890 FLORIAN MILDENBERGER
gehalten,167 55 Jahre später erwähnte er diesen Teil des CEuvres Dacques nicht mehr.
Kuhn benutzte in seinen Werken sogar noch die überholten Schlagbegriffe wie "Bau-
plan'~ um die Bedeutung Dacques hervorzuheben. 168 Der historisierte Dacque galt in
den Kreisen seiner fachwissenschaftlichen Erben daher als exakt arbeitender und somit
zu Unrecht vergessener Naturforscher. Zur gleichen Zeit begannen Paläontologen auf FELIX WIEDEMANN
internationaler Ebene entspannt und fern ideologisch überfrachteter Diskurse mit For-
schungsprogrammen zur Schließung von Lücken in fossilen Ahnenreihen, ohne dass
dies - wie noch in den Jahren 1900 bis 1920 - zu einer Debatte um die Korrektheit "Allahs Sonne« und "Europas eigene Religion«
der Theorien Darwins geführt hätte. 169 Weitere Würdigung erfuhr Dacque gelegentlich
in Heimatzeitschriften, durch einzelne Biologen und seitens der evolutionstheoretisch Die Verschränkung von Arabophilie und Neuheidentum in der
arbeitenden Mitglieder des Jesuitenordens. 17o Dabei blieb stets der Teil seines Schaf- rechtsextremen Ideologie Sigrid Hunkes
fens außerhalb der Betrachtung, der einer mythischen Weitsicht zuzurechnen ist. Ganz
vergessen wurden diese Schriften aber nicht. In den USA wurde in den 1950er-Jahren
an die Drachentheorie aus München erinnert,l7l hierzulande gab es einige Schmähun- Unter dem Titel "Oui, l'Occident chretien est redevable au monde islamique" erschien
gen 172 und noch 2001 erwähnte der Evolutionskritiker Hans Joachim Zillner Dacques im Frühjahr 2008 in der französischen Tageszeitung Liberation eine von über 50
Forschungen. 173 Eine Verbindung zwischen diesen unterschiedlichen Rezipienten kam renommierten Historikern unterschriebene Protestnote gegen die Publikation eines
aber nicht zustande, jeder wollte "seinen Dacque" für sich bewahren. Kollegen. I Gegenstand dieses ungewöhnlichen Schrittes war das Buch "Aristote
au Mont-Saint-Michel. Les racines grecques de l'Europe chretienne" von Sylvain
Gouguenheim, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Lyon.
Offenbar war es dem Autor mit dieser Publikation weniger um das Aufzeigen der im
Titel angekündigten "griechischen Wurzeln des christlichen Europa" zu tun als um
die Zurückweisung der seiner Ansicht nach bloß behaupteten islamisch-arabischen
Wurzeln der europäischen Kultur. Anders als es die herrschende Meinung lehre, so
Gouguenheim, habe die arabische Zivilisation bei der Vermittlung der antiken Philo-
sophie und Wissenschaft in die Neuzeit so gut wie keine Rolle gespielt; vielmehr sei diese
in Europa selbst, genauer gesagt in den christlichen Klöstern, geleistet worden. 2 Es ist
167 Helmut Hölder, Grenzfragen metaphysischer Forschung. Ein Beitrag zur Grenzüberschreitung
empirischer Methodik, gestützt auf Goethes Naturforschung und einige Beispiele aus der Gegenwart,
Stuttgart '941, S. 35. Auch Kuhn verzichtete auf jeden entsprechenden Hinweis in seinen themen- Vgl. Oui, I'Occident chretien est redevable au monde islamique, in: Liberation, 30. April 2008 (http://
relevanten Schriften, siehe Oskar Kuhn, Die vorzeitlichen Krokodile, Krailling 1960; Oskar Kuhn, Die www.liberationJr/tribune/010179795-0ui-l-occident-chretien-est-redevable-au-monde-islamique, ein-
Abstammungslehre. Tatsachen und Deutungen, Krailling 1965· gesehen am 30.4. 2009). Auch deutsche und internationale Feuilletons berichteten. Vgl. Dag Nikolaus
168 Meister, Anti-Darwinismus in der Paläontologie, S. '9. Hasse, Pseudowissenschaft vom Abendland. Frankreich streitet über Sylvain Gouguenheim: Der His-
169 Antoni Hoffman, Paleobiology at the crossroads. A critique of some modern paleobiological research toriker betreibt islamkritische Legendenbildung am Leitfaden der Regensburger Rede, in Frankfurter
programs, in: Marjorie Green (Hrsg.), Dimensions ofDarwinism, S. 24'-272, 262. Allgemeine Zeitung, '9. Juni 2008; Johannes Wetze!, Was Europa dem Islam verdankt - und was nicht,
170 Herbert Wendt, Ich suchte Adam, Reinbek 1965, S. 385; Joachim Illies, Anthropologie des Tieres, Mün- in: Die Welt, 2. Mai 2008; John Vinocour, Europe's dept to Islam given a scepticallook, in: Internatio-
chen 1973, S. 222; Günter Buttmann, Wissenschaft Mythns - Religion, in: Stimmen der Zeit 196 ('978), nal Herald Tribune, 28. April 2008 (http://www.iht.com/articles/2008/041z8/europe/politicus.php. ein-
S. 569-572; Gerhard Schmolzer, Dienst am Vermächtnis der Urzeit, S. 52 ff. gesehen am 31. 1. 2009).
17' L. Sprague de Camp, Lost Continents. Tbe Atlantis 1beme in history, science, and literature, New York 2 Vgl. Sylvain Gouguenheim, Aristote au Mont -Saint-Michel. Les racines grecques de l'Europe chretienne,
'954, S. '52; Richard Carrington, Mermaids and Mastodons. A book 01' natural and unnatural history, Paris 2008. Im Zentrum seiner Darstellung steht die Benediktinerabtei Mont -Saint -Michel, insbeson-
London '957, S. 76. dere das Werk des Aristoteles-Übersetzers Jacques de Venise aus dem 12. Jahrhundert (vgl. S. 103 ff.).
172 Herbert Wendt, Ehe die Sintflut kam, S. 277- Es ist allerdings unklar, ob sich dieser jemals selbst in Mont-Saint-Michel aufgehalten hat. Vgl. Hasse,
173 Hans-Joachim Zillner, Irrtümer der Erdgeschichte, S. 211. Pseudowissenschaft vom Abendland.
892 FELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 893
jedoch vor allem seine strikte Gegenüberstellung von "islamischer" und "griechisch- eines proarabischen und islamophilen Flügels innerhalb der extremen Rechten an-
christlicher" Kultur, die aufhorchen lässt. Die Kritiker monierten denn auch zu Recht gesehen werden? Ob sich allerdings die französische Linke in ihrem Islambild durch
den erkennbaren Subtext des Buches - die Revitalisierung der Idee des "christlichen die Publikationen einer deutschen Rechtsextremistin hat inspirieren lassen, mag
Abendlandes" als Basis europäischer Identität. Aus diesem Grund ist Gouguenheim man bezweifeln; einen Beleg hierfür bleibt Gouguenheim schuldig.
auch in rechtskonservativen und islamfeindlichen Kreisen zustimmend rezipiert Tatsächlich gehört Hunkes 1960 erschienenes, in viele Sprachen übersetztes und
worden - und zwar nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland. 3 bis heute im Islamregal jeder größeren Buchhandlung ausliegendes Buch "Allahs
Bemerkenswert ist Gouguenheims Polemik aber noch aus einem weiteren Sonne über dem Abendland" mit einer Gesamtauflage von angeblich über einer
Grund. Er belässt es nämlich nicht bei der bloßen Zurückweisung, sondern sucht Million Exemplaren zu den erfolgreichsten populärwissenschaftlichen Publikatio-
vielmehr nach den Quellen und Motiven der seiner Ansicht nach unzutreffenden nen über die arabische Welt überhaupt. 8 Wegen ihrer vermeintlich vorurteilslosen
und verhängnisvollen Behauptung, die europäische Kultur der Neuzeit beruhe auf Darstellung war die Autorin auch ein offenkundig gern gesehener Gast in arabischen
arabischen Grundlagen. Fündig glaubt er schließlich bei der deutschen populärwis- Ländern und wurde 1988 in Ägypten sogar mit dem nationalen Preis für Kunst und
senschaftlichen Kultur- und Religionshistorikerin Sigrid Hunke (1913-1999) gewor- Wissenschaft ausgezeichnet. Noch heute wird sie zudem in manchen islamischen
den zu sein, deren Bücher zur arabischen Geschichte und Kultur sich Gouguenheim Kreisen als wahrhaftige Freundin des Islam gepriesen. 9 Ob und inwieweit in der
zufolge gerade bei der französischen Linken großer Beliebtheit erfreuten. 4 Das arabisch-islamischen Rezeption der einschlägig rechtsextreme Hintergrund der
Pikante daran ist, dass die vom Autor als "ramie d'Himmler" bezeichnete Sigrid Hunke Autorin bekannt war und ist, lässt sich kaum beurteilen, zumal in "Allahs Sonne"
eine agile, in zahlreiche Netzwerke der extremen Rechten eingebundene Ideologin ihre eigene "heidnische" Präferenz nur mittelbar präsent ist. Im Folgenden soll
mit nationalsozialistischem Hintergrund war. 5 Bekannt wurde sie in diesen Zusam- hingegen gezeigt werden, dass auch das Araber- und Islambild Hunkes keineswegs
menhängen vor allem durch ihre Konstruktion eines ureuropäischen Heidentums in als vorurteilsfrei zu bezeichnen ist, sondern sich im Wesentlichen aus stereotypen
"Europas eigene Religion" (1969) - ein Konzept, das insbesondere von der französischen Zuschreibungen der deutschen Orientromantik zusammensetzt und seinen Hinter-
Nouvelle Droite rezipiert worden ist. 6 Zudem kann sie als ideologische Vorreiter in grund eindeutig in der völkisch-antisemitischen Weltanschauung aus dem ersten
Drittel des 20. Jahrhunderts hat. Hierfür gilt es, ihre neuheidnischen und arabo-
philen Publikationen aufeinander zu beziehen - also "Allahs Sonne" im Lichte von
Beispiele aus Frankreich werden in der Protestnote erwähnt (vgl. Anm. 1). Vgl. für Deutschland die "Europas eigener Religion" zu lesen und vi ce versa.
