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Seminararbeit Diffusion von Gesundheitslegenden eingereicht von: Martin Wettstein Rheinstrasse 58 8212 Neuhausen Tel: 079 567 84 77 E-Mail: tarlanc@gmx.net Matr. Nr: 00-912-980 Student im 7. Semester Hauptfach: Publizistikwissenschaften 1. Nebenfach: Soziologie 2. Nebenfach: Computerlinguistik Thema und Zeitpunkt der Lehrveranstaltung: Seminar: Gesundheitskommunikation Herbstsemester 2007 Verantwortlicher Dozent PD Dr. Urs Dahinden IPMZ-Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich Andreasstr. 15 8050 Zürich Zürich, 11.1.2008 Seite 0 /25 Inhaltsverzeichnis 1) Forschungsinteresse.................................................................................................. 2 1.1) Grund für die vorliegende Arbeit.............................................................................. 2 1.2) Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit.................................................................... 3 2) Theoretische Grundlagen.......................................................................................... 4 2.1) Wissenstransfer in der Gesundheitskommunikation.................................................. 4 2.2) Diffusion von Gesundheitsinformationen ................................................................. 6 2.2.1) Opinion Leaders ....................................................................................... 6 2.2.2) Attribute von Innovationen........................................................................ 7 2.3) Gesundheitslegenden............................................................................................... 7 2.3.1) Beispiele ................................................................................................... 8 3) Gründe für die Entstehung und Verbreitung von Legenden ................................... 11 3.1) Fehlende gesicherte Information ............................................................................ 11 3.2) Frankfurts Gründe für die Entstehung von Bullshit .................................................. 12 3.3) Missverständnisse................................................................................................... 13 3.4) Absichtliche Verbreitung von Fehlinformationen aus kommerziellen Gründen ....... 13 3.5) Cognitive Load bei der Informationsbeschaffung .................................................... 14 4) Verbreitungswege von Gesundheitslegenden......................................................... 15 4.1) Soziales Umfeld .................................................................................................... 16 4.2) Vermeintliche Experten.......................................................................................... 16 5) Fazit ......................................................................................................................... 17 5.1) Schlechte Information als Hauptgrund ................................................................... 18 5.2) Effizienz sozialer Netzwerke................................................................................... 18 6) Gegenmassnahmen................................................................................................. 18 6.1) Bereits getroffene Massnahmen.............................................................................. 19 6.2) Mögliche weitere Massnahmen.............................................................................. 19 7) Ausblick ................................................................................................................... 20 8) Literatur................................................................................................................... 22 Seite 1 /25 1) Forschnugsinteresse 1.1) Grund für die vorliegende Arbeit Der heutige Mediennutzer wird täglich mit Informationen über Gesundheit, Krankheit, Ernährung und medizinische Details konfrontiert. Sei dies durch Nachrichten über Krankheitsausbrüche in fernen Ländern, durch Randbemerkungen eines Fernsehkochs über die Wirkung von Vitaminen und die Inhaltsstoffe seiner Zutaten, durch Diskussionen mit seinen Mitmenschen über die Gebrechen des Alltags oder durch Gesundheitsratgeber in Zeitschriften. Hinter einigen dieser Kommunikationsereignissen stehen Non-Profit- Organisationen, die sich den Kampf gegen Übergewicht, Krebs, Zigaretten oder andere Übel unserer Gesellschaft auf die Fahne geschrieben haben, hinter anderen wiederum stehen Forscher, welche ihre Forschungsergebnisse publik machen wollen und wieder hinter anderen stehen Pharmakonzerne, freiberufliche Heilpraktiker oder einfach nur ein gut informierter Laie, der sein Wissen gerne unter die Menschen bringen möchte. Dazu kommt, dass immer mehr Menschen sich dieser Flut an Informationen nicht entziehen wollen, sondern sie bereitwillig auffangen, um besser über den eigenen Körper und Chancen für eine bessere Gesundheit informiert zu sein (vgl. Hesse et al. 2005: 2619). Kaltenborn (2001) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Patienten nach ihrem Arztbesuch vermehrt selbst nach weiteren Informationen suchen, um einerseits die Last der Diagnose seelisch zu bewältigen, andererseits bei der Entscheindung über allfällige Therapien mitreden zu können (vgl. Kaltenborn 2001: 50f). Es kommt daher schon seit Jahren vor, dass die Patienten mitunter ausgedruckte Websites, E-Mails und Dokumentationsmaterial aus dem Internet zu ärztlichen Konsultationen mitnahmen, sich also vor dem Arztbesuch intensiv mit ihrer Krankheit beschäftigt haben (vgl. Kaltenborn 2001: 49). Auch in Amerika ist die Praxis der Patienten, sich im Internet mit Informationen zu versorgen, auf dem Vormarsch. Bereits im Jahr 2000 haben sich schätzungsweise 60 Millionen Amerikaner über Gesundheitsthemen im Internet schlau gemacht, wobei ein Grossteil angibt, die gefundene Information beeinflusse ihre Entscheidungen über die Behandlung von Krankheiten (vgl. Berland et al. 2001: 2612). Bei einer im vergangenen Jahr durchgeführten Studie von Arora et al. (2007) hat von den über 6000 Befragten ein Drittel angegeben, auf eigene Faust nach Informationen über Krebs gesucht zu haben. Fast die Hälfte dieser Informationssucher gaben dabei an, sich zuerst im Internet zu informieren, wobei nur ca. 10% den Arzt als primäre Informationsquelle nannten (vgl. Arora 2007: 3). Doch selbst bei diesen guten Voraussetzungen von informationsbegierigen Patienten und einer breiten Versorgung mit Gesundheitsinformationen kursieren noch immer viele Seite 2 /25 Fehlauffassungen über Gesundheitsthemen in unseren Köpfen. Seien dies falsche