässt es seit mehreren Jahren schwer zu. dass Juden für neu- ere Geschichte habilitiert werden, " Zit. nach Iürgen Kämmerer. Heinrich Ritter von Srbik. Die wissen- schaftliche Korrespondenz des Historikers 1912-1945. Deutsche Geschichtsquellen de' s 19. und 20. Jahr- hunderts, Bd. 55. Boppard am Rhein 1988.359.
  7. "This ministry is the bulwark of the Cartellverband since Minister Hurdes him- self is an ,Alter Herr' (CV member). [ ... J Perhaps the most powerful single offi- cial, however, is 1e~n~hef Dr. Otto Skrbensky, a CV member who controls university appointments. Part, at least, of the appalling decline of Austrian learning must be charged to the narrowly conservative orientation of these per- sonalities.'" . .
  8. Das Ministerium und auch die Universität selbst schien jedenfalls kein allzu großes. Interesse zu haben, dass es zu einer Remigration jener Forscher kam, die vor 1938 aus der Universität hinausgeekelt wurden und auch von jenen, die erst nach dem "Anschluss" flüchten mussten. Zu dieser provinziellen Restauration kam es auch deshalb, weil insbesondere ein ehe- maliges Mitglied der Bärenhöhle zur zentralen Figur der Universitätspolitik der Nach- kriegszeit aufstieg und ihren Geist weitertrug. Befürchtungen dieser Art . sprach der Musikwissenschafter Rudolf Ficker bereits 1946 aus, der sich in Briefen an den 1938 nach England emigrierten Kollegen und Komponisten Egon Wellesz an eine "Clique" erin- nerte, der neben Meister auch noch "Menghin •. Abel, Lach und Konsorten" angehörte und die "W.gbereiter des Nazismus" gewesen seien. Jetzt nach Kriegsende sei Meister "der allmächtige Mann", seine "Zugehörigkeit zur Clique Menghin, Abel, Lach und Konsorten verrät deutlich die Linie, die er seit jeher vertreten hat"." Pickers letzter Brief in dieser Sache fällt besonders pessimistisch aus: "An Meister und seine Schützlinge traut sich niemand heran! Wenn in absehbarer Zeit die Besatzungstruppen wieder abge- zogen sind, dann wird die ganze Clfque mit Menghin und Konsorten bald wieder oben auf sein. "60 ' I I- Mit dem Abzug der Besatzungstruppensollte es noch etwas dauern, und von der gan- zen Clique war auch nieht mehr viel übrig: Abel starb 1946, die meisten anderen waren längst pensioniert oder t~t, und der als NS-Verbrecher gesuchte Menghin musste oder besser: konnte nach Argentinien emigrieren. Umso eindrucksvoller war die Karriere von Richard Meister selbst, der 1949/1950 Rektor der Universität Wien wurde und von 1951 bis 1963 gar als Präsident derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften fun- gierte. Vor allem aber nahm er als engster Berater des Unterriehtsministers Heinrich Drimmel von der Österreichischen Volkspartei ganz wesentlich darauf Einfluss, dass man in der Bildungs-und Hochschulpolitik da weitermachen konnte, wo man nach dem "Anschluss" 1938 nicht wirklich neu anfangen musste. . . . ~
  9. Martin F. Herz. Compendium of Austrian politics. OSS (Organisation of Strategic Services). Bericht voll) 2. Dezember 1948. zit. nach Reinhold Wagnleitner (Hg.), Understanding Austria. The political re- ports and analyses of Martin F. Herz, political officer of the US legation in Vienna, 1945-1948, Salzburg 1984,550-630. hier 572 f. Skrbensky war übrigens nicht beim CY.
  10. Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Fonds 13, Egon Wellesz. 1240 Briefwechsel mit Adolf von Ficker. Brief vom 8. Juli 1946.
  11. Ebd., Brief vom 24. Dezember 1946.