Besprechung "Der Westen schnldet dem Islam nichts" auf der notorisch islamfeindlichen Homepage
Political Incorrect (http://www.pi-news.net/2008/ 05/ der-westen-schuldet-dem -islam-nichts/, eingese-
hen am 30. 4. 2009). Vgl. zu diesem Spektrum Yasemin Shooman, Islamfeindschaft im World Wide Vgl. hierzu Jan Riebe, Im Spannungsfeld von Rassismus und Antisemitismus. Das Verhältnis der
Web, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 17 (2008), S. 69-96. deutschen extremen Rechten zu islamischen Gruppen, Marburg 2006; ferner George Michael,
4 Vgl. Gouguenheim, Aristote au Mont-Saint-Michel, S. 203-206. The Enemy of my Enemy. The Alarming Convergence of Militant Islam and the Extreme Right,
Hunke war lange die zentrale Figur der Deutschen Unitarier Religionsgemeinschaft und engagierte sich Lawrence 2006; Michael Whine, Eine unheilige Allianz. Internationale Verbindungen zwischen
dann in dessen Abspaltung Bund deutscher Unitarier. Zudem gehärte sie zum Kasseler Thule-Semi- Rechtsextremismus und Islamismus, in: Thomas Greven/Thomas Grumke (Hrsg.), Globalisierter
nar, einer Organisation, die als Ableger der französischen Nouvelle Droite gilt. Vgl. Jens Mecklenburg Rechtsextremismus? Die extremistische Rechte in der Ära der Globalisierung, Wiesbaden 2006,
(Hrsg.), Handbuch deutscher Rechtsextremismus, Berlin 1996, S. 378 ff.; Renate Bitzan (Hrsg.), Rechte S.181-202.
Frauen. Skingirls, Walküren, Feine Damen, Berlin 1997, S. 256 ff. V gl. Sigrid Hunke, Allahs Sonne über dem Abendland. Unser arabisches Erbe, Frankfurt a. M. 1990. Das
6 V gl. Sigrid Hunke, Europas eigene Religion. Der Glaube der Ketzer, Bergisch-Gladbach 1981. Ursprüng- Buch erscheint seit 1965 im Fischer-Taschenbuchverlag.
lich erschienen als Hunke, Europas andere Religion. Die Überwindung der religiösen Krise, Düssel- Vgl. etwa die Literaturempfehlungen der Islamischen Hochschulgemeinde Hamburg (http://www.
dorf/Wien 1969. Da die beiden Texte geringfügig voneinander abweichen, wird im Folgenden unter ihg-net.de/cms/fronCcontent.php?idcat=415&idart=514, eigesehen am 30. 4. 2009) oder der Islamischen
Hinzufügung der Jahreszahl zitiert. Vgl. hierzu grundlegend: Horst Junginger, Sigrid Hunke. Europe's Gemeinschaft Oberhausen (http://www.dzemat-oberhausen.de/pages/auf-deutsch/islam-allgemein/
New Religion and its Old Stereotypes, in: Hubert Cancik/Uwe Puschner (Hrsg.), Antisemitism, allah-ist-ganz-anders-sigrid-hunke.php, eingesehen am 30. 4. 2009). Auch von Abdul Hadi Christian
Paganism, Voelkisch Religion/Antisemitismus, Paganismus, völkische Religion, München 2004, S. 151- H. Hoffmann, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Muslimischen Akademie in Deutschland, wird
162. Beispielhaft für die Rezeption in der Nouvelle Droite: Alain de Benoist, Heide Sein. Zu einem neuen Hunkes Buch empfohlen. Vgl. Abdul Hadi Christian H. Hoffmann, Tajdid: Islam und Erneuerung _
Anfang. Die europäische Glaubensalternative, Tübingen 1982. Zu diesen Zusammenhängen Miro Muslime und Luther (http://www.abd-al-hadi-publications.com/aufsatz2000.pdf. eingesehen am 30. 4.
Jennerjahn, Neue Rechte und "Heidentum". Zur Funktionalität eines ideologischen Konstrukts, Frank- 2009); ders., Muslims in Germany. The struggle for Integration (http://www.abd-al-hadi-publications.com/
furt a. M. 2006. muslimsI996.pdf; eingesehen am 30.4.2009).
894 FELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 895
Rassenseelenkunde und Neuheidentum Titel "Wandel des Vorbildes als völkische Gefahr" erscheinen sollte, war ganz diesem
Ansatz verpflichtet.!3 Durch Anwendung der Rassenseelenkunde auf die höfische Dich-
Die 1913 in Kiel als Tochter des Verlagsbuchhändlers Heinrich Hunke geborene Sigrid tung des Mittelalters versuchte sie aufzuzeigen, wie ein angeblich ursprünglich gleich-
Hunke war von Hause aus weder Orientalistin noch Historikerin, sondern hatte berechtigtes "Nebeneinander" zwischen den Geschlechtern im germanischen Norden
Psychologie, Philosophie, Zeitungswissenschaft, Volkskunde und Germanistik studiert. während des Mittelalters durch "artfremde" Einflüsse einer patriarchalen Unterordnung
Eigenen Angaben zufolge engagierte sie sich bereits während des Studiums an "führen- und Abwertung der Frau gewichen sei (diese These gehörte zu den Standardfiguren
den Stellen" im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) und trat im Diskurs des sogenannten völkischen Feminismus der 1920er- und 193 0 er-Jahre).14
1937 in die NSDAP ein. lO Eindeutig war zudem ihre Absicht, die nationalsozialistische Herrschaft historisch zu
Ihr wichtigster akademischer Lehrer, bei dem sie auch promovierte, war der zu den legitimieren, behauptete sie doch, dass "eine kontinuierliche Linie sich vom frühgerma-
bekanntesten Rassenkundlern der 1920er- und 1930er-Jahre gehörende Rassenpsycho- nischen Mannesideal bis in unser heutiges Führerbild zieht".15 In einer "politische[nJ
loge Ludwig Ferdinand Clauß (1892-1974).1l Dessen "Rassenseelenkunde" hat denn Schluss betrachtung" forderte sie schließlich die radikale "Reinigung deutschen Lebens
auch in sämtlichen Publikationen Hunkes nachhaltige Spuren hinterlassen. Der zen- von fremden Vorbildern" und propagierte die Rückkehr der Deutschen zu ihren
trale Aspekt dieser Lehre bestand darin, Rassen nicht nach körperlichen Merkmalen, "nordischen" Ursprüngen: "Wenn wir aus dieser Erkenntnis, dass deutsche Geschichte
sondern nach seelischen "Artgesetzen" einzuteilen. Zur Beschreibung dieser "Gesetze'~ nur deutsch sein kann, solange sie vom nordischen Stil bestimmt ist, nordische Art und
die dann die Rassen konstituierten, rekurrierte Clauß auf zahlreiche aus der Ästhetik nordisches Gewissen unserem Wollen und Handeln als Maß setzen und das Gesamte
entlehnte Begriffe wie "Stil", "Ausdruck" und "Gestalt", von denen auch Hunke reichlich völkische Leben vom Fremden reinigen, dann müssen wir auch alle Ecken und Winkel
Gebrauch machen sollte. Große Betonung legte er zudem auf den scheinbar wertfreien säubern und dürfen kein Gebiet, keinen Lebensbereich übergehen oder mit Einzelnen
Charakter seines Ansatzes, fungierten die einzelnen Rassen hier doch als irreduzible einen Kompromiß schließen."16
Entitäten, was die Einnahme eines universalistischen, "überartlichen Maßstabes der In ihrer Dissertation hatte es Hunke vorwiegend auf romanisch-französische Ein-
Werte" von vornherein ausschloss. Entscheidend war dabei freilich die Fixierung auf 11 üsse abgesehen, und diese antifranzösische Stoßrichtung durchzog ihre Texte bis in die
die Reinheit der Rassen und das damit verbundene Ideal einer rassisch segregierten 1980er-Jahre. Offenbar aber plante sie bereits 1940, sich innerhalb eines umfassenderen
Welt. Die Rassenseelenkunde sah Rassenreinheit ferner nicht erst durch biologische Projektes über "Rasse und Vorbild in Deutschland" des verhängnisvollen "vorderasia-
Mischung als gefährdet an, sondern bereits durch die zu seelischer "Artverzerrung" lischen" Einflusses auf das deutsche Volk anzunehmen, wie er sich "in Christentum
und völkischem Verfall führende Orientierung an "artfremde[nl Vorbilder[n]".12 lind Judentum" manifestiert habeY
Hunkes 1940 abgeschlossene Dissertation über "Herkunft und Wirkung fremder Umsetzen konnte sie dieses Vorhaben aber erst in ihren Nachkriegsschriften.
Vorbilder auf den deutschen Menschen", die ursprünglich unter dem bezeichnenden Dabei kombinierte sie die radikale Kritik des Christentums nun mit einer "positiven"
Rekonstruktion des vorchristlichen Heidentums. In der erwähnten programmatischen
10 V gl. Hunkes eigene Angaben in einern Schreiben an die Lehr- und Forschungsgemeinschaft "Das
Ahnenerbe" vorn 21. 3. 1940, Bundesarchiv Berlin (BArchB), Das Ahnenerbe, NS 21/360. I) Vgl. Sigrid Hunke, Herkunft und Wirkung fremder Vorbilder auf den deutschen Menschen. Inaugural-
11 Vgl. zu Clauß Peter Weingart, Doppel-Leben. Ludwig Ferdinand Clauss: Zwischen Rassenforschung Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-
und Widerstand, Frankfurt a. M. 1995, sowie die berechtigte Kritik an dieser Darstellung von Kirstin Universität zu Berlin, Berlin 1941 (unveröffentlicht). Zweitgutachter der Arbeit war der auf höfische
Breitenfellner, Zwischen Opportunismus und Widerstand. Ludwig Ferdinand Clauß: Zur Biographie ei- Dichtung spezialisierte Germanisi und Volkskundler Julius Schwietering (1884-1962). Mit Unterstüt-
nes deutschen Rassentheoretikers, in: dies./Charlotte Kohn-Ley (Hrsg.), Wie ein Monster entsteht. Zur zung des Ahnenerbes sollte das Buch im Verlag Kohlhammer erscheinen; offenkundig aber scheiterte
Konstruktion des Anderen in Rassismus und Antisemitismus, Bodenheim 1998, S. 181-215. Ergänzend
die Drucklegung während des Krieges an der Freigabe der nötigen Papiermenge. V gl. die entsprechende
muss hinzugefügt werden, dass die Ehrung als "Gerechter unter den Völkern'~ die Clauß in der is- Korrespondenz vom Frühjahr '94', BArchB, NS 21/360, E/11/H I 9.
raelischen Holocaust -Gedenkstätte Yad Vashem zuteil geworden war, weil er seine jüdische Assistentin
I I Hunke, Herkunft und Wirkung, S. 4 f. V gl. zu Begriff und Phänomen des völkischen Feminismus
versteckt hatte, 1996 revidiert worden ist.
grundlegend Christiane Streube!, Radikale Nationalistinnen. Agitation und Propaganda rechter Frauen
12 Ludwig Ferdinand Clauß, Rasse und Seele. Eine Einführung in die Gegenwart, München '926, S. 109. in der Weimarer Republik, Frankfurt a_ M_ 2006, bes. S. 54-67.
Vgl. auch die überarbeitete Fassung: Rasse und Seele. Eine Einführung in den Sinn der leiblichen ,.; So Hunke in ihrem Schreiben an das Ahnenerbe vorn 21. 3. '940 (wie Anm. 10).