Auffassungen über schwere Krankheiten oder einfach nur Aberglaube. So stimmten in einer von Gansler et al. (2005) durchgeführten Telefonbefragung über 27% der Befragten der Theorie zu, dass es bereits Krebsheilmittel gäbe, diese aber von Ärzten unter Verschluss gehalten werden, weil sie sonst nichts mehr verdienen könnten (vgl. Gansler 2005: 656). In Zentralafrika hält sich derweil hartnäckig das Gerücht, durch Geschlechtsverkehr mit einer Jungfrau könne man AIDS heilen (vgl. Meel 2003: 85). Ebenso hält sich in den Köpfen der westlichen Welt der Glaube an die Wirksamkeit von Homöopathie (vgl. Ernst 2002: 577). Indessen stellen Forscher fest, dass das in der medizinischen Forschung gefundene Erkenntnisse und Behandlungen nur schleichend den Weg in die Köpfe der Menschen findet. Dieser Misstand betrifft sowohl die Ärzte, als auch die Patienten, welche schlecht von den Ergebnissen der Forschung erreicht werden (vgl. Fals-Steward/Logsdon 2004: 178). Trotz Fortschritten in der medizinischen Forschung halten sich falsche Auffassungen, Legenden und Missverständnisse in der Gesellschaft (vgl. Gansler et al. 2005: 656 / Arora et al. 2007: 4). 1.2) Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit Die vorliegende Arbeit soll der Verbreitung und dem Ursprung von Gesundheitslegenden und der Verbreitung fehlerhafter Informationen über Gesundheitsthemen in der Gesellschaft auf den Grund gehen. Gerade in der heutigen Zeit, in der auf Information jederzeit und von jedem Menschen mit Internetanschluss zugegriffen werden kann, ist es von Bedeutung, fehlerhafte Information zu identifizieren und ihre Verbreitungswege zu kennen. Im Besonderen gilt dies für Gesundheitskommunikation, welche im Falle von Fehlern zu gesundheitlichen Risiken beim Nutzer oder seiner Umwelt führen kann. Gerade hier muss der Nutzer vor potentiell schädlicher Information geschützt werden, damit Patienten für die Entscheidungen, die sie über ihre Gesundheit zu treffen haben, ausreichend und richtig informiert sind (vgl. Gustafson 1999: 25). Die Forschungsfrage, welche der vorliegenden Arbeit zu Grunde liegt, ist, wie sich Gesundheitslegenden in der Gesellschaft verbreiten können und wie sie sich halten. Zuerst möchte ich dabei die theoretischen Grundlagen zur Diffusion von Gesundheitsinformationen im Allgemeinen betrachten. Im Anschluss sollen die Gründe für die Entstehung und Diffusion von Legenden oder Fehlinformation generell beschreiben werden. Anschliessend werde ich die Diffusionswege von Legenden betrachten und aufzeigen, welche Wege bei einzelnen Beispielen zum Tragen kommen. Seite 3 /25 Abschliessend möchte ich auf Gegenmassnahmen eingehen, welche getroffen werden können oder bereits getroffen wurden, um falsche Auffassungen, Vorurteile und Unwissenheit über Gesundheitsthemen zu minimieren. 2) Theoretische Grundlagen Bei der Beschreibung der Gründe und Verbreitungswege von Gesundheitslegenden beziehe ich mich zum Einen auf den Wissenstransfer in der Gesundheitskommunikation im Allgemeinen und zum Anderen auf die Diffusion von Wissen in der Gesellschaft. Diese beiden Konzepte und eine begriffliche Einschränkung des hier verwendeten Begriffs 'Gesundheitslegende' werden damit zunächst eingeführt, bevor auf die Gründe und die Verbreitungswege von Gesundheitslegenden eingegangen werden kann. 2.1) Wissenstransfer in der Gesundheitskommunikation Die Hintergründe und das Wesen von Gesundheitskommunikation wurde in den letzten 30 Jahren insbesondere in den USA erforscht. Unter den Begriff der Gesundheitskommunikation fielen zunächst lediglich die Kommunikationsereignisse, welche sich an einen Patienten richten, also die Gesundheitskampagnen und Arzt- Patienten-Gespräche (vgl. Hurrelmann/Leppin 2001: 9). Das Forschungsgebiet wurde jedoch ausgeweitet und kann nach Hurrelmann und Leppin gesamthaft als "die Vermittlung und den Austausch von Wissen, Meinungen und Gefühlen zwischen Menschen, die als professionelle Dienstleister oder Patienten/Klienten in den gesundheitlichen Versorgungsprozess einbezogen sind, und/oder als Bürgerinnen und Bürger an Fragen von Gesundheit und Krankheit und öffentlicher Gesundheitspolitik interessiert sind" (Hurrelmann/Lepin 2001: 11) verstanden werden. Jeglicher Austausch von Informationen, deren Inhalt Gesundheit oder Krankheit sind, fallen damit ins Forschungsgebiet der Gesundheitskommunikation. Die Vermittlung von Wissen ist bei der Gesundheitskommunikation ein zentrales Thema (vgl. Hurrelmann/Leppin 2001: 11). Dies gilt nicht nur für die Vermittlung von korrekter Information, sondern in diesem Fall auch für Gesundheitslegenden und Fehlinformationen. Aus diesem Grund werden auch Theorien und Untersuchungsergebnissen zum Wissenstransfer in dieser Arbeit grosse Beachtung geschenkt. Der Wissenstransfer in der Gesundheitskommunikation wurde lange Zeit nur zwischen Medizinern und der medizinischen Forschung untersucht. In diesem Bereich der Gesundheitskommunikation wird das Wissen über Fachbücher, Internetportale oder Seite 4 /25 Fachzeitschriften verbreitet (vgl. Kaltenborn 2001: 36 / Figueiredo Castro 2006: 3), was diese Art von Gesundheitskommunikation besonders transparent macht. In den letzten Jahren entstand ein globaler Informationsraum, in dem sich Fachleute optimal informieren und austauschen können (vgl. Figueiredo Castro 2006: 2). Das Internet hat nicht nur den Zugriff auf wissenschaftliche Publikationen enorm vereinfacht und beschleunigt, sondern hat durch die Ausbildung von Portalen und virtuellen Netzwerken auch die Forschungslogiken teilweise verändert (vgl. Figueiredo Castro 2006: 3). Statt nur Autoren von wissenschaftlichen Publikationen zu sein, können Forscher durch das Internet auch problemlos ihre eigenen Arbeiten veröffentlichen, ohne auf die Verleger von Fachzeitschriften Rücksicht nehmen zu müssen (vgl. Morahan-Martin/Anderson 2000: 734). Der Erfolg von Artikeln kann von Autoren selbst über Datenbanken im Auge behalten werden und die Ergebnisse von Untersuchungen sind leichter als je zuvor in Datenbanken speicher- und kombinierbar (vgl. Figueiredo Castro 2006: 3). Diese Art des Wissenstransfers kann durch den freien Zugang zu vielen Online-Portalen gut untersucht und im Auge behalten werden. Anders verhält es sich aber mit dem Wissenstransfer zu Patienten und Bürgern. Zwar wurde von Kaltenborn (2001) bereits darauf hingewiesen, dass Patienten sich ebenfalls über das Internet Informationen über ihre Krankheit besorgen (vgl. Kaltenborn 2001: 49f), der Ort dieser Recherche wurde jedoch nicht genauer bezeichnet. Dass Patienten zwar auf diese Portale zugreifen können, jedoch durch ihre mangelnde medizinische Ausbildung die dort angebotenen Informationen oftmals nicht verstehen können (vgl. Arora 2007: 4), wurde bei der Untersuchung des Wissenstransfers nur selten bedacht Berland et al. (2001) haben zum Beispiel befunden, dass die meisten Websites mit korrekten medizinischen Informationen auf dem Niveau von College- oder Universitätsstudenten geschrieben, und für High-School-Abgänger nur selten verständlich sind. Daraus schlossen sie, dass die Beschaffung von korrekter Information über Internet für einen Grossteil der Bevölkerung nicht möglich sein wird (vgl. Berland et al. 2001: 2619). Tatsächlich weiss heute laut Arora et al (2007) fast die Hälfte der Personen, die über Internet nach Informationen über Krebs suchen, nicht, wo sie korrekte Informationen suchen soll. Über 41% fühlen sich bei der Suche nach Informationen über Krebs im Internet frustriert und mehr als ein Drittel findet es schwer, die gefundenen Informationen zu verstehen (vgl. Arora et al. 2007: 4). Diese Probleme mit der Informationssuche sind umso grösser, je geringer die Schulbildung ist (vgl. Arora et al. 2007: 4). Dazu kommt, dass die Gesundheitslaien, also Patienten und Bürger, die Objektivität und Kompetenz der Anbieter von Gesundheitsinformationen im Internet oft nicht einschätzen können (vgl. Seite 5 /25 Hurrelmann/Leppin 2001: 19). Das Internet ist demnach zur Vermittlung von Gesundheitsinformationen nicht so gut geeignet, wie die Anzahl medizinischer Informationsportale vermuten liesse. 2.2) Diffusion von Gesundheitsinformationen Ein vielversprechenderer Weg zur Vermittlung von Gesundheitsinformation besteht in der Diffusion von Informationen, da auf diesem Wege die Information über soziale Netzwerke, also Vertrauenspersonen und Personen mit einem ähnlichen sozialen Hintergrund verbreitet werden kann (vgl. Dearing/Maibach/Buller 2006: 12). Auf diesem Weg werden bereits Inhalte von Gesundheitskampagnen, wie zum Beispiel Kampagnen für mehr körperliche Fitness unter Jugendlichen verbreitet (vgl. Buller 2006:1). Die Diffusion wird bei solchen Projekten in der Tradition Rogers' (2003) verstanden, also als eine Verbreitung einer Innovation in einem sozialen System, welche einerseits durch das Bedürfnis der einzelnen Individuen gesteuert wird, Unsicherheit abzubauen, andererseits durch den sozialen Drang, hochgeschätzte Individuen der Gesellschaft zu imitieren (vgl. Dearing/Maibach/Buller 2006: 12 / Rogers 2003: 18f). Diese nutzerzentrierte Sicht der Diffusion wurde durch die kommunikatorzentrierte Perspektive des sozialen Marketings ergänzt, in der ein Innovator seine Innovation über soziale Netzwerke gezielt verbreitet. Der so kombinierte Ansatz ermöglicht es, das theoretische Wissen aus der Diffusionsforschung für eine Kampagne nutzbar zu machen (vgl. Dearing/Maibach/Buller 2006: 13). Anwendung findet diese Art der Verbreitung von Gesundheitsinformationen bei diversen Kampagnen. Als Beispiel kann hier das 'Por la Vida'-Projekt in den USA genannt werden, bei dem Lateinamerikanische Frauen in niedrigen sozialen Schichten über Krebs informiert werden sollen (vgl. Navarro et al. 2007: 135). Ähnliche Bestrebungen sind auch im Gebiet der Suchtmittelprävention (vgl. Fals-Steward 2004: 177) und anderen mentalen Krankheiten (vgl. Gotham 2004: 160) im Gange. 2.2.1) Opinion Leaders Essentiell für den Erfolg von Diffusion einer Information sind die Opinion Leader eines sozialen Netzwerkes (vgl. Valente/Pumpuang 2007: 881 / Rogers 2002: 992). Opinion Leader können besonders berühmte Personen (vgl. Valente Pumpang 2007: 885) oder Experten (vgl. Valente Pumpuang 2007: 887) sein. Wichtig ist jedoch, dass sie von ihrem sozialen Netzwerk als Experten, Meinungsmacher oder nachahmungswürdige Personen erachtet werden (vgl. Valente Pumpuang 2007: 887). Vertritt ein Opinion Leader eines Seite 6 /25 Netzwerkes eine Meinung über eine Angelegenheit oder implementiert er eine Innovation, so beeinflusst das die Meinung der anderen Individuen über diese Innovation positiv und kann sie dazu bringen, ihn zu imitieren (vgl. Rogers 2003: 26f). Diese wichtige Rolle von Opinion Leaders kann in Kampagnen benutzt werden, um möglichst schnell und zuverlässig alle Mitglieder eines sozialen Netzwerkes zu erreichen (vgl. Navarro et al. 2007: 135 / Dearing/Maibach/Buller 2006: 15). Ein Vorteil von Opinion Leaders gegenüber externen Fachleuten besteht in dem gemeinsamen sozialen Hintergrund und der gemeinsamen Sprache der Adressaten und des Kommunikators (vgl. Valente Pumpuang 2007: 883). Opinion Leader können die Information also in Worte fassen, welche von den anderen Individuen des sozialen Systems gut verstanden werden. 2.2.2) Attribute von Innovationen Nicht alle Innovationen verbreiten sich gleich gut in einem sozialen Netzwerk. Grund dafür sind unterschiedliche Ausprägungen von fünf zentralen Attributen, welche eine Innovation haben kann (vgl. Rogers 2002: 990). Diese Attribute sind 1) der relative Nutzen einer Innovation, 2) ihre Kompatibilität mit gewohnten Strukturen, 3) ihre Komplexität, 4) die Möglichkeit, sie auszuprobieren und 5) die Beobachtbarkeit der Innovation (vgl. Rogers 2002: 990). Soll eine Innovation sich schnell verbreiten, müssen diese Attribute optimiert werden, was im Falle von Gesundheitskampagnen bereits zur Praxis gehört (vgl. Gotham 2004: 165). 2.3) Gesundheitslegenden Als Gesundheitslegenden sollen in der vorliegenden Arbeit jene Gesundheitsinformationen bezeichnet werden, welche verbreitet werden, ohne dass die Kommunikatoren sich der wissenschaftlich gesicherten Fakten zu diesem Thema bewusst sind. In diese Kategorie fallen also all jene Informationen über Krankheiten, Medikamente, Therapien oder Symptome, welche nicht direkt aus der Forschung stammen, sondern ihren Ursprung in einem Missverständnis, in der Folklore, in der Kolportation eines Gerüchtes oder in der Phantasie von Menschen haben. Als Legenden werden diese Informationen nur aufgrund ihrer Verbreitung bezeichnet, welche sich typischerweise interpersonell und ohne Abklärung des Hintergrundes der Information vollzieht. Einen etwas weniger salonfähigen Begriff für Information, welche sich verbreitet, ohne dass der Kommunikator ihren Wahrheitsgehalt kennt, prägte mit 'Bullshit' Harry G. Frankfurt (2005) mit seinem gleichnamigen Essay. Kommunikatoren von Bullshit sind laut Frankfurt Seite 7 /25 klar von Lügnern zu unterscheiden, da ein Lügner falsche Information verbreiten will, der Verbreiter von Bullshit sich jedoch gar nicht um die Korrektheit seiner Information kümmert. "It is just this lack of connection to a concern with truth - this indifference to how things really are - that I regard as the essence of bullshit" (Frankfurt 2005: 