Gestalt, Berlin 1938. Entgegen einer in der Rechtsextremismnsforschung geläufigen Auffassung stellen 1 (I Bunke, Herkunft und Wirkung, S. 159.
also Positionen, die heute als "Ethnopluralismus" bezeichnet werden, keinesfalls Innovationen einer
I," Vgl. Hunkes Schreiben an das Ahnenerbe VOll121. 3- 1940 (wie Annl. 10). Hierin bittet sie die SS-Stiftung
sogenannten Neuen Rechten seit den 1960er-Jahren dar. um ein entsprechendes Forschungsstipendium. Zum Begriff des Vorderasiatischen siehe unten.
896 FELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 897
Abhandlung "Europas eigene Religion" vollzog sie zudem - zumindest dem Titel nischen - vormonotheistischen - Wurzeln auf die Fahnen geschrieben hat, dazu,
nach - eine begriffliche Ausweitung und rekurrierte nunmehr auf ein vermeintlich sich positiv auf die arabisch-islamische Welt zu beziehen? Mit anderen Worten, wie
gesamteuropäisches Erbe. Damit trug sie zweifellos zur Modernisierung älterer verhält sich die neuheidnische Ideologie zur Arabophilie?
völldscher Religionsentwürfe bei, die allein schon aufgrund ihres überwiegenden
Germanozentrismus außerhalb des deutschsprachigen Raumes nur schwer vermit-
telbar waren. Ihre weitgehend synonyme Verwendung der Begriffe "europäisch" Der arabische Einfluss in Europa und der völkische Antikolonialismus
und "germanisch" macht aber deutlich, dass es sich hier im Grunde lediglich um
eine in der nationalsozialistischen Eu::opa-Ideologie der letzten Kriegsjahre bereits Zweifellos liegt es nahe, in diesem Zusammenhang zunächst aufHunkes Ablehnung des
anklingende begriffliche Kosmetik handelte, wie sie nach 1945 von vielen ehemaligen Christentums zu verweisen. So vermutet Gouguenheim sicherlich nicht zu Unrecht,
Angehörigen der NS-Elite vollzogen wurde. 1B Zudem hielt Hunke diese Sprach- ihr Interesse für die arabische Welt sei vorrangig durch die antichristliche Einstellung
regelung auch selbst nicht konsequent durch bezeichnenderweise rekurrierte sie inspiriert worden und habe lediglich auf der Möglichkeit basiert, die arabisch-islami-
in einschlägigen Passagen weiterhin vornehmlich auf das "Germanische" und hat sche gegenüber der christlich-abendländischen Kultur als positiven Gegenentwurf zu
auch die antifranzösischen Stereotype niemals überwunden. präsentieren. 21 Tatsächlich vertrat Hunke in "Allahs Sonne über dem Abendland" ein
Das erklärte Ziel von "Europas eigene Religion" bestand im vermeintlichen dem konservativen Mediävisten gegenüber genau entgegengesetztes Geschichtsbild:
Nachweis, dass es in Europa "von jeher außer der christlichen Religion eine andere Kurz gesagt, beabsichtigte sie mit der Abhandlung nachzuweisen, dass die europäi-
Religion gegeben" habe, die sie aus den Aussagen der europäischen "Ketzer" und sche Kultur der Neuzeit weniger auf mittelalterlich-christlichen denn auf arabischen
Renegaten zu rekonstruieren gedachte. Erkennbar in der Tradition des völkisch- Grundlagen basiere und sich die Rolle der Araber bei der Vermittlung des antiken
religiösen Denkens aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vermischte sie in Wissens auch keineswegs auf die Funktion von bloß passiven Kopisten beschränkt
einem geistesgeschichtlichen Parforceritt von Meister Eckhart und Giordano Bruno habe. Demgemäß besteht das Buch im Wesentlichen aus exemplarischen Beschrei-
über Kant, Goethe und Nietzsche zu Berdjajew und Teilhard de Chardin die unter- bungen arabischer Adaptionen in der europäischen Wissenschaft und Kultur, für die
schiedlichsten Figuren der europäischen Geistesgeschichte zu Kündern einer ur- sie "dem Araberturn einen längst geschuldeten Dank abstatten" wollte. Aus Gründen,
europäischen, "heidnischen" Tradition. 19 Im Zentrum von Hunkes Religionsentwurf von denen noch die Rede sein wird, hielt sie jedenfalls eindeutig das arabische "Vor-
stand schließlich ein pantheistischer "Unitarismus" - die angeblich zum Wesen des bild" für wesentlich weniger verhängnisvoll als das westeuropäisch-französische oder
europäischen Denkens gehörende "Einheit von Glauben und Wissen". Demgegen- gar das christlich-dualistische. Dabei betonte sie allerdings stets, dies bedeute weder,
über repräsentierte das Christentum ein in Europa ursprünglich gänzlich fremdes in die alte (von altvölkischen Autoren vehement kritisierte) Vorstellung des ex oriente
"dualistisches Vorbild": Während nämlich das Christentum Mensch und Gott, Dies- lux zurückzufallen noch "den Eigenwuchs und die kulturgestalterische Kraft der
seits und Jenseits radikal voneinander trenne, basiere der heidnische Unitarismus germanischen und romanischen Völker" zu schmälern: Diese hätten vielmehr "von
Ureuropas auf einer fundamentalen Einheit von Mensch, Natur und Gott (indes Fremdem" genommen, "um mit ihm sich selbst zu verwirklichen".22 Die hier zum
weist freilich gerade ihre eigene Konstruktion mit ihrer dichotomen Ausspielung Ausdruck gebrachte Vorstellung eines durch den arabischen Einfluss in Gang gesetz-
von Unitarismus und Dualismus, Heidentum und Christentum eine fundamental ten europäischen Identitätsbildungsprozesses kann schließlich als zentrales Motiv für
dichotome Struktur auf).20 Wie aber, so fragt man sich, kommt eine Autorin, die ihr Interesse an der ganzen Thematik gelten. In diesem Zusammenhang gebrauchte
sich die Überwindung des Christentums in Europa und die Rückkehr zu den heid- Formulierungen, wonach "jedes Volk" das aus der Fremde "Ergriffene" nach dem je-
weiligen "inneren Gesetz" und "Stil" zu dem "ihm Wesensmäßigen" zu formen und zu
18 Vgl. hierzu u. a. die Beiträge in: Wilfred Loth/Bernd-A. Rusinek (Hrsg.), Verwandlungspolitik. NS-Eli- gestalten habe, zeigen zudem eindeutig, inwieweit Hunke weiterhin der Clauß'schen
ten in der westdeutschen Nachlaiegsgesellschaft, Frankfurt a. M./New York 1998. Rassenseelenkunde verhaftet blieb. 23
'9 Hunke, Europas eigene Religion (1981), S. 11. Vgl. zum völkisch-religiösen Denken grundlegend die
Beiträge in Stefanie von SchnurbeinlJustus H. Ulbricht (Hrsg.), Völkische Religion und Krisen der 21 Vgl. Gouguenheim, Aristote au Mont-Saint-Michel, S. 204.
Moderne. Entwürfe "arteigener" Glaubenssysteme seit der Jahrhundertwende, Würzburg 2001; Horst 22 Hunke, Allahs Sonne, S. '5. Vgl. zur völkischen Kritik des ex oriente Lux lngo Wiwjorra, Der Germa-
Junginger (Hrsg.), 1he Study ofReligion under the Impact ofFascism, Leiden/Boston 2008. nenmythos. Konstruktion einer Weltanschauung in der Altertumsforschung des '9. Jahrhunderts,
20 V gl. Hunke, Europas eigene Religion (981), bes. S. 399-411; ferner Sigrid Hunke, Glauben und Wissen. Darmstadt 2006, bes. S. 80-95.
Die Einheit europäischer Religion und NaturWissenschaft, Hildesheim u. a. 1987- 23 Hunke, Glauben und Wissen, S. 1II, '94.
898 FELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 899
Die heraufbeschworene europäische Selbstfindung war für Hunke dabei gleichbe- Kolonialinteressen ist gerade für den deutschen Kontext auf die zentrale Bedeutung
deutend mit einer Überwindung des christlich-dualistischen Mittelalters und - in "Allahs romantischer Imaginationen und Identifikationen hingewiesen worden. 28 Dabei lie-
Sonne" eher unausgesprochen - einer Anknüpfung an das vorchristliche Erbe Europas. fen in der deutschen Orientromantik nicht selten religions- und zivilisationskritische
In diesem Sinne, so die Autorin, habe der arabische Einfluss die Wirkung "unzählige[r] Figuren mit antiwestlichen Ausspielungsmustern einher und waren in entsprechende
Stromstöße"24 auf einen in christlicher Narkose liegenden Kontinent gehabt und immer nationale Identitätskonstruktionen eingebunden. Insbesondere als nach dem Ersten
schon vorhandene Dispositionen zu neuem Leben erweckt: "Der Anstoß, den Europa Weltkrieg eine eigenständige deutsche Orientpolitik nicht mehr möglich schien,
durch die arabische Wissenschaft empfing, erweckte die eigenen Anlagen und befähigte manifestierte sich dies vielfach in einer dezidierten Kritik der europäischen - d. h. im
es, sich von den als fremd empfundenen Fesseln, vom herrschenden Dualismus und sei- Wesentlichen der britisch-französischen - Kolonialpolitik im Orient. 29
nem autoritär-dogmatischen Ansprüchen, freizumachen [... ] und in mühsamer, immer Dieselbe Melange aus Orientromantik, antiwestlichen Ressentiments und Kritik
wieder von geistlicher Bevormundung und lebensgefährdender Verfolgung gehinder- am Kolonialismus der Anderen lässt sich auch an Hunkes Texten über die arabische
ten Selbstverwirklichung zum eigenen Ausdruck und zur selbständigen Gestaltung und Welt aus den 1960er- und 1970er-Jahren zeigen. Dabei speiste sich ihre Ablehnung der
Leistung aus eigener Kraft zu finden."25 fortbestehenden kulturellen und wirtschaftlichen Dominanz des Westens auch we-
Die im Grunde genommen ja ebenfalls recht instrumentelle Funktion, die der ara- niger aus ethischer Kritik an postkolonialen Machtstrukturen als aus einem völkisch
bischen Kultur in diesem Mythos von der Wiedergeburt der ureuropäischen Einheit grundierten Relativismus und Antiuniversalismus. An diesem Punkt konnte sie sich
von Glauben und Wissen zufällt, unterscheidet sich mithin nicht sonderlich von der wiederum maßgeblich an ihrem Lehrer Clauß orientieren, von dem sie überdies wohl
von ihr so vehement kritisierten angeblichen Schulmeinung, welche die Araber zu auch den ersten Anstoß erhalten hatte, sich überhaupt für die Araber und den Islam zu
bloß passiven Trägern und Übermittlern des antiken Wissens reduziere. Dabei prä- interessieren: Clauß war ein einflussreicher rassenkundlicher Orientexperte gewesen
sentierte sich Hunke in dieser Frage stets als Kämpferin gegen ein "man", d. h. gegen LInd trat bis in die 1960er-Jahre als Autor zahlreicher Publikationen über die Region
die vermeintlich orthodoxe Borniertheit "der" europäischen Historiker und Intellek- hervor. Dabei konnte er sich auf Materialien stützen, die er Ende der 192oer-Jahre
tuellen, die weiterhin traditionellen christlichen Vorurteilen gegenüber der arabischen während eines vierjährigen Aufenthalts im Nahen Osten, vornehmlich in Palästina
Welt verhaftet blieben. 26 Die Pose des Tabubruchs und die holzschnittartige Über- LInd in Transjordanien, selbst gesammelt hatte. In seinem hochromantischen Reise-
zeichnung von Positionen, die man ablehnt, gehört freilich zu den herkömmlichen bericht lässt sich nachlesen, wie er die meiste Zeit davon "Als Beduine unter Bedui-
Strategien des publizistischen Geschäfts. Insofern sich Hunke mit diesem Vorwurf nen" in der transjordanischen Wüste verbracht haben will, um die "Semiten der Wüste
aber tatsächlich selbst in einer breiteren Deutungstradition bewegte, können ihre unter sich" zu studieren. 3o Schließlich zeigte er sich zeitlebens äußerst angezogen von
Ansichten zudem auch kaum Originalität beanspruchen: So gehörte die Zurückwei- seinem Gegenstand: Als seine Hoffnungen auf ein "nordisches" Deutschland nach
sung von tatsächlichen oder vermeintlichen Vorurteilen in Kombination mit einer 1945 zerstoben waren, avancierte die arabisch-islamische Welt nicht nur zu seinem
Romantisierung anderer Kulturen immer schon zu den zentralen Motiven der euro- persönlichen Refugium - vielmehr sah der bereits in den 192oer-Jahren zum Islam
päischen Religions- und Zivilisationskritik. Auch die Orientromantik kann auf eine konvertierte Rassenpsychologe in einer Renaissance des Islam gar den einzigen Weg
beinahe ebenso lange Geschichte verweisen wie jene negativen und stereotypenbela-
,<8 VgL grundlegend Andrea Polaschegg, Der andere Orientalismus. Regeln deutsch-morgenländischer
denen europäischen Repräsentationen, für die sich im Anschluss an Edward Said der
Imagination im 19. Jahrhundert, Berlin/New York 2005. Ferner Andrea Fuchs-Sumiyoshi, Orientalismus
Begriff des "Orientalismus" eingebürgert hat. z7 Im Unterschied zur westeuropäischen
in der deutschen Literatur. Untersuchungen zu Werken des 19. und 20. Jahrhunderts VOn Goethes West-
Tradition mit ihren eher negativ gefärbten Deutungsmustern und starkem Bezug auf östlichen Divan bis Thomas Manns joseph-Tetralogie, Hildesheim 1984; Ludwig Ammann, Östliche
Spiegel. Ansichten vom Orient im Zeitalter seiner Entdeckung durch den deutschen Leser 1800-185°,
24 Sigrid Hunke, Morgenland und Abendland. Einflüsse ans dem Orient, in: Dentschland. Portrait einer Hildesheim 1989; Nina Berman, Orientalismus, Kolonialismus und Moderne. Zum Bild des Orients
Nation. Bd. 1: Geschichte, Gütersloh 1985, S. 81-84, hier S. 84. in der deutschsprachigen Kultur um 1900, Stuttgart 1997, sowie die Beiträge in Klaus-Michael Bogdal
25 Hunke, Glauben und Wissen, S. 194. (Hrsg.), Orientdiskurse in der deutschen Literatur, Bielefeld 2007-
26 V gl. bes. Sigrid Hunke, Allah ist ganz anders. Enthüllungen von 1001 Vorurteilen über die Araber, Bad '8 V gl. hierzu die instruktive Darstellung von Suzanne Marchand, German Orientalism in the Age of
König 1990. Empire. Religion, Race and Scholarship, Cambridge 2009,
27 Vgl. Edward Said, Orientalism, London 2003; zur fundierten Kritik dieses Ansatzes grundlegend ',0 VgL Ludwig Ferdinand Clauß, Als Beduine unter Beduinen, Freiburg 1933; später um zwei rassen-
Robert Irwin, Dangerous Knowledge. Orientalism and its Discontents, Woodstock/New York 2006; theoretische Kapitel erweitert erschienen als Ludwig Ferdinand Clauß, Semiten der Wüste unter sich.
Daniel Martin Varisco, Reading Orientalism. Said and the Unsaid, Seattle/London 2007- Miterlebnisse eines Rassenforschers, Berlin 1937-
900 FELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 901
zur Überwindung des westlichen Materialismus und der verhängnisvollen Technisie- Araber und Germanen
rung der Welt. Bereits in den 1920er-Jahren hatte er den britischen Kolonialismus im
Orient als Angriff auf das "artrechte Stilbewußtsein der morgenländischen Menschen" Die Konstruktion eines beiderseitigen vormonotheistischen Wesenskerns von Arabern
scharfkritisiert und geißelte nun vehement die Adaption der westlichen Kultur in der und (germanischen) Europäern zeigt zudem, dass sich Hunkes Rekurs auf die Araber
arabischen Welt. 31 und den Islam nicht allein auf antichristliche und antiwestliche Polemik zurückführen
Diese Position, die man vor dem Hintergrund des rassistischen Ideals einer lässt. Über den ausgemachten gemeinsamen Gegensatz der arabischen und germani-
radikal segregierten Welt als völkischen Antikolonialismus bezeichnen kann, war schen Welt zu Christentum und westlichen Werten hinaus - also einem rein negativen
schließlich auch ein zentrales Element in Hunkes Publikationen. Anders als ihr anglo- ßezug - spekulierte sie denn auch über positive "Gemeinsamkeiten oder Ähnlichkeiten
phober Lehrer verknüpfte sie diese Haltung vorwiegend mit antifranzösischen in den Denkstrukturen".35 Auch an diesem Punkt bewegte sie sich in einer älteren
Ressentiments, was wohl nicht zuletzt mit ihren vornehmlich nordafrikanischen Deutungstradition, lassen sich doch entsprechende Analogiebildungen zwischen his-
Kontakten zu tun hatte. Nach ihrer Heirat mit dem Diplomaten Peter H. Schulze torischen Arabern und Germanen bis in die Zeit der Romantik zurückverfolgen.
hatte sie zwischen 1942 und 1944 in Marolc.lzo gelebt; später befasste sie sich dann Demnach verkörperten beide die schöpferische Kraft "junger Völker", die aus von der
vornehmlich mit Algerien und beschrieb enthusiastisch, wie das Land nach Jahren Natur benachteiligten Regionen erobernd vorgestoßen seien und die dekadenten
französischer Entfremdung den Weg zurück zu den arabischen Wurzeln angetreten Zivilisationen der Antike überrannt hätten. 36
habe. 32 Anders jedoch als Clauß, der in seinen Nachkriegsschriften die nationalis- Von diesem Argumentationsmuster hatte bereits Clauß hinlänglich Gebrauch
tischen Regimes der Region aus einer dezidiert islamischen Perspektive heraus als gemacht und eine Art Seelenverwandtschaft zwischen Germanen und Arabern konstru-
Apostasie geißelte und sich damit interessanterweise ideologisch dem entstehenden iert. Seine dabei geprägten Figuren tauchen schließlich bei Hunke ungebrochen wieder
islamischen Fundamentalismus annäherte,33 setzte Hunke ganz auf den sich gerade ~lUf. Ihr in dieser Hinsicht maßgebliches Buch "Kamele auf dem Kaisermantel" aus dem
auf seinem Zenit befindenden arabischen Nationalismus_ In diesem Sinne hatte sie Jahr 1976 behandelt entsprechend die "Sternstunden freundschaftlicher Begegnung"
bereits in "Allahs Sonne" betont, viele der größten Leistungen der arabischen Kultur zwischen Deutschen und Arabern seit dem frühen Mittelalter. Wichtig ist in diesem
und Wissenschaft seien "gerade im Protest gegen den orthodoxen Islam entstan- Zusammenhang freilich, dass es weder Clauß noch Hunke um eine Differenz auflösende
den", und dabei auch unterschwellig ihrer eigene neopagane Präferenz zu erkennen [dentität oder gar die Konstruktion ethnischer Verwandtschaft ging, sondern um die
gegeben: "Ja, vieles, was die Eigenart dieser Geisteswelt ausmacht, ist im Charakter Erstellung von Analogien und Parallelen: Das Primat der Rassendifferenz und das anti-
des Arabers der vorislamischen Zeit bereits angelegt".34 Demnach wies Hunke also universalistische Ideal einer segregierten Welt blieben gewahrt. Im Mittelpunkt standen
dem authentisch Arabischen ebenso heidnische Wurzeln zu wie dem authentisch demnach für Hunke "gewisse Züge im Wesen der Araber und der Deutschen, die bei
Germanisch- Europäischen. aller rassischen Verschiedenheit einen einmaligen Gleichklang und Zusammenhang
hervorbrachten".37 Der arabische Orient, so ließe sich formulieren, erscheint in Hunkes
Modell zwar als ein rassisch und kulturell "Anderes", nicht jedoch als ein Verständnis
3' Clauß, Erziehung und Artung im Morgenlande, in: Zeitschrift für Menschenkunde. Blätter für Cha-
und Freundschaft ausschließendes oder bedrohliches "Fremdes".38 Schließlich stellte sie
rakterologie und angewandte Psychologie 4 (1923), S. 1-11, hier S. 10 f. Vgl. zu Clauß' Orientbild Felix
Wiedemann, Der doppelte Orient. Zur völkischen Orientromantik des Ludwig Ferdinand Clauß, in: die germanisch-arabische Freundschaft gar als eine rassisch bedingte Besonderheit dar,
Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 61 (2009), S. 1-24.
32 Vgl. Sigrid Hunke, Wiederfinden der algerischen Persönlichkeit, in: Zeitschrift für Kulturaustausch. 35 Hunke, Glaube und Wissen, S, '90,
Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart 20 (1970), S, '30 ff,; biografische Angabe bei Bitzan, Rechte 36 Vgl. zu den Analogien von Arabern und Germanen Georg Staudt, Islam und westlicher Rationalismus.