33f). In diesem Sinne entspricht das Verbreiten von Bullshit dem Erzählen einer historischen oder urbanen Legende, deren Wahrheitsgehalt ebenfalls weder dem Kommunikator noch dem Zuhörer bekannt ist, die aber im Bereich des Möglichen oder des Glaubhaften liegt (vgl. Fox Tree/ Weldon 2007: 459 / Wikipedia 2008). Legenden oder Bullshit werden dabei, ungleich Gerüchten, als Fakten präsentiert, obschon der Erzähler sich des Wahrheitsgehaltes unsicher ist und oftmals neue Details einbaut, oder die Legende verändert (vgl. Fox Tree/Weldon 2007: 460). Der Begriff "Gesundheitslegende" sagt nichts über den Wahrheitsgehalt einer Information aus, sondern nur über die Art ihrer Vermittlung. Wird also eine Information wie 'Unter der Schale sitzen die meisten Vitamine' als Gesundheitslegende bezeichnet, so bedeutet das nicht, dass Vitamine nicht durchaus unter Schalen vorkommen, sondern dass der Mensch, der diesen Satz ausspricht und damit verbreitet, weder weiss, welche Vitamine sich unter welcher Schale befinden noch wer das mit welcher Methode gemessen hat. Im Gegensatz dazu beziehen sich die Begriffe "Falschaussage" oder "Fehlinformation" einzig und allein auf den Inhalt der Information, welcher aktuellen Forschungsergebnissen klar widerspricht. Gesundheitslegenden können durchaus Fehlinformationen enthalten, sind jedoch von Fehlinformation klar zu unterscheiden. Diese begriffliche Unterscheidung wird für den vorliegenden Artikel getroffen. 2.3.1) Beispiele In der vorliegenden Arbeit sollen die Verbreitungswege von Gesundheitslegenden anhand einzelner Beispiele illustriert werden. Dabei kann grob zwischen gefährlichen Gesundheitslegenden, welche, für die Gesundheit von Rezipienten und deren Umfeld eine reale Gefahr darstellen, und harmlosen oder gar humoristische Gesundheitslegenden, welche niemandem zu Schaden vermögen, unterschieden werden. Eine weitere Unterscheidung betrifft den Ursprung der Legende, welche einerseits aus Folklore und Aberglaube stammen kann, andererseits aber aus betrügerischer Absicht von Personen oder Firmen, welche damit Geld verdienen möchten, verbreitet werden. Seite 8 /25 Gefährliche Legende Harmlose Legende Mit betrügerischem • Vitamin B17/Laetrile • Ozonisiertes Olivenöl Hintergrund • Vertuschtes Krebsheilmittel Aus Aberglaube, Folklore • AIDS kann durch Verkehr • Mittels Homoöpathie oder Missverständnis von mit Jungfrauen geheilt können Krankheiten geheilt Information werden werden • Krebs kann durch einen • Die meisten Vitamine starken Willen ohne sitzen unter der Schale Medikamente bekämpft • Die Vogelgrippe wird sich werden zu einer Pandemie entwickeln Tabelle 1: Kategorische Verortung von Gesundheitslegenden. Eigene Darstellung. Die erste Legende, auf die ich eingehen möchte, ist die, seit den 60er Jahren bekannte Laetrile-Therapie. Laetrile oder Amygdalin, ein Cyanogen, welches in Aprikosenkernen vorkommt, wurde in den 60er Jahren in Amerika und Europa als Krebsheilmittel eingesetzt, hat jedoch keine verbrieften Erfolge erzielen können. Im Gegenteil sind die meisten damit behandelten Patienten noch schneller gestorben als Kontrollgruppen mit herkömmlicher Krebs-Behandlung (vgl. Hodges 1973: 78 / Moertel 1982: 204). Grund dafür war meist eine schleichende Blausäure-Vergiftung durch das toxische Amygdalin. Untersuchungen des kalifornischen 'Department of Public Health' an 190 angeblichen Heilerfolgen hat bereits Anfangs der 70er Jahre ergeben, dass die Patienten entweder noch immer Krebs hatten, die Verbesserung ihres Zustandes der gleichzeitig erhaltenen Chemo-Therapie zuzuschreiben war, oder sie nie Krebs hatten, sich aber als Heilerfolge ausgaben (vgl. Hodges 1973: 78). Dennoch gibt es zahlreiche Internet-Seiten, auf denen man von sensationellen Heilerfolgen durch Laetrile lesen und sich Pillen bestellen kann (vgl. Omega Supply 2008 / Healthcare2000 2008). Mitunter wird auf diesen Seiten auch damit für das Produkt geworben, dass man die Hersteller von Laetrile als Opfer einer Pharmazeutischen Verschwörung darstellt, welche verunglimpft werden, weil sie Krebs heilen können und damit pharmazeutische Unternehmen in den Ruin stürzen könnten (vgl. Cure4allCancer 2008). Derartige Websites, machen sie auch nur einen verschwindend geringen Teil der Gesundheitskommunikation im Internet aus, verfehlen ihre Wirkung nicht. So gaben, wie bereits eingangs erwähnt, ein Viertel der Amerikaner an, sie seien davon überzeugt, dass es Seite 9 /25 Heilmittel gegen Krebs gibt, welches jedoch von Pharmakonzernen aus Gewinngier unter Verschluss gehalten wird (vgl. Gansler 2005: 656). Diese Legende, die mit einem Viertel einer repräsentativen Stichprobe bereits weit diffundiert ist, lässt sich sicher nicht alleine auf Websites mit Verkaufsangeboten von Laetrile zurückführen. Die Legende wird jedoch Anbietern dieses, und auch anderer Wundermittel, weiter erfolgreich verbreitet (vgl. Energeticmedzin 2008). Hierbei kann zum Tragen kommen, dass die Repetition von Legenden sie in den Augen der Rezipienten glaubwürdiger erscheinen lässt (vgl. Fox Tree/Weldon 2007: 459). Ähnliche Angebote von Fehlinformation finden sich im Internet auch über ozonisiertes Olivenöl, welches, wäre es in der Tat ozonisiert worden, hochgiftig wäre. Durch Einleitung von Ozon in ein pflanzliches Öl entstehen Formaldehyd und andere Aldehyde und Ketone, welche dem menschlichen Körper schaden können (vgl. Zoeteman 1982: 201f / Sykes 1986: 422). Dennoch wird auf kommerziellen Websites mit der gesundheitsfördernden Wirkung dieses Öls geworben, um es zu verkaufen (vgl. Stockburger Shop 2008). Auch hält sich durch die Werbung für dieses Öl der Glaube an die Wirksamkeit von ozonisiertem Öl auf nicht-kommerizellen Websites ohne wissenschaftlichen Hintergrund (vgl. Naturheilkundelexikon 2008). Eine gefährliche Gesundheitslegende kursiert derweil in Südafrika und anderen afrikanischen Ländern. Sie besagt, dass Geschlechtsverkehr mit Jungfrauen AIDS heilen kann (vgl. Meel 2003: 85). Der Glaube an diese Legende kann für das Umfeld eines HIV- Infizierten ein grosses gesundheitliches Risiko darstellen, hält sich aber trotz der Bemühungen von Hilfsorganisationen. Andere gefährliche Legenden, wie die Überzeugung, ein starker Wille könne Krebs besiegen, kann das Leben der Patienten selbst in Gefahr bringen. Eine Ablehnung ärztlicher Hilfe aufgrund der Überzeugung, Krebs sei bloss Willenssache, ist für den Patienten lebensgefährlich. Dass diese Legende weit verbreitet ist, zeigt eine aktuelle Telefonumfrage, bei welcher 6.6% der Befragten von der Richtigkeit dieser Behauptung überzeugt waren und weitere 4.5% sie für möglich hielten (vgl. Gansler et al. 2006). Weniger gefährlich