Frauen, S, 256 ff, Der Beitrag des Orientalismus znr Entstehung der Soziologie, Frankfurt a, M./New York 1993, S, 101-121;
33 V gl. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Weltstunde des Islams, Schweinfurt 1963. Die nach seinen letzten Richard Heig!, Wüstensöhne und Despoten, Das Bild des Vorderen Orients in deutschsprachigen Welt-
Orient-Reisen veröffentlichten Texte deuten jedoch darauf hin, dass er an1 Ende auch in der arabisch- geschichten des '9. Jahrhunderts, Regensburg 2000, S. 73 ff,
islamischen Welt die Entfremdung nnd Verwestlichung für unumkehrbar hielt. VgL Clauß, Die Krise
37 Sigrid Hunke, Kamele auf dem Kaisermantel. Deutsch-Arabische Begegnungen seit Kar! dem Großen,
des Mitlebens, in: Jahrbuch für Psychologie, Psychotherapie und medizinische Anthropologie '3 ('965), Stuttgart 1976, S, 11, 176 (Neuauflage: Sigrid Hunke, Die Orientierung, Sternstunden deutsch-arabischer
S, 92-110; Clauß, Menschsein auf Türkisch, in: Jahrbuch für Psychologie, Psychotherapie und medizini- Begegnung, Stuttgart 1993),
sche Anthropologie 16 ('968), S, 67-104. 33 Vgl. die instruktive Differenzierung zwischen Alteritäts- und Fremdheitsfiguren bei Andrea Polaschegg,
34 Hunke, Allahs Sonne, S, '4, Der andere Orientalismus, bes, S, 39-62,
902 FELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 903
von der andere Völker explizit ausgenommen wurden: "Zwischen Arabern und Euro- antirömische Ressentiments zu verknüpfen. 41 Sehr deutlich durfte sie ihre entsprechen-
päern gab es bei aller tiefen stilhaften Verschiedenheit doch entsprechende Züge des den Ansichten 1985 in einem Beitrag für den Band "Geschichte" des Bertelsmann-
Denkens, auf deren Basis Verstehen und geistige Anregung möglich wurden. Denn was Lexikons "Deutschland. Portrait einer Nation" zum Ausdruck bringen. Bemerkenswert
sich in Europa an dem fremden Vorbild entzündete, lag hier ja lange bereit. Lange vor war hier vor allem, dass sie die Franzosen mit jenen Attributen - religiöser Fanatismus,
ihrer ersten Begegnung gab es gewisse Eigentümlichkeiten im Wesen der Araber und ekstatischer Wahn und unkontrollierte Heißblütigkeit - versah, die zu den klassischen
Europäer, die trotz ihrer rassischen Unterschiede einen überraschenden Gleichklang negativen Zuschreibungen des europäischen Orientdiskurses gehörten,42 und auf diese
hervorbrachten, wie ihrer die Verhältnisse zu anderen Völkern entbehren. Ohne die je- Weise von den als vernünftig, nüchtern und kontrolliert präsentierten Deutschen (und
weiligen rassischen Eigentümlichkeiten und Bewußtseinsstrukturen zu übersehen oder implizit auch Arabern) abgrenzte: "Die Kreuzzüge, die vom französischen Papst vor
verwischen zu wollen, läßt sich feststellen, dass beide Völker aus ihrer eigenen Wesens- französischen Geistlichen und Rittern verkündet und vorwiegend von Franken in
mitte und unabhängig voneinander bestimmte ähnliche Auffassungsmuster entwickelt ekstatischem Taumel aufgefangen und geführt wurden, um bald das westliche Europa
haben, die jedoch keineswegs insgesamt den Völkern Osteuropas, des ursprünglichen mitzureißen, sie sind nicht Sache des Reiches [... J. Die kühle Haltung der Deutschen,
Griechenland, noch den Völkern des Nahen und Fernen Ostens eigentümlich geschwei- von den leicht entflammbaren Franzosen mit Mißtrauen und Verachtung vermerkt,
ge denn ,allgemeinmenschlich' sind."39 bleibt im wesentlichen unverändert. "43
Neben der gemeinsamen rassischen Differenz (zum slawischen Osteuropa bzw. zu Allerdings ließ sich die Existenz deutscher Kreuzfahrer auch nicht gänzlich aus der
anderen Völkern des Orients) war zudem die beiderseitige politische Abgrenzung in Welt schaffen. Aus diesem Grund konstruierte Hunke kurzerhand einen fundamentalen
Richtung Westeuropa bedeutsam: Als zentrales Element arabischer wie deutscher Iden- Gegensatz zwischen deutschen und westeuropäischen Akteuren und unterschied streng
tität - und somit als eigentliche Basis der Freundschaft - fungierte hier schließlich die zwischen deutschen und französischen Ritterorden. Dass sie dabei kolonialer Erobe-
beiderseitige Abgrenzung gegenüber westlichem Denken. In diesem Sinne spielte sie die rung keineswegs grundsätzlich abgeneigt gegenüberstand, belegt zudem ihre positive
deutsch-arabische Seelenverwandtschaft auch stets gegen eine angeblich genuin west- Referenz auf den Deutschen Orden und die mittelalterliche Ostsiedlung - anders näm-
europäische Arabophobie aus, wie sie sich insbesondere in der kolonialen Unterwerfung lich als ihre westeuropäischen Adelsgenossen hätten die deutschen Ritter gewusst, wo
und Ausbeutung des Orients gezeigt habe. Gerade in dieser Hinsicht aber, so Hunke, ihre eigentliche Eroberungsmission gelegen habe: "Ostkolonisierung ja, aber Glaubens-
habe Deutschland eine reine Weste aufzuweisen: "Freilich hat gerade Deutschland fanatismus gegen den fernen Islam ist hier kein Herzensanliegen. "44 Vor allem während
weder am organisierten Glaubenshass noch am Kolonialismus teilgenommen."4o Die der Kreuzzüge selbst sei dann der große Unterschied zwischen dem deutschen Ritter-
weitgehende Nichtbeteiligung des Deutschen Reiches an der kolonialen Beherrschung orden und den französischen Templern und Johannitern offen zutage getreten - eine
der arabischen Welt im Zeitalter des Imperialismus - Folge der späten Nationalstaats- Differenz, die auf "tieferliegende geschichtliche und nationale Unterschiede" schließen
bildung und der politischen Mächtekonstellation im 19. und frühen 20. Jahrhundert - lasse: Während Templer und Johanniter "intolerant bis zum Hass" gewesen seien und
wird hier mithin als Ausdruck einer angeblich tief verwurzelten Freundschaft zwischen sich durch "schonungslose, unnachsichtige Härte" ausgezeichnet hätten, habe der Deut-
Deutschen und Arabern präsentiert. sche Orden mit seinen Idealen der "Ritterlichkeit" eher "den islamischen Grenzkampf-
Eine Schlüsselrolle in ihrem Geschichtsbild nehmen in diesem Kontext die Kreuz- orden", also den Truppen des Gegners, entsprochen. 45 Auch diese Deutungsvariante
züge ein. Als ein vermeintlich allein durch kirchlichen Glaubensfanatismus motivierter
41 Ebenda, S. 5'
Überfall auf eine friedliche arabische Welt mussten ihr diese schon wegen der Möglich-
42 Vgl. zur Geschichte derartiger Figuren u. a. Andreas Pfitsch, Mythos Orient. Eine Entdeckungsreise,
keit, antichristliche Polemik und Araberromantik zu kombinieren, attraktiv erscheinen. Freiburg 2003.
Darüber hinaus fungierte die Epoche der Kreuzzüge als entscheidende historische Re- 43 Sigrid Hunke, Europas Aufbruch ins Heilige Land. Zweihundert Jahre Kreuzzüge, in: Deutschland.
ferenz in ihrer Konstruktion deutsch-arabischer Freundschaft: Im Gegensatz nämlich Portrait einer Nation. Bd. 1, S. 75-80, hier S. 78.
zu den Westeuropäern attestierte sie "den Deutschen" eine nachhaltige "Zurückhaltung 44 Ebenda, S. 78. Vgl. ferner Hunke, Allahs Sonne, S. 256. Zum Mythos der "Ostkolonisierung" Wolfgang
im Kreuzzugsfieber" und verstand es in ihren Ausführungen, antifranzösische und Wippermann, Die Ostsiedlung in der Deutschen Historiographie und Publizistik. Probleme, Methoden
und Grundlinien der Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg, in: Wolfgang Fritze, Germania Slavica.
39 Hunke, Glaube und Wissen, S. '93. Man achte hier auf die ungewöhnliche Bezeichnung von Arabern Bd. 1, Berli1l1980, S. 41-69; Gerd Althoff, Die Beurteilung der mittelalterlichen Ostpolitik als Paradigma
und Europäern als zwei Völker (austatt von mehreren europäischen Völkern zu sprechen), was auf die für zeitgebundene Geschichtsbewertung, in: ders. (Hrsg.), Die Deutschen und ihr Mittelalter. Themen
bloß oberflächliche Substitution von "Germanen" bzw. "Deutschen" durch "Europäer" verweist. und Funktionen moderner Geschichtsbilder vom Mittelalter, Darmstadt '992, S. 147-164.
40 Bunke, Kamele auf dem Kaisermantel, S. 10. 45 Hunke, Kamele auf dem Kaisermantel, S. 47 ff.
904 FELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 905
der Kreuzzüge mit ihren entsprechenden Ausspielungen - fanatische und hillterlistige Mythos aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ließ sich denn auch von den
Templer und Johanniter als Repräsentanten Roms und der französischen Krone auf der dnschlägigen Darstellungen inspirieren. 52 So war der Staufer bereits in der von Hunke
einen Seite; deutsche Ritter und edle Sarazenen auf der anderen Seite - war keineswegs ,mgeführten berühmten Biografie Ernst Kantorowicz' zum "große[n] Mittler und
originell. Vor allem in den literarischen Adaptionen des Themas aus dem 19· Jahrhun- Einer von Osten und Westen" stilisiert worden. 53 Auch die Kombination dieser Figur
dert war dieses Narrativ geläufig. 46 mit antiklerikaler Polemik war keineswegs originell. Mit Sicherheit kannte Hunke
Für Hunke spielte in diesem Zusammenhang insbesondere der Topos der deutsch- etwa die entsprechende Passage in Nietzsches "Antichrist", in welcher der Staufer-
arabischen Ritterlichkeit eine zentrale Rolle. Hier rekurrierte sie wiederum eindeutig kaiser zu den großen Freigeistern gerechnet und seiner Freundschaft mit dem Islam
auf Clauß, der den arabischen "Wüstenkrieger" mit analogen Attributen versehen hatte gerühmt wird: "Krieg mit Rom aufs Messer! Friede, Freundschaft mit dem Islam", so
wie die Ritter und Soldaten des germanischen Nordens. 47 Indem Hunke unterstrich, lautete entsprechend das dem Staufer von Nietzsche zugeschriebene Motto. 54 Nicht
die europäische "Ritterlichkeit" habe sich ebenso "aus rein germanischen Ursprüngen zuletzt aber bewegte sich Hunke bei ihrer positiven Referenz auf Friedrich Ir. auch in
bereits in vorchristlicher Zeit entwickelt", wie "die arabische Ritterlichkeit bereits im der nationalsozialistischen Deutungstradition, die insbesondere in den Kriegsjahren
vorislamischen Wüstenarabertum" wurzele, versuchte sie zudem wiederholt, die das Stauferreich als historische Referenz eines germanisch dominierten Europa in
deutsch-arabische Freundschaft "heidnisch" zu fundieren. 48 Überdies stilisierte sie Beschlag genommen hatte. 55
den gemeinsamen "Geist der Ritterlichkeit" zu einem fundamentalen Gegenpol zur
christlichen Ethik, wobei sie - ganz nietzscheanisch die jüdisch-christliche Moral des
Mitleids mit dem Schwachen gegen eine aristokratische "Bewunderung für den Edlen, Der nichtarabische Orient
Achtenswerten" ausspielte. Zweifellos rekurrierte Hunke dabei auch auf den völkischen
Begriff des Heldischen aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts und schrieb dem Hunkes Araberbild steht aber nicht nur in der Tradition einer antiklerikalen und
deutsch-arabischen Rittertum entsprechende Attribute zu: "Hier wie dort gibt es ver- germanophilen Araberromantik, sondern muss zudem vor dem Hintergrund eines
gleichbare Züge: das hohe Ethos arabischer und germanischer Gastfreundschaft, das weiteren, nicht nur antichristlichen, sondern dezidiert antisemitischen Deutungsmus-
Ethos der Blutrachepflicht, das Ideal des kämpfenden Helden - der selbst, wenn er Feind lers gelesen werden, das im Kontext völkisch-nationaler Ideologie überhaupt erst den
ist, Bewunderung, Liebe, Trauer abnötigt. Das zeigt sich in der arabischen Wüste wie auf Rahmen für die Adaption bestimmter Figuren der Orientromantik abgab. Schließlich
dem isländischen Bauernhof und in der langobardischen Königshalle. "49 verstand sich ein positiver Bezug auf den arabischen Orient im Kontext der völkischen
Als exemplarische Manifestation dieses gemeinsamen Ethos präsentierte Hunke Weltanschauung keineswegs von selbst. In weiten Teilen der entsprechenden Literatur
schließlich den zur deutsch-arabischen Begegnung stilisierten Kreuzzug Kaiser Fried- herrschte vielmehr ein ausgesprochen negatives Orientbild vor, verkörperte der Orient
rich Ir. von 1228129. Nicht machtpolitische Konstellationen, sondern das Bewusstsein hier doch Chaos und Zersetzung und galt als Urheimat all jener "artfremden" Einflüsse,
der verbindenden Gemeinsamkeiten mit den Arabern seien es gewesen, die zum weit-
gehend unblutigen Verlauf des Unterfangens und zum Frieden von Jaffa 1229 geführt ',2 Vgl. das Literaturverzeichnis bei Hunke, Allahs Sonne, S. 359 f. Zur Rezeption des Staufers grundlegend
hätten. 5o Der Staufer avancierte zum wahren "Vereiner von Morgen- und Abendland", Marcus 1homsen, "Ein feuriger Herr des Anfangs". Kaiser Friedrich II. in der Auffassung der Nachwelt,
Ostfildern 2005; Hubert Houben, Kaiser Friedrich II. Herrscher, Mensch, Mythos, Stuttgart 2007-
zur idealen Führergestalt, in der "germanische[r] Genius dem arabischen" begegnet
,3 Ernst Kantorowicz, Kaiser Friedrich der Zweite, Stuttgart '991, S. '77- Vgl. hierzu Otto Gerhard Oexle,
sei. 51 Mit dieser Idealisierung bewegte sie sich eindeutig in der Tradition des Friedrich-
Das Mittelalter als Waffe. Erst Kantorowicz' "Kaiser Friedrich der Zweite" in den politischen Kontrover.
sen der Weimarer Republik, in: ders., Geschichtswissenschaft im Zeichen des Historismus, Göttingen
46 Vgl. Thomas Kramer, Der Orientkomplex. Das Nahost-Bild in Geschichte und Gegenwart, Ostfildern '996, S. 163-215.
2009, S. 45-74. \4 Friedrich Nietzsche, Der Antichrist. Fluch auf das Christentum, in: Nietzsche, Kritische Studienausgabe
47 V gl. bes. Ludwig Ferdinand Clauß, Krieger und Soldat, in: Wir und die Welt 1.1939 (Heft VIII), S. 3'- Bd. 6, München 1999, S. 250. Vgl. hierzu lan A1mond, Nietzsches Peace with Islam: My Enemy's Enemy
34· is my Friend, in: German Life and Letters 56 (2003), S. 43-53.
48 Hunke, Kamele auf dem Kaisermantel, S. 72. » Vgl. hierzu Thomsen, "Ein feuriger Herr des Anfangs", bes. S. 259-286. Ähnlich wie Kar! der Große
49 Ebenda, S. 77 f. Vgl. zum Begriff des Heldischen Cornelia Schmitz-Berning, Vokabular des National- gehörte Friedrich 11. im nationalistischen Geschichtsbild traditionell zu den umstrittenen Gestalten:
sozialismus, Berlin 1998, S. 305 ff. Einerseits konnte das Stauferreich imperiale Reichsherr!ichkeit und nationale Größe verkörpern; in
50 V gl. Hunke, Kamele auf dem Kaisermantel, S. 66-72. einer kleindeutsch-nationalen Deutungsrichtung aber stand die Fixierung der Staufer auf Sizilien für
5' Hunke, Allahs Sonne, S. 227, 273- Vgl. insgesamt zur Idealisierung Friedrich II. S. 227-274. einen verhängnisvollen historischen Irrweg.
906 FELl X WIEDEMANN "Ailahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 907
von denen man sich zu befreien erhoffte. So stilisierten radikal antiklerikale Ideologen wesentlichen Bestandteilen aus Nachkommen einer im alten Orient durch die Hethiter
die katholische Kirche zum Außenposten des Orients in Europa oder diffamierten das It:präsentierten, ursprünglich aber im armenischen Hochland ansässigen Urrasse Vor-
Christentum oaenerell als fremde orientalische "Wüstenreligion"; und nicht zuletzt derasiens zusammensetze. 60 Im Anschluss daran hielten rassentheoretische Koryphäen
fungierte gerade das von Clauß idealisierte Nomadenturn in weiten Teilen der völldsch- der 192oer- und 1930er-Jahre wie Eugen Fischer und Hans F. K. Günther das "vorder-
antisemitischen Literatur als Inbegriff eines heimatlosen, räuberischen Daseins, wie man ,lsiatische" Element im "Rassengemisch des jüdischen Volkes" fürvorherrschend. 61 Ent-
es dem Judentum zuschrieb. 56 Gerade diese verbreitete Assoziation des Orientalischen ,prechend avancierte die vorderasiatische Rasse zur Projektionsfläche antisemitischer
mit dem Jüdischen gehörte schließlich zu den ältesten Figuren der Judenfeindschaft, Stereotype, und man schrieb ihr Eigenschaften wie Gerissenheit, Grausamkeit und
die herangezogen wurden, um eine vermeintliche Andersartigkeit und Fremdheit des llandelsgeist zu. Wichtig war zudem die Verbindung des Vorderasiatischen mit dem
Judentums in Europa zu belegen. 57 Städtischen: Während nämlich die orientalische Rasse mit der arabischen Wüste
Die Frage nach der Stellung der Juden innerhalb eines größeren orientalischen Kon- .lssoziiert wurde und die Beduinen entsprechend als deren reinste Verkörperung er-
textes und ihrem Verhältnis zu anderen Völkern der Region war in der antisemitischen schienen, fungierte die levantinische Stadt als eigentlicher Lebensraum der Vorderasi-
Literatur freilich keineswegs neu. Dabei war die ursprünglich aus der Philologie stam- aten. Schließlich setzte sich diese Differenzierung in der antisemitischen Rassentheorie
mende Kategorie der "Semiten", zu denen theoretisch ja die Araber ebenso gehörten wühl nicht zuletzt deswegen durch, weil die auf diese Weise mögliche Unterscheidung
58
wie die Juden, am Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend in die Kritik geraten. Zu /wischen Juden und Arabern auch aus außenpolitischen Motiven heraus instrumen-
dieser Zeit hatte der anthropologische Diskurs jedoch eine neue rassische Kartografie talisiert werden konnte. 62
des Orients erstellt, in der Juden und Araber weitgehend verschiedenen Grundrassen In diesem Sinne hatte auch Clauß die "seelenkundliche Abgrenzung" der von ihm
zugeordnet wurden: Demnach setze sich die Bevölkerung des Orients im Wesentlichen <1!S "wüstenländisch" (statt orientalisch) bezeichneten arabischen "Ursemiten" von
aus einer in der Regel als "orientalisch" bezeichneten Rasse, zu der vornehmlich die Ara- der die levantinischen Städte bevölkernden "vorderasiatischen Rasse" als zentrales Er-
ber gezählt wurden, und einer anderen Rasse zusammen, für die ursprünglich mehrere gebnis seiner Orientforschung herausgestellt. 63 In seiner Typologie spielten zudem
Bezeichnungen ("armenoid", "alarodisch", "kappadokisch", "protoarmenisch", "hethi- religiöse Figuren eine zentrale Rolle: So prägte er für die wüstenländischen Araber den
tisch") kursierten, sich aber letztlich der Terminus "vorderasiatisch" durchsetzte. 59 Von Oberbegriff des "Offenbarungsmenschen", für die Vorderasiaten hingegen den des "Er-
Bedeutung war dabei vor allem die bereits von Houston Stewart Chamberlain aufgegrif- lösungsmenschen". Damit sollte das Streben dieses "Zwiespaltmenschen" nach Erlösung
fene Theorie des Anthropologen Felix von Luschan, wonach sich das jüdische Volk zu von einem als unerträglich erfahrenen Leib-Seele-Dualismus zum Ausdruck gebracht
56 V gl. Exemplarisch AdolfWahrmund, Das Gesetz des Nomadentl1ms und die heutige Jl1denherrschaft,
Karlsruhe/Leipzig1887. Dieser völkische Orientalismus ist noch weitgehend l1nerforscht. V gl. aber die 60 V gl. Felix von Luschan, Die anthropologische Stellung der Juden, in: Correspondenz-Blatt der deut ~
Hinweise bei Miloslav Szab6, Rasse, Orientalismus und Religion im antisemitischen Geschichts- sehen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 23 (1892), S. 94-102; ders., Zur phy-
bild Alfred Rosenbergs, in: Werner Bergmann/Ulrich Sieg, Antisemitische Geschichtsbilder, Essen sischen Anthropologie der Juden, in: Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden 1 (1905),
2009, S. 211-230. S. 1-4; Houston Stewart Chamberlain, Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts. Ungekürzte
57 V gl. die Beiträge in: Ian D. Kalmar/Derek j. Penslar (Hrsg.), Orientalism and the jews, Hanover/London Volksausgabe. Bd. 1, München '932, S. 427 ff. Die Zugehörigkeit des Hethitischen zur indoeuropäischen
2005· Sprachfamilie war Chamberlain noch unbekannt; nachdem diese 1915 durch den tschechischen Philolo~
58 V gl. die Hinweise bei Moshe Zimmermann, Aufkommen und Diskreditierung des Begriffs Antisemitis- gen Bedfich Hrozny nachgewiesen worden war, verloren die Rekurse auf die Hethiter als Vorfahren der
mus, in: ders., Deutsch-jüdische Vergangenheit. Der Judenhass als Herausforderung, Paderborn 2005, Juden in völkisch~antisemitischen Kreisen freilich ihren Reiz.