sind Legenden wie die Überzeugung von der Wirksamkeit von Homoöpathie gegen Krankheiten aller Art. Verschiedene Untersuchungen über die Wirksamkeit von homoöpathischen Medikamenten wurden in den letzten Jahrzehnten durchgeführt und zusammengefasst. Ein Re-Review von über 500 Studien hat jedoch die Legende als Fehlinformation ausgewiesen. Die Wirkung von Homoöpathischen Heilmitteln Seite 10 /25 überstieg die Wirkung von Placebos nicht signifikant (vgl. Ernst 2002: 581). Die Legende, Homoöpathische Heilmittel seien wirksam gegen Krankheiten, ist jedoch nicht schädlich, da Homoöpathische Heilmittel typischerweise nur Spuren von Wirkstoffen enthalten (vgl. Ernst 2002: 577). Eine andere harmlose Legende aus dem Volksmund ist die bereits erwähnte Behauptung, die meisten Vitamine sässen unter der Schale. Einigkeit, bei welcher Frucht oder welchem Gemüse diese Behauptung zutrifft, gibt es hierbei nicht (vgl. Drösser 1998). Prinzipiell harmlos sind auch gewisse Übertreibungen von Gefahren, welche von Journalisten getroffen werden. So waren die Angst vor einer Vogelgrippe-Pandemie, welche bis heute weltweit gegen 150 Opfer gefordert hat (vgl. Promedmail 2008) oder die hitzige Debatte über Feinstaubbelastungen eher ungefährlich, da sie Menschen nicht zu gesundheitsgefährdenden Entscheidungen anstiften. 3) Gründe für die Entstehung und Verbreitung von Legenden 3.1) Fehlende gesicherte Information Ein Grund für die Entstehung solcher Gesundheitslegenden kann die fehlende beweisgestützte Information sein, welche trotz der grossen Vielfalt an Gesundheitsinformation herrscht (vgl. Dierks/Schwarz 2001: 293). Auch liegt die empirisch gesicherte Information in einer ungünstigen Form vor. Sie ist einerseits zu schwer verständlich für Laien (vgl. Arora 2007: 4 / Berland et al. 2001: 2619), andererseits ist sie zu umfangreich für die Forscher selber (vgl. Hesse/Schneiderman 2007: 599). Es würden bereits heute globale Netzwerke mit Forschungsergebnissen benötigt, welche individualisierte Abfragen ermöglichen. Anstrengungen in dieser Richtung sind zwar bereits unternommen worden (vgl. Culliton 2006: 101), sind aber noch nicht einsatzbereit. Diese Umstände machen es sowohl für Patienten als auch für medizinische Vertrauenspersonen wie Ärzte schwer, sich gründlich über ein Gesundheitsthema zu informieren (vgl. Hesse/Schneiderman 2007: 599). Dieser Umstand kann die Entstehung von Gesundheitslegenden erleichtern. Auch die Verbreitung von Legenden kann hier die Ursache haben, weil Legenden, welche sich grosser Bekanntheit erfreuen, auch ohne medizinische Recherche glaubhaft sind und weiter verbreitet werden, so lange man keine Information über ihre Fehler (vgl. Fox Tree/Weldon 2007: 471). Legenden wie die Angst vor einer baldigen Vogelgripe-Pandemie, welche sich auf vage Andeutungen von Forschern abstützte, dass der Virus eventuell mutieren und für Menschen Seite 11 /25 gefährlich werden könnte, können aus Mangel an weiterer Information bestehen. Auch der Mythos, AIDS könne durch Verkehr mit Jungfrauen geheilt werden, lässt darauf schliessen, dass die Verbreiter dieser Legende zu wenig über Infektionskrankheiten wissen. 3.2) Frankfurts Gründe für die Entstehung von Bullshit In seinem Essay 'On Bullshit' identifiziert Frankfurt (2005) einen plausiblen Grund für die Entstehung von Bullshit, oder Legenden. Die prominenteste Ursache für Bullshit sei das Bedürfnis der meisten Menschen, bei Themen mitreden zu können, von denen ihnen eine fundierte Kenntnis fehlt (vgl. Frankfurt 2005: 63f). Der soziale Zwang, über ein diskutiertes Thema etwas sagen zu können, kann damit dazu führen, dass man sich zu einem Thema äussert, ohne den Wahrheitsgehalt seiner eigenen Äusserung zu kennen. Dieser Aussage stimmen auch Dearing, Maibach und Buller (2006) zu, wenn sie als Ursache für die Diffusion von Ideen die Kombination eines Bedürfnisses von Individuen, die subjektive Unsicherheit zu minimieren und des Bedürfnisses, angesehene Mitglieder der Gesellschaft zu imitieren (vgl. Dearing/Maibach/Buller 2006: 512), nennen. Zusammenfassend kann man also als Grund für die Diffusion von Gesundheitslegenden, aber auch gesicherter Gesundheitsinformation anführen, dass Menschen, um sich an einer Diskussion zu beteiligen, die Aussagen jener Mitmenschen wiedergeben, die sie als kompetent einschätzen. Ob es sich bei der so verbreiteten Information um wertvolle und gesicherte Information handelt, oder um eine Legende, hängt einerseits von der Informiertheit des Urhebers und andererseits von der sinngemässen Wiedergabe der Information ab. Doch gerade die korrekte Wiedergabe ist bei Legenden nicht gegeben. So wurden Urbane Legenden in einer Untersuchung nur in 3 von 65 Fällen über ein halbes Jahr hinweg korrekt erinnert (vgl. Fox Tree/Weldon 2007: 469). Durch falsche Wiedergabe von einmal gehörter Information können auf diese Weise leicht Gesundheitslegenden entstehen. Ebenso wie durch die Wiedergabe von historischen Ereignissen Legenden entstehen können. Wichtiger bei dieser Art der Verbreitung von Information ist aber, dass dadurch Legenden im Umlauf bleiben, dass sie trotz Bekanntheit immer wiederholt werden und dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnen (vgl. Fox Tree/Weldon 2007: 471). Auch können Legenden dadurch lebendig gehalten werden, dass die Opinion Leader eines sozialen Gefüges sie für wahr halten und sie für andere Individuen im sozialen Netzwerk glaubwürdig machen (vgl. Rogers 2003: 27). Seite 12 /25 Beispiele für Legenden, die durch stete Wiederholung an Gewicht gewinnen, sind vor allem in der Folklore zu finden und schliessen den Glauben an Homöopathie oder den Glauben an Hausmittelchen ein. 3.3) Missverständnisse Eine weitere Quelle für Gesundheitslegenden kann in der Fehlinterpretation von wissenschaftlichen Texten liegen. Gesundheitsinformationen können, auch wenn sie korrekt sind, von einem Patienten falsch verstanden oder falsch gelesen werden, was zur Bildung falscher Überzeugung führt. Dies ist insbesondere bei anspruchsvollen Texten der Fall, welche Fachwissen des Rezipienten voraussetzen (vgl. Morahan-Martin/Anderson 2000: 732f). Gerade bei Websites, deren Inhalt sehr anspruchsvoll ist, besteht die Gefahr solcher Fehlinterpretationen durch Menschen mit niedrigem Bildungsniveau (vgl. Arora 2007: 4). Hier ist jedoch noch zu untersuchen, welche Legenden sich tatsächlich auf Missverständnisse von Forschungsliteratur oder ärztlichen Kommunikationen stützen. Vermutlich sind hier jene Legenden zu nennen, welche Formulierungen wie 'amerikanische Forscher haben herausgefunden...' enthalten. 3.4) Absichtliche Verbreitung von Fehlinformationen aus kommerziellen Gründen Eine weitere, ernstzunehmende Ursache von Gesundheitslegenden sind die absichtlich verbreiteten Legenden, welche dazu dienen, ein Produkt zu verkaufen. Diese teilweise gefährlich falschen Informationen über Krankheiten und Therapien können den Lesern realen Schaden zufügen, wie J.Bernstien, Direktor des FTC Konsumentenschutzes in den USA bereits 1999 festgestellt hat: „Hopeful, and sometimes desperate consumers spend Millions of dollars on unproved, deceptively marketed and often useless 'miracle cures' and the Internet should not become the newest medium for this age old problem. In addition to wasting consumers' money, some Products or treatment may even cause serious harm or endager their lives.“ (J. Bernstein, Direktor des FTC Konsumentenschutzes. zit. nach Gustafson et al. 1999, 24). Ein Beispiel für eine gezielt verbreitete Gesundheitslegende wird von Anbietern von Laetrile/Vitamin B17 geliefert. Trotz der bereits erwähnten Schädlichkeit und Ineffektivität dieses Heilmittels gibt es zahlreiche Internet-Seiten, auf denen man von sensationellen Heilerfolgen durch Laetrile lesen und sich Pillen bestellen kann (vgl. Omega Supply 2008). Auch die Legende über absichtlich zurückgehaltene Krebsheilmittel werden absichtlich verbreitet, um den Absatz von ungesicherten Therapien zu steigern. Diese Legende feiert Seite 13 /25 grosse Erfolge in Amerika (vgl. Gansler 2005: 656) und wahrscheinlich auch in anderen Ländern. 3.5) Cognitive Load bei der Informationsbeschaffung Als Cognitive Load wird die mentale Anstrengung bezeichnet, welche anfällt, wenn man eine Information in einen grösseren Zusammenhang setzen und mit anderen Informationen verbinden muss (vgl. Eveland/Dunwoody, 2001: 56 / Paas, 2004: 1). Anstrengungen in dieser Richtung muss gerade bei der Suche nach zusammenhängender Information über eine Krankheit unternommen werden, um sich ein Gesamtbild von der Krankheit und den möglichen Ursachen und Theorien zu machen und auf diese Weise Fehlinformation als solche zu erkennen. Wird aber der Cognitive Load zu gross, so kann keine neue Information mehr aufgenommen und behalten werden. Man spricht dabei auch von einem Cognitive Overload (Fox/Park/Lang 2006: 278). Gerade im Zusammenhang mit dem Internet ist der Cognitive Load von Bedeutung. Das Navigieren im Internet stellt bereits eine mentale Herausforderung dar, ohne dass dabei Information aufgenommen werden muss. Die Anzahl an Links in einem Hypertext, der Wechsel zwischen verschiedenen Fenstern und der Überblick über die bereits besuchten Seiten sind dabei Faktoren, welche den Cognitive Load unabhängig vom Inhalt der Recherche erhöhen (vgl. Eveland/Dunwoody 2001: 56) Dazu kommt, dass sich der Cognitive Load bei mangelnder Erfahrung im Umgang mit dem Internet oder bei mangelndem Fachwissen über das Thema erhöhen kann (Eveland/Dunwoody 2001: 56 / Eveland/Donwoody, 2002: 38 / Hölscher/Strube, 2000). Eine weitere Ursache von Cognitive Load bei der Suche nach gesundheitsrelevanten Themen kann die schiere Anzahl an Seiten sein, die Informationen anbieten und sich dabei teilweise widersprechen (vgl. Arora 2007: 4). Wird der Cognitive Load zu hoch, kann das nicht nur zu einer verminderten Aufnahmefähigkeit von Information führen, sondern auch zu selektiver Aufmerksamkeit auf wenige Informationsteile. Durch selektive Aufmerksamkeit kann ein Leser die angebotene Information auf wenige Kerntehmen reduzieren und damit den Cognitive Load verringern (vgl Eveland/Donwoody, 2002: 37). Diese Verringerung ist jedoch nur auf Kosten von Information möglich, welche überlesen wird. Dabei kann es zu Missverständnissen oder einer zu vereinfachenden Zusammenfassung des Themas kommen, was im Falle von Gesundheitsinformationen zu Verwirrung, Frustration und falschen Vorstellungen über die Krankheit führt (Arora 2007: 4). Selbst wenn der Leser nicht absichtlich selektiv liest, wird Seite 14 /25 durch einen erhöhten Cognitive Load die Erinnerungsleistung und die Verknüpfung komplexer Information verschlechtert (vgl. Fox/Park/Lang 2007: 278f), wodurch Information verloren geht. Da der Cognitive Load insbesondere bei Recherchen im Internet und bei zu komplexen Informationen zum Problem wird (vgl. Fox/Park/Lang 2006: 290), ist er möglicherweise an der Entstehung jener Gesundheitslegenden beteiligt, welche auf Missverständnissen von Forschungsliteratur oder auf der Vereinfachung von komplexen Zusammenhängen beruhen. Verallgemeinerungen wie die Behauptung, die meisten Vitamine sässen unter der Schale, können die Folge einer solchen Vereinfachung sein. Der Cognitive Load kann jedoch auch eingesetzt werden, um in betrügerischer Absicht eine Legende zu verbreiten. Wird ein Text über eine prinzipiell sinnlose Therapie mit ausreichend Fachbegriffen und Pseudo-wissenschaftlicher Sprache aufgeladen, kann von einem Leser nicht mehr erwartet werden, dass er die dargebotenen Informationen richtig einordnen oder selber überprüfen kann. Der Cognitive Load wird dabei so hoch, dass selbst Information, die unter anderen Umständen als falsch oder zumindest unbekannt erkannt wird, vertraut klingt (vgl. Fox/Park/Lang 2007: 290). Da vertraute Elemente in Legenden diese glaubhafter machen (vgl. Fox Tree/Weldon 2007: 471), wird die Glaubwürdigkeit von Legenden so gesteigert. Diese Technik wird unter anderem bei Therapien eingesetzt, deren Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt wurde, wie Ernst (2004) in einem nicht-systematischen Review über pseudowissenschaftliche Sprache auf kommerziellen Seiten über eine derartige Therapie dargestellt hat. Um eine Bioresonanztherapie zu verkaufen, wurde auf verschiedenen Seiten mit 7-Dimensionaler Raum-Zeit und mit Ganzheitlichkeit argumentiert und Behauptungen wie " Disturbing signals or ‘disturbing energies’ also have an electromagnetic quality." (Ernst 2004: 172) aufgestellt. Durch die Verwendung von, teilweise inexistenten, Fachbegriffen wird der Cognitive Load und damit möglicherweise auch die Glaubwürdigkeit erhöht. 4) Verbreitungswege von Gesundheitslegenden Als nächstes möchte ich auf die wichtigsten Verbreitungswege von Gesundheitslegenden eingehen. Hierbei lassen sich zwei zentrale Wege beschreiben: Zum einen ist das der ungerichtete Weg über ein soziales Netzwerk nach der Logik der Diffusion, zum anderen die gezielte Verbreitung durch eine Schlüsselfigur. Seite 15 /25 4.1) Soziales Umfeld Wie bereits in Punkt 3.2) erläutert, ist die Diffusion über soziale Netzwerke nicht nur von Bedeutung für die Verbreitung von belegter Information, sondern auch von Legenden (vgl.Frankfurt 2005: 63f). Informationen können, wenn sie einmal von einem Opinion Leader eines sozialen Netzwerkes verbreitet werden, das Netzwerk schnell durchdringen (vgl. Dearing/Maibach/Buller 2006: 15f / Rogers 2003: 26f). Im Falle von Kampagnen, welche gezielt Informationen an Opinion Leader verteilen, kann diese Diffusion durchaus gelenkt und gewollt sein. Man kann in einem solchen Falle auch von sozialem Marketing sprechen (vgl. Dearing/Maibach/Buller 2006: 13). Es kann sich jedoch auch um einen ungelenkten Prozess handeln, der Legenden oder Fehlinformation verbreitet und nur dadurch begünstigt wird, dass das einzelne Individuum zu jedem Thema etwas sagen können möchte, ohne sich zuerst mit den Fakten befassen zu müssen (vgl. Frankfurt 2005: 63). Im gewohnten sozialen Umfeld erzählen Menschen oftmals Geschichten, die sie nicht für unmöglich halten, deren Fakten sie jedoch nicht kennen oder übertreiben (vgl. Fox Tree/Weldon 2007: 460). Dieser Weg ist daher insbesondere für die Diffusion von Aberglaube, Folklore oder Missverständnissen geeignet. Gerade für Gesundheitsinformationen kann diese Art der Verbreitung wichtig sein, wie Fox Tree und Weldon feststellen: "Importance may trump truth in retellings because the risk of not passing on potentially useful or life-saving information may be greater than the embarrassment of passing on a falsehood" (Fox Tree/Weldon 2007: 461). Der Wahrheitsgehalt von Gesundheitslegenden ist also möglicherweise weniger wichtig als der potentielle Nutzen der Information. 4.2) Vermeintliche Experten Ein Verbreitungsweg, der ebenfalls an die Opinion Leader der Diffusionstheorie angelehnt ist, ist die Verbreitung über vermeintliche Experten. Gerade in einem anonymisierten Massenmedium wie dem World Wide Web oder Diskussionsmedien wie Foren und Newsgroups, ist dieser Verbreitungsweg prominent. "Virtually anyone can publish virtually anything in the virtual library, and it can be difficult to ascertain credentials and accuracy" (Morahan-Martin/Anderson 2000: 734). Einzelne Kommunikatoren, welche sich durch ihre Wortwahl, einen fiktiven akademischen Hintergrund oder explizite Aussagen als Experten ausgeben, können Informationen verbreiten, deren Wahrheitsgehalt sie nicht kennen, da sie Verleger, Peer-Reviews und andere Kontrollinstanzen umgehen können (vgl. Morahan- Martin/Anderson 2000: 734). In etwas geringerem Masse ist dies auch über Bücher und Seite 16 /25 Broschüren möglich, welche von scheinbaren Experten verfasst und als Ratgeber verkauft werden. Da insbesondere in Fällen, in denen der Vorteil einer Innovation unsicher ist, die Individuen nach Opinion Leaders suchen (vgl. Dearing/Maibach/Buller 2006: 16), haben Urteile von vermeintlichen Experten einen grossen Einfluss auf die Entscheidungsbildung. Dieses Effektes sind sich die Verbreiter von Innovationen durchaus bewusst. So wird er sich auch bei der Einführung einer Innovation in ein soziales Netzwerk gerne zu Nutze gemacht (vgl. Dearing/Maibach/Buller 2006: 17 / Navarro et al. 2007: 35). Wobei hier nicht zwingend Fachelute als Opinion Leaders gelten, sondern jene Personen, welche von den meisten Individuen als Experten betrachtet werden (vgl. Valente/Pumpuang 2007: 887). Das zugeschriebene Expertentum ist also entscheidend, nicht die tatsächliche Ausbildung einer Person. Gerade Nutzer mit geringerer Bildung können dabei oftmals nicht zwischen wirklichen Autoritäten auf dem betreffenden Gebiet und Hochstaplern unterscheiden, da ihnen die Fachkompetenz fehlt (vgl. Arora 2007: 4). Dies kann dazu führen, dass absichtlich verbreitete Legenden von der Gesellschaft aufgenommen werden oder die Äusserungen von scheinbaren Experten ohne ausreichendes Fachwissen als gesicherte Information angenommen werden (vgl. Morahan-Martin/Anderson 2000: 734). Dies können mitunter auch schädliche Fehlinformationen sein, wie verschiedene Untersuchungen an Ratgeberseiten für Eltern zeigten (vgl. Morahan-Martin/Anderson 2000: 734). 5) Fazit Die verschiedenen Gründe für die Entstehung und Verbreitung von Gesundheitslegenden und die Verbreitungswege dieser Legenden sind eng miteinander verknüpft. Wie bereits dargelegt, ist an der Entstehung und Verbreitung von Legenden oftmals die schlechte Informiertheit von Laien beteiligt. Sei dies die direkte Ursache, wie im Falle von Missverständnissen oder falscher Auffassung von beweisgestützten Informationen, oder nur einer von mehreren Faktoren, die zu Cognitive Load führen können. Die Verbreitungswege von Legenden sind dabei mit den wichtigsten Kanälen zur Verbreitung von korrekter Gesundheitsinformation identisch. Das Internet und das soziale Netzwerk sind die wichtigsten Pfeiler der Gesundheitskommunikation, wie aktuelle Studien belegen (vgl. Arora 2007: 3 / Berland et al. 2001: 2612 / Dearing/Maibach/Buller 2006: 13). Der Kern der Verbreitung von Gesundheitslegenden lässt sich damit auf zwei Faktoren zurückführen: Die Uninformiertheit der Laien und die Effizienz von sozialen Netzwerken. Seite 17 /25 5.1) Schlechte Information als Hauptgrund Ein Hauptgrund für die Entstehung von Gesundheitslegenden kann, wie bereits dargelegt, die Uninformiertheit der breiten Öffentlichkeit angenommen werden. Dieser Umstand, begünstigt von der schlechten Informationslage (vgl. Dierks/Schwarz 2001: 293), führt zu falschen oder unbestätigten Aussagen, wenn Laien über ein Gesundheitsthema sprechen (vgl. Frankfurt 2005: 63f). Ebenso begünstigen schlechte Vorkenntnisse über ein Gesundheitsthema eine fehlerhafte, ergebnislose oder verwirrende Recherche über dieses Thema (vgl. Arora 2007: 4 / Fox/Park/Lang 2006: 290 / Morahan-Martin/Anderson 2000: 732f). Es ist auch zu vermuten, dass Anfälligkeit für absichtlich verbreitete Gesundheitslegenden dadurch erhöht wird, dass die tatsächlichen Sachverhalte unbekannt sind und man daher die Fehlinformation nicht als solche erkennen kann (vgl. Gansler 2005: 656). 5.2) Effizienz sozialer Netzwerke Soziale Netzwerke sind für die Diffusion von Gesundheitslegenden wohl der wichtigste Kanal. Dabei ist in den letzen Jahren neben der Verbreitung von Legenden im Bekanntenkreis auch eine globale Möglichkeit zur Bildung sozialer Netzwerke hinzugekommen. Dabei können sowohl Beiträge in Foren, als auch Websites erstellt werden, in denen man mit Freunden und Bekannten auf der ganzen Welt über Gesundheit diskutieren und sie belehren kann. Praktisch jeder kann im Internet seine persönlichen Überzeugungen und Theorien veröffentlichen (Morahan-Martin/Anderson 2000: 734). Dies führt dazu, dass auch Gesundheitslegenden und Fehlinformationen im Internet veröffentlicht werden, wo sie von anderen Bürgern und Patienten gelesen werden (Morahan-Martin/Anderson 2000: 734). Über 60% der amerikanischen Bevölkerung sucht heute online nach Gesundheitsinformationen (vgl. Arora 2007: 3 / Hesse et al. 2005: 2619), was die Diffusion über diesen Kanal stark begünstigt. Da das soziale Netzwerk für die meisten Menschen wichtiger für die Meinungsbildung ist, als unbekannte Forscher und andere Fachleute (Dearing/Maibach/Buller 2006: 16), bleiben Forschungsergebnisse oftmals unbekannt und "collect dust in the ivory towers of academia" (Fals-Steward/Logsdon 2004: 178). 6) Gegenmassnahmen Da ein Teil der Gesundheitslegenden durchaus schädliche Auswirkungen haben kann, ist es nötig, über Gegenmassnahmen gegen die Verbreitung derartiger Legenden nachzudenken. Besonders wichtig ist dies im Falle schädlicher Legenden wie der eingangs erwähnten Seite 18 /25 Überzeugung, AIDS könne durch Geschlechtsverkehr mit Jungfrauen geheilt werden oder der Erfolgsgeschichte von Laetrile. Legenden, die in diesem Masse die Gesundheit einzelner Menschen gefährden können, müssen unterbunden werden, damit Patienten gut informierte Entscheidungen treffen können, was ihre Gesundheit betrifft (vgl. Gustafson 1999: 25). 6.1) Bereits getroffene Massnahmen Gegen die Uninformiertheit der Bevölkerung, insbesondere in niedrigen sozialen Schichten, wurden bereits einige Massnahmen getroffen. Dabei handelt es sich vornehmlich um Informationskampagnen zu bestimmten Themen wie Fitness (vgl. Buller 2006: 1), Tabakprävention (vgl. Buller 2006: 2), Krebs (vgl. Navarro et al. 2007: 135f), Unfallprävention (vgl. o.A. 2006: 430) und andere Themen (vgl. o.A. 2006: 425/428). Dazu gehören auch Projekte zur Information der Bevölkerung über Gesundheitsthemen durch die Society of Public Health Education (SOPHE) in den USA (vgl. Smedley 2006: 540). Auf der anderen Seite gibt es Bestrebungen, die Verbreitungswege von Fehlinformationen im Internet zu minimieren. Ein Ansatz zu dieser Aufgabe liegt in Qualitätslabels, welche nur Seiten erhalten sollen, deren Gesundheitsinformationen aus vertrauenswürdigen Quellen stammen und fachlich korrekt sind (vgl. DiGiacomo/Maceratini 2002: 156). Solche Qualitätslabels, wie das HON-Label oder der e-Health code of ethics sind seit Jahren vorhanden, werden aber nur von einem Bruchteil der Gesundheitsinformations-Seiten eingesetzt (vgl. DiGiacomo/Macerantini 2002: 158). Eine anderer Ansatz, den Vormarsch von schädlichen Legenden zu stoppen, ist die Einrichtung von Online-Prangern für Fehlinformationen über Gesundheitsthemen. Ein solcher Pranger wurde mit www.quackwatch.com realisiert, wo Informationen über Falschaussagen über Gesundheitsthemen gesammelt werden (vgl. Morahan- Martin/Anderson 2000: 737). 6.2) Mögliche weitere Massnahmen Eine weitere Massnahme kann in breiten Informationskampagnen über gefährliche Gesundheitslegenden bestehen. Solche Kampagnen können, analog zu Gesundheitskampagnen über die Gefahren des Rauchens oder HIV, mittels Plakaten und Zeitungsberichten verbreitet werden. Auch der Einsatz von Opinion Leaders in gefährdeten sozialen Netzwerken wären in diesem Zusammenhang denkbar. Seite 19 /25 Darüber hinaus müssen auch die Labels und Online-Pranger der Bevölkerung nahe gebracht werden, um ihnen die Information über die Glaubwürdgkeit einer Information zu erleichtern. 7) Ausblick Die Erforschung von Gesundheitslegenden und der Verbreitung von Fehlinformationen über Internet und soziale Netzwerke steckt heute in den Kinderschuhen. Die Gesundheitskommunikationsforschung hat sich lange Zeit mit Wirkmechanismen von Kampagnen, mit der Kommunikation unter Fachleuten und der Kommunikation von Ärzten zu Laien beschäftigt. Die teilweise schädlichen Gesundheitsinformationen, mit welchen sich nicht nur die Internetnutzer täglich konfrontiert sehen, wird erst seit kurzem systematisch untersucht. Studien, in welchen den Menschen bei ihrer Informationssuche begleitet und dokumentiert werden fehlen noch ebenso wie die konkrete Untersuchung der Glaubwürdigkeit von schädlicher Information im Internet. Und dies, obschon mittlerweile ein Grossteil der Bevölkerung nach Gesundheitsrelevanten Themen im Internet recherchiert. Künftige Untersuchungen auf diesen Gebiet können die Entstehung und Glaubwürdigkeit konkreter Legenden behandeln und deren Wahrheitsgehalt in ihrer Entwicklung über die Zeit erforschen. Die Feststellung, dass gerade eine schlechte Informiertheit oder generell eine niedrige Schulbildung die Menschen anfällig für fehlerhafte Gesundheitslegenden macht, öffnet auch Wege zu anderen Forschungszweigen. Diese erhöhte Anfälligkeit für Fehlinformation unter schlechter gebildeten Menschen und die Möglichkeit besser gebildeter Menschen, sich vor Falschaussagen zu schützen, schafft eine sich ausweitende Wissenskluft zwischen diesen Menschen. Die Anwendung der Wissenskluft-Hypothese auf die Verbreitung und Entstehung von Gesundheitslegenden könnte daher kommunikationswissenschaftlich wertvoll sein. Ebenso liesse sich die Feststellung von Fox Tree und Weldon über die Glaubwürdigkeit und Verbreitung von Legenden, welche sich grosser Bekanntheit erfreuen (vgl. Fox Tree/Weldon 2007: 471) über eine Schweigespirale erklären, in welcher die prominentesten Ansichten als die zutreffendsten gesehen werden. Es besteht also noch Bedarf an Forschung über Legenden und an der Einbindung der gefundenen Theorien in klassische Felder der Kommunikationswissenschaften. Seite 20 /25 Ungeachtet dessen zeichnet sich aber bereits eine Lösung für Probleme mit Gesundheitslegenden in ab: Die Menschen müssen besser informiert werden. Nur eine flächendeckende Aufklärung der Bevölkerung über die Hintergründe von Krankheiten, Medikamenten und anderen gesundheitsrelevanten Themen kann verhindern, dass sich teilweise schädliche Legenden verbreiten. Der Patient, der im Internet nach möglichen Therapien für seine Krankheit sucht, muss schon vorher ausreichend über die Hintergründe seiner Krankheit informiert sein, damit er Fehlinformation als solche erkennen kann. Mit Aufklärungskampagnen, die speziell auf schlecht gebildete Menschen zugeschnitten sind, und mit Online-Prangern für betrügerische und gefährliche Gesundheitsinformationen, ist bereits ein Schritt in diese Richtung getan worden. Auch Qualitätslabel von Informationsseiten können eine Hilfe für Informationssuchende sein. Voraussetzung dafür ist aber eine grosse Bekanntheit dieser Hilfsmittel, welche heute noch nicht gegeben ist. Seite 21 /25 8) Literatur Arora, Neeraj, K. et al. (2007): Frustrated and Confused: The American Public Rates its Cancer-Related Information-Seeking Experiences. In: http://www.springerlink.com/content/a7616kn8w181877h/?p=0b95df70ca0f447b9646 eac94188d28d&pi=19 (5.12.07) Berland, Gretchen K. at al. 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