S. 25-40. Zum Begriff der Semiten grundlegend Maurice OIender, Die Sprachen des Paradieses. Reli- 61 Hans F. K. Günther, Rassenkunde des jüdischen Volkes, München '93', S. 38. VgL ferner Eugen Fischer,
gion, Philologie und Rassentheorie im '9. jahrhundert, Frankfurt a. M. '995; ferner Leon Poliakov, Der Rassenentstehung und ältere Rassengeschichte der Hebräer, in: Forschungen zur Judenfrage. Bd. 3. Sit-
arische Mythos. Zu den Quellen von Rassismus und Nationalsozialismus, Hamburg '993; Ruth Römer, zungsberichte der Dritten Münchner Arbeitstagung des Reichsinstituts für Geschichte des neuen
Sprachwissenschaft und Rassenideologie in Deutschland, München 1985· Deutschlands vom 5· bis 7- Juli '938, Hamburg 1938, S. 121-136.
59 VgL die begriffliche Erläuterung von Eugen Fischer, Spezielle Anthropologie: Rassenlehre, in: ders.! 62 So versuchte etwa Theodor Fritsch schon frühzeitig, sich des Palästilla~Konfliktes zu bedienen, und un-
Gustav Schwalbe u. a. , Anthropologie, Leipzig/Berlin '923, S. 170 ff. Zu diesen Diskussionen vgl. terschied dabei scharf zwischen Juden und Arabern. V gl. Theodor Fritsch, Dr. Melzer und der negative
Annegret Kiefer, Das Problem einer ,jüdischen Rasse". Eine Diskussion zwischen Wissenschaft und Antisemitismus, in: Hammer. Blätter für deutschen Sinn 26 (1927), S. 249-253, hier S. 250; ferner ders.,
Ideologie, Frankfurt a. M. 199 J; john M, Efron, Defenders of the Race. Jewish Doctors and the Race Handbuch der Judenfrage. Die wichtigsten Tatsachen zur Beurteilung des jüdischen Volkes, Leipzig
Science im Fin-de-Siecle Europe, New Haven/London [994, bes. S. 23 ff.; Veronika Lipphardt, Biologie '936, bes. S. 18 ff.
der Juden. jüdische Wissenschaftler über Rasse und Vererbung. '900-1935, Göttingen 2008, bes. S. 72 ff. 63 Clauß, Semiten der Wüste, S. 32. VgL bes. S. '40-'54. Hierzu Wiedemann, Der doppelte Orient, S. 11 ff.
908 PELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene Religion" 909
werden - ein Streben, das Clauß zufolge wiederum zu fundamentaler Körper- und attraktiv waren. So war es durchaus verbreitet, kulturelle und religionshistorische Brüche
Naturfeindschaft, gefährlicher Weltabgewandtheit und ungesunder "Vergeistigung" vornehmlich durch Einfalle erobernder Völker - wie eben der Hurriter, vor allem aber
geführt habe. Unzweideutig bezog er sich dabei nicht nur auf das ihm zufolge immer ,lUch der Indoeuropäer - zu erklären, die sich als "Herrenschichten" über die alt-
schon vom "Stil des Erlösungstypus" beherrschte "jüdische Volkstum", sondern auch orientalischen Gesellschaften gelegt hätten. 68 Zudem ließ sich auch die Verortuna eines
auf die christliche Religion. 64 ursprünglichen "Hurri-Landes" im südlichen Kaukasus bzw. Armenien, von wo aus '" die
Auch dieses Zuschreibungsmuster hat Hunke schließlich in ihrer Kritik des Chris- Verbreitung der Hurriter ihren Anfang genommen habe, gut mit den Spekulationen
tentums übernommen: Zum einen erweist sich jener "Dualismus" - zwischen Trans- über die Herkunft der Vorderasiaten in der rassentheoretischen Literatur vereinbaren.69
zendenz und Immanenz, Gott und Welt, Gut und Böse, Seele und Körper -, den Hunke Hunke kombinierte dabei die Spekulationen über die Urheimat der Hurriter mit den
im Zentrum des Christentums wähnte, als deckungsgleich mit dem, was Clauß als er- inkriminierenden Aussagen des völkischen Kulturgeografen Ewald Banse (1883- 1953)
lösungsmenschliche Religiosität beschrieben hatte; und zum anderen folgte sie ihrem über die Landschaft und Bevölkerung Armeniens. Dieser hatte von den vermeintlichen
Lehrer auch weitgehend in ihrer ethnischen Zuordnung dieses "fremden Vorbilds".65 Schrecknissen der armenischen Berglandschaften auf die "stumpfgeprügelte Verzweif-
Ganz im Sinne der Differenzierung zwischen arabischen Semiten und einer anderen - lung und ohnmächtige Ergebung" ihrer Bewohner geschlossen, was Hunke wiederum
vorderasiatisch-jüdischen - Rasse führte sie die Verbreitung des dualistischen Vorbilds als Prädisposition jenes Strebens nach Erlösung anführte, das im Zentrum ihrer Figur
im Orient auf das gewaltsame Eindringen eines weder semitischen noch indogerma- des religiösen Dualismus stand.?o
nischen Völkerstamms zurück: "Aus dem armenischen Hochgebirge bricht da in erst Es ist schließlich ihre Darstellung der angeblich so verhängnisvollen welthistorischen
langsamem Vordringen, dann immer mächtiger anschwellend eine Völkerwelle nach Rolle der Religion des "hurritischen Menschen", in der die judenfeindliche Herkunft ih-
dem Süden. Es sind weder Semiten noch Indogermanen nach Herkunft und Sprache, rer Argumentation am klarsten zu erkennen ist: Bezeichnenderweise nämlich erläuterte
Völkerschaften, die in vorhistorischer Zeit in Gebirgsklüften und Tälern Armeniens sie den Charakter der hurritischen Religion ausschließlich anhand von Belegen aus dem
östlich des Euphrats gesessen haben und sich, veranlaßt durch die Ausbreitung der Alten Testament.?l Dabei berief sie sich auf verstreute Bemerkungen in der theologi-
Indogermanen und durch die in der Gebirgszone zunehmende Bevölkerungsdichte, schen und orientwissenschaftlichen Literatur über die Rolle hurritischer Bevölkerunas-
über die südlichen Randgebiete nach Mesopotamien und Syrien hinein ergießen. "66 elemente in Palästina und Syrien des 2. vorchristlichen Jahrtausends. Bei Hunke wird '"
Wohl weil die Herkunft des Begriffs "vorderasiatisch" aus dem völkisch-national- daraus dann die Behauptung, die "churrische Völkerwanderung" habe gerade Syrien
sozialistischen Rassendiskurs in diesem Zusammenhang nur allzu leicht erkennbar ge- lind Palästina "überschwemmt" und in diesen "von ihnen durchsetzten Völkern geistig
wesen wäre, nahm sie an dieser Stelle allerdings eine weitere begriffliche Substitution vor: und blutsmäßig nachhaltige Wirkungen hinterlassen".72 Entsprechend manifestiere sich
Hunke besetzte den Platz der vorderasiatisch-jüdischen Rasse mit den altorientalischen 68 Vgl. zur Forschungsgeschichte Gemot Wilhelm, Grundzüge der Geschichte nnd Kultur der Hurriter,
Hurritern (bzw. Churritern) neu und wies diesen eine entsprechend verhängnisvolle Darmstadt 19 82, bes. S. 1-8. Die ausführlichste Darstellung ihrer Hurriter-Theorie findet sich in Sigrid
Rolle in der Geschichte von Orient wie Okzident zu. Eine derartige Indienstnahme alt- Hunke, Am Anfang waren Mann und Frau. Vorbilder und Wandlungen der Geschlechterbeziehungen,
orientalischer Hintergründe zur Inszenierung "historisch-kultureller Stellvertreterkrie- Hildesheim u. a. 1987, bes. S. 52 ff., 282 ff.; ferner Hunke, Europas andere Religion (19 69), S. 29 Ir Hunke
ge"67 war in der Orientliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts keineswegs ungewöhnlich. bezog sich vorrangig auf Friedrich Bilabel, Geschichte Vorderasiens und Ägyptens vom 16.-11. Jahr-
hundert v. Chr., Heidelberg 1927, und Albrecht Götze, Hethiter und Churriter. Hauptlinien der vorder-
Warum ihre Wahl dabei allerdings ausgerechnet auf die Hurriter fiel, lässt sich nicht mit
asiatischen Kulturentwicklung im 2. Jahrtausend v. Chr. Geburt, Oslo 1936. Lässt sich gerade bei Götze
letzter Sicherheit klären. Ein möglicher Grund mag schlicht gewesen sein, dass über die
eine Fixierung auf die Indogermanen als angebliche neue Herrenschicht im Orient (vgl. bes. S. 37 f)
Hurriter - zumal in den 1950er- und 1960er-Jahren - so wenig gesicherte Erkenntnisse feststellen, so schilderte er auch die Rolle der Hurriter keineswegs negativ; vielmehr erschienen diese
verfügbar waren, dass sie sich als Projektionsfläche geradezu anboten. Des Weiteren hier als Frischzellenkur der assyrische Kultur (vgl. S. 176 tf.).
konnte sie aber auch der von ihr zitierten altorientaHstischen und religionshistorischen 69 Götze, Hethiter und Churriter, S. 103.
Literatur bestimmte Annahmen und Argumentationsfiguren entnehmen, die für sie 70 Ewald Banse, Die Türkei. Eine moderne Geographie, Braunschweig 19 15, S. 186. Vgl. Hunke, Am An-
fang, S. 55; dies., Europas eigene Religion (1981), S. 28. Vgl. Zu Banse Hans Merthens, Die Hochschule im
64 Clauß, Rasse und Seele (1938), S. 76-99, hier S. 84, 98. Vom C 011·
Netz des Ideologischen, in: Technische Universität Braunschweig (Hrsa) 0· , eglum Caro 1·IDUD1
65 V gl. das gesamt Kapitel "Das dualistische Vorbild Europas" in: Hunke, Europas eigene Religion (1981), zur Technischen Universität. 1745-1995, Hildesheim ll. a. 1995, S. 479-508, hier S. 486 f.
S.25-52. 71 Sie führte an: Bilabel, Geschichte Vorderasiens, S. 8, sowie Martin Noth, Geschichte Israels, Göttingen
66 Ebenda, S. 27. 1954, S. 30 f.
67 Polaschegg, Der andere Orientalismus, S. 203 f. 7' Hunke, Am Anfang, S. 53; vgl. dies., Europas eigene Religion (1981), S. 27.
910 FELIX WIEDEMANN "Allahs Sonne" und "Europas eigene R.eligion" 911
insbesondere in der alttestamentlichen Religion "hurritische Weltangst und Weltekel", asiaten durch die Hurriter erlaubte es ihr, jene Aufteilung des Orients in einen arabischen
das Gefühl "absoluten menschlichen Unwerts", vor allem aber der quälende Dualismus: und einen vorderasiatisch-jüdischen Teil mit all ihren Zuschreibungen beizubehalten,
"Kraft seines ausgeprägten numinosen Gefühls hat das Volk Israel dies Erlebnis der wie sie die antisemitische Rassentheorie zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorgenommen
Zwiegespaltenheit der Welt in seine religiöse Schau hineingenommen. "73 Schließlich hatte. Erst diese Trennung ermöglichte es ihr schließlich, sich positiv auf den "juden-
knüpfte sie in diesem Zusammenhang auch an eine antisemitische Argumentationsfigur freien" arabischen Orient und dessen historischen Einfluss auf die europäische Kultur
aus dem Arsenal des völkischen Feminismus der 1920er-Jahre an und machte den Im- zu beziehen und zugleich den sich im Christentum manifestierenden nichtarabischen _
port des "hurritischen Frauenhasses" im Zuge der Ausbreitung des Christentums für hurritischen, vorderasiatisch-jüdischen - Orient radikal abzulehnen.
die Zerstörung eines ursprünglich harmonischen Geschlechterverhältnisses im ger-
manischen Europa verantwortlich. Wie sie bereits 1955 in der (aus ihrer Dissertation
hervorgegangenen) Abhandlung "Am Anfang waren Mann und Frau" betonte, habe Europa, der Orient und die gemeinsame Bedrohung
sich dieser verhängnisvolle hurritische Einfluss insbesondere in dem von "Gefühlen des
Hasses und des Abscheus vor dem weiblichen Geschlecht" erfüllten "israelitische[nJ Die Konstruktionen des arabischen Orients und des germanischen Okzidents sind bei
Volk" niedergeschlagen?4 In ihren Publikationen in einschlägigen Organen ließ sie teil- Sigrid Hunke mithin auf vielfaltige Weise ineinander verwoben. Dabei kann eine nega-
weise sogar den Umweg über das Hurritische ganz fallen. So führte sie 1983 in einem tive Verbindung beider Räume, die sich über die gemeinsame Abgrenzung gegenüber
Artikel für die Unitarischen Blätter etwa den europäischen "Hexenwahn" ursächlich der christlichen Kultur konstituiert, von einer positiven Variante unterschieden werden,
auf die "gewaltsame Überstülpung der orientalisch-jüdischen Zwangsjacke über die die sich der Herstellung von Analogien und Ähnlichkeiten zwischen beiden Welten
geradegewachsenen germanischen Frauenpersönlichkeiten" zurück. 75 bedient. Die gleichermaßen "heidnisch" bestimmten Räume des arabischen Orients
Von entscheidender Bedeutung war in diesem Zusammenhang schließlich ihre und des germanischen Okzidents fungieren dabei jedoch nicht als identische oder ver-
nachdrückliche Unterscheidung des Hurritisch -Jüdischen vom Arabischen. So lasse wandte, sondern als sich ihrer jeweiligen Andersheit bewusste Entitäten mit analogen
sich bereits für das alte "Palästina Israels" das "einheitliche Stilgefüge dieses Menschen- Eigenschaften. Die arabische wie europäische Identität sowie deren vermeintliche
tums" deutlich "vom arabisch-semitischen" abgrenzen. Im Zentrum dieser ausgemach- Gemeinsamkeit aber wird vor allem durch Abgrenzung vom einem beiden Welten
ten Differenz stand wiederum das vermeintlich grundverschiedene religiöse Erleben äußerlichen "Dritten" konstituiert: dem Christentum (sowie der westlichen Kultur).77
des - in Clauß' Begriffen ausgedrückt - arabischen Offenbarungsmenschen und des Diese Struktur präsentiert sich bei Hunke im Wesentlichen als historisches Narra-
vorderasiatischen Erlösungsmenschen: "Ist das Urerlebnis des arabischen Menschen tiv: Während die Analogien und Gemeinsamkeiten der europäisch-germanischen und
das der Abhängigkeit schlechthin, hervorgerufen durch das in dem ungeheuren Raume der arabischen Welt ihren Ausdruck in dem durch den arabischen Einfluss in Gang
der Wüstenlandschaft aufbrechende Gefühl eigener Winzigkeit und Nichtigkeit, so ist gesetzten europäischen Identitätsbildungsprozess finden, manifestiert sich die Bedro-
das Urerlebnis des hurritischen Menschen das der Sündhaftigkeit schlechthin, hervor- hung durch das beiden Welten äußerliche Element zum einen in der Ausbreitung des
gegangen aus dem in der Mühsal und Dürftigkeit des ,Jammertales' erlebten lastenden Christentums in Europa und zum anderen in den Kreuzzügen und im Kolonialismus.
Druck des Daseins. "76 Diese historischen Ereignisse werden gerade nicht als Übergriffe des Orients auf den
Festzuhalten bleibt, dass Hunkes Hurriter-Rekurs eine zentrale Funktion in ihrem Okzident (Christianisierung Europas) bzw. des Okzidents auf den Orient (Kreuzzüge,
Geschichtsbild erfüllte und als zwingende Voraussetzung für die Kombination von Kolonialismus) interpretiert, sondern auf den dritten Akteur zurückgeführt: Die Aus-
Arabophilie und Neuheidentum angesehen werden kann: Die Substitution der Vorder- breitung des Christentums und damit in letzter Konsequenz auch die Folgen hiervon
wie die Kreuzzüge und der Kolonialismus erscheinen als verhängnisvolle Adaption des
73 Hunke, Europas eigene Religion (1981), S. 32; vgl. dies., Am Anfang, S. 59.
hurritischen Dualismus. Nicht nur von seiner Struktur her, sondern vor allem seiner
74 Hunke, Am Anfang, S. 61, 207. In der von ihr angeführten Literatur ist von einem hurritischen Einfluss
ideologiegeschichtlichen Herkunft wegen aber kann dieses Modell eindeutig der anti-
auf diesem Gebiet freilich nirgends die Rede.
75 Sigrid Hunke, Von der Verteufelung der Frau, in: Unitarische Blätter 34 (1983), S. 111-1l4, hier S. lll. Vgl.
semitischen Ideologie aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zugeordnet werden:
hierzu Fetix Wiedemann, Rassenmutter und Rebellin. Hexenbilder in Romantik, völkischer Bewegung, Schließlich steht die Figur des Hurritischen mit all ihren Zuschreibungen in eindeutiger
Neuheidentum und Feminismus, Würzburg 2007, S. 188-194.
76 Hunke, Europas eigene Religion (1981), S. 27,3° f.; dies., Am Anfang, S. 58. In der Anmerkung (S. 286) 77 Vgl. zur Bedeutnng dieser Struktur im Antisemitismus Klaus Holz, Die Figur des Dritten in der natio-
zitiert sie in diesem Zusammenhang entsprechend Clauß, Semiten der Wüste, S. 153. nalen Ordnung der Welt, in: Soziale Systeme 6 (2000), S. 26 9- 29°.
912 FELIX WIEDEMANN
Kontinuität zur Figur des Vorderasiatisch-Jüdischen, wie sie die antisemitische Rassen-
theorie zu Beginn des 20. Jahrhunderts charakterisiert hatte.
Zweifellos aber erweist sich auch Hunkes angeblich vorurteilslose Darstellung der
arabischen Welt und der positiven Rolle des arabischen Einflusses in der europäischen
Geschichte als stereotyp. So bewegt sich ihr Bezug auf die arabische Welt grundsätzlich GREGORY R. WITKOWSKI
in den ausgetretenen Bahnen einer immer schon zum Repertoire europäischer Orient-
repräsentationen gehörenden Romantisierung und Idealisierung. Entscheidend ist
zudem ihre Fixierung auf ein scheinbar authentisches arabisches Wesen - ein Modell, "Industriearbeiter aufs Land!"
das freilich auch in seiner romantischen Gestalt und durch die Konstruktion vermeint-
licher Gemeinsamkeiten mit dem "eigenen" - germanisch-europäischen - Wesen nichts Eine Fallstudie zu Staatsplanung, Eigensinn und Modernisierungsversuchen
von seinem essenzialistischen, wenn nicht rassistischen Charakter einbüßt. Als Bei-
spiel für eine jenseits orientalistischer Figuren angesiedelte, vorurteilsfreie oder gar
offene Darstellung der arabischen Kultur und ihrer Bedeutung für die europäische Die Realisierung neuer Programme der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
Geschichte kann Hunke jedenfalls in keiner Weise herhalten. Möglicherweise aber hat (SED) sowie deren Maßnahmen, politisch -ökonomische Probleme zu lösen, wurden
sie zumindest dies mit Verfechtern der Idee des christlichen Abendlandes wie oft von der Implementierung neuer Kampagnen oder Aktionen begleitet. l Der Einsatz
dieser Kampagnen war Kernelement sowohl der langfristigen Strategie im Rahmen der
Gouguenheim gemeinsam.
Fünf- und Sieben-Jahrespläne als auch kurzfristiger Maßnahmen zum temporären
Ausgleich wirtschaftlicher Defizite. Obwohl die Kampagnen charakteristisch für den
Regierungsstil der SED während des "Aufbaus des Sozialismus" in den 1950er-Jahren
waren, hat die Forschung sie bisher nicht im Detail untersucht. 2 Dieser Aufsatz analy-
siert im Rahmen einer Fallstudie zu Kampagnen und Massenmobilisierungen die
Aktion "Industriearbeiter aufs Land" (IaL) in der DDR. 3
Diese Aktion von SED und DDR-Regierung zielte auf die Arbeitsmigration von In-
dustriearbeitern in die Dörfer, um die "sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft"
zu fördern. Etwa 100 000 Arbeiter folgten dem Aufruf und verließen die Städte, um in
landwirtschaftlichen Betrieben zu arbeiten. Zentrale Idee des Programms war die
Annahme, dass politische und technische Bildung zu weitreichenden Veränderungen in
den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen führen könnte.
Ziel der vorliegenden Studie ist es, diese Kampagne von zwei verschiedenen Stand-
punkten aus zu beleuchten. Zunächst soll der Zweck der Aktion aus Sicht der SED und
der Regierung analysiert werden, um sodann auf die theoretischen und realpolitischen
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Juliane Nitschke. Ich danke Jens Schöne, Georg G. Iggers und
Arnd Bauerkämper für Hinweise und Kritik, den Interviewpartnern für ihre Zeit und ihre Berichte.
Nach Jürgen Kocka waren die Massenmobilisierungsbestrebungen ein wichtiger Bestandteil der Regie-
rungsmethoden des Regimes, vgl. )ürgen Kocka, Eine durchherrschte Gesellschaft, in: Hartmut Kaelblel
)ürgen Kocka/Hartmut Zwahr (Hrsg.), Sozialgeschichte der DDR, Stuttgart 1994. Zur Implementierung
von Kampagnen in der ehemaligen Sowjetunion vgl. Lynne Viola, The Best Sons of the Fatherland, New
York 1987; Lewis Siegelbaum, Stakhanovism and the Politics of Productivity in the USSR, '935-1941,
Cambridge 1988.
Vgl. Gregory Witkowski, Factory to Farm, Farm into Factory: A Case Stndy of Communist Campaigns and
Agricultnral Collectivization in the German Democratic Republic, Bllffalo 2003.
ZEITSCHRIFT FÜR GESCHICHTSWISSENSCHAFT
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57. Jahrgang 2009 Heft